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Sicherheit und Sparen: Patchwork-Familien richtig versichern

Aus „Vater-Mutter-Kind“, also dem traditionellen Familienmodell, ist bundesweit in zahlreichen Lebensgemeinschaften längst „Mutter-Freund-Stieftochter“ oder „Papa-Vati-Adoptivsohn“ geworden: Laut Statistischem Bundesamt wächst in Deutschland derzeit jedes vierte Kind in sogenannten alternativen Lebensformen auf. Hierzu gehören Alleinerziehende ebenso wie Patchwork-Familien. Für diese neu gemischten Lebensgemeinschaften (benannt nach den Patchworkdecken, bei denen unterschiedliche Stücke aus Stoff oder Leder zusammengenäht werden) lohnt es sich, einen Blick auf den bestehenden Versicherungsschutz zu werfen.

Beispiele Haftpflicht- und Hausratversicherung

Wer mit Kindern und einem Partner in ein neues Zuhause zieht, bringt zumeist die eigene Haftpflichtversicherung mit. Gekündigt werden darf immer der jüngere Vertrag. Tatsache ist: Neu zusammenlebende Paare brauchen nur eine für die gesamte Patchwork-Familie. Die Kinder sind auf jeden Fall mitversichert. Kinder, die nur am Wochenende zu Besuch kommen und ansonsten beim Ex-Partner leben, sollten über diesen bei der Haftpflichtversicherung mitversichert sein.

Auch bei der Hausratversicherung reicht eine Police. Allerdings müssen die Partner darauf achten, dass die im Vertrag genannte Versicherungssumme noch stimmt. Zieht ein Partner dazu, bringt er vielleicht noch seinen Fernseher oder seine Musikanlage mit – deswegen müsste möglicherweise die Versicherungssumme erhöht werden. Auch bei einem gemeinsamen Umzug in eine größere Wohnung sollte dieser Betrag an den Wert des Hausrats angepasst werden.

Etwas komplizierter: Lebensversicherung

Bei Risikolebensversicherungen müssen „Patchworker“ unbedingt genau in den Vertrag schauen, wer dort als Begünstigter eingetragen ist. Im Fall von Lebensversicherungen müssen homosexuelle Paare den Partner genauso als Bezugsberechtigten für die Hinterbliebenenleistungen eintragen lassen, wie auch Patchwork-Familien die leiblichen beziehungsweise Stiefkinder sowie den Gatten oder Partner. Es ist vollkommen egal, ob das Paar verheiratet ist, das gleiche Geschlecht hat oder es sich nicht um das leibliche Kind handelt: Hauptsache, die Partner oder Kinder sind namentlich eingetragen. Denn wenn beispielsweise der Versicherungsnehmer einer Lebensversicherung stirbt, könnte seine im Vertrag benannte Exfrau die Hinterbliebenenleistung erhalten, wenn die neue Partnerin und ihre Kinder als Begünstigte nicht eingetragen sind. Eine schriftliche Änderung an den Versicherer reicht aus.

Wenn Patchwork-Familien finanzielle Verpflichtungen für den Fall der Fälle absichern wollen, sollten sie auch das deutsche Erbrecht beachten. Nicht-verheiratete Lebenspartner und ihre „Stiefkinder“ gelten nach dem deutschen Erbrecht als „Fremde“. Sie haben keinen Pflichtteilsanspruch, erhalten nur einen geringen Freibetrag und müssen darüber hinaus den höchsten Steuersatz entrichten. Im Vergleich zu verheirateten Paaren verlieren Lebenspartner und Stiefkinder bei einer Erbschaft in der Regel eine Menge Geld, bei manchen privaten Altersvorsorgeprodukten ist ein Hinterbliebenenschutz für Unverheiratete nicht möglich – oder mit erheblichen Nachteilen verbunden. Bei einer Riester-Rente etwa muss in einem solchen Fall die staatliche Förderung zurückgezahlt werden.

Patchwork-Paaren sollten sich deshalb bei der Risikolebensversicherung über Kreuz versichern, das heißt, der Mann schließt eine Risikolebensversicherung auf das Leben der Frau ab und umgekehrt. Dann ist der jeweilige Partner Versicherungsnehmer, Beitragszahlender und Bezugsberechtigter zugleich, die versicherte Person ist der Partner beziehungsweise die Partnerin. Mit diesem „Trick“ fällt in der Regel keine Erbschaftssteuer an. Weil das Erbrecht „wilde Ehen“ benachteiligt, würde die Auszahlung sonst in die Erbmasse fallen und ab einem Freibetrag von gerade mal 20.000 Euro würde Erbschaftssteuer anfallen.

Auf jeden Fall alle Versicherungen überprüfen

Die Partner in Patchwork-Familien sollten darüber hinaus gemeinsam alle Regelungen für die private Altersvorsorge oder ihre Berufsunfähigkeitsversicherung unter die Lupe nehmen. So kann es sinnvoll sein, die monatliche Zusatzrente im Alter oder die Höhe der Absicherung bei Invalidität zu erhöhen, wenn der Vertrag das erlaubt. Patchwork-Partner sollten daran denken, dass das neue Familienglück oft mit größeren Investitionen verbunden ist (neues Haus, größeres Auto). Die entsprechenden Zahlungen einer Versicherung sollten ausreichen, um die Hinterbliebenen vor einem finanziellen Fiasko zu bewahren.