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Allergien: Das leisten die Krankenkassen

Allergien gehören zu den häufigsten chronischen Erkrankungen in Deutschland. Alle Kassen tragen die Standardbehandlung – manche bezahlen mehr: alternative Heilmethoden, rezeptfreie Medikamente oder spezielle Bettwäsche. Allergien gehören inzwischen zu den Volksleiden. Jeder Dritte kennt Symptome wie rote, juckende Augen, Niesattacken, Hautausschläge oder Atemnot. Die Ursachen können eine Pollenallergie sein oder Heuschnupfen, eine Reaktion auf Hausstaub ist möglich, Schimmelpilze, Tierhaare oder bestimmte Lebensmittel.

Es gibt viele Wege, eine Allergie zu behandeln. Für die Standardtherapie kommt die gesetzliche Krankenkasse auf. Darüber hinaus gibt es viele weitere Behandlungsmethoden, die nicht alle Kassen bezahlen. Über ihre freiwilligen Zusatzleistungen können sie für ausgesuchte Behandlungsmethoden und Arzneimittel auf freiwilliger Basis Kosten erstatten. Für die Betroffenen kann das eine große finanzielle Entlastung bedeuten, denn Allergien sind teuer: Ausgaben für Medikamente und Behandlungen fallen an oder auch spezielle Hilfsmittel wie Pollengitter oder Allergiebettwäsche.

Was ist eine Allergie?

Bei einer Allergie reagiert das Immunsystem mit krankmachenden Abwehrmaßnahmen auf körperfremde Stoffe, die eigentlich harmlos und in der Umwelt weit verbreitet sind. Zu den häufigsten Allergien zählen Reaktionen auf Blütenpollen, Hausstaubmilben, Tierhaare, Schimmelpilze und Nahrungsmittel. Die Symptome, die dabei auftreten, sind sehr unterschiedlich und reichen von brennenden Augen mit Triefnase über Hautausschläge, Husten und Atemnot bis hin zum anaphylaktischen Schock, einem akuten Kreislaufversagen, der tödlich enden kann.

Kassen bezahlen Diagnose und Behandlung

Um eine Allergie zu diagnostizieren, kann der Arzt auf diverse Textverfahren zurückgreifen. Die gängigsten – Pricktest, IgE-Test (Bluttest), Epikutantest (Pflastertest) oder Provokations-Test – werden in der Regel von allen gesetzlichen Krankenversicherungen bezahlt. Voraussetzung ist, dass der Arzt die Untersuchung anordnet. Meist geht es bei der Behandlung einer Allergie um die Linderung der Symptome: Ein Nasenspray und Augentropfen in der Pollensaison sowie die Verabreichung eines Antihistaminikums können helfen. Auch spezielle Allergiebettwäsche bei einer Hausstauballergie verschafft Entlastung.

Hyposensibilisierung oft erfolgreich

Bei manchen Allergien kann eine Desensibilisierung – auch Hyposensibilisierung oder spezifische Immuntherapie genannt – erfolgreich sein, etwa bei einer Pollenallergie. Dabei soll der Patient an das Allergen gewöhnt werden und nicht mehr so stark auf den Kontakt mit dem Allergen reagieren. Die körpereigene Abwehr „lernt“ sozusagen, auf die Allergene weniger oder im besten Fall gar nicht zu reagieren. Die Behandlung ist zumeist langwierig und kann sogar mehrere Jahre dauern. Am erfolgversprechendsten ist sie, wenn sie bei den ersten Anzeichen einer Pollenallergie beginnt. Die Kosten werden von den Kassen übernommen.

Alternative Heilmethoden sind gefragt

Gerade bei der Behandlung von Allergien legen aber viele Patienten Wert auf eine ganzheitliche naturheilkundliche Behandlung, insbesondere auch für Kinder. Insbesondere die Homöopathie wird von vielen Allergiepatienten favorisiert. Andere setzen auf eine Eigen- oder Bioresonanztherapie. Da die Wirksamkeit dieser Methoden nicht ausreichend wissenschaftlich belegt ist, übernehmen die Kassen standardmäßig nicht die Kosten dafür – auf freiwilliger Basis ist es ihnen aber erlaubt.

So erstatten zum Beispiel die HEK und die Securvita umfangreich alternative Heilmethoden. Auch die großen Kassen gehen auf das Bedürfnis ihrer Versicherten ein: Die Techniker übernimmt Kosten für eine homöopathische Behandlung zu 100 Prozent. Ebenso die Barmer, maximal jedoch im Umfang von 730 Euro. Auch die DAK und die AOK Baden-Württemberg erstatten Kosten. Eine Eigenbluttherapie wird hingegen nicht von sehr vielen Kassen getragen, die AOK Sachsen-Anhalt gehört aber dazu, die BKK Mobil Oil, die HEK, die hkk und die Securvita.

Tipp: Wichtig ist, dass die Kassen Auflagen machen, wer die Behandlung ausführt. In der Regel muss ein Arzt mit Zusatzausbildung die Therapie anbieten. Ein Besuch beim Heilpraktiker wird größtenteils nicht erstattet.

Die beste Kasse für Allergiker finden

So erstatten Kassen Medikamente für Allergiker

Alle Medikamente, die der Arzt auf einem rosa Rezept verordnet, bezahlen die Krankenkassen. Das Medikament muss also verschreibungspflichtig sein. Dabei kann es sich um antiallergische Nasensprays handeln, Asthmasprays, Cortisontabletten oder auch einen Adrenalin-Pen als Notfallmedikament. Bei Hauterkrankungen tragen die Kassen die Kosten für spezielle Salben, sofern sie medizinisch erforderlich sind oder Cortison enthalten. Voraussetzung ist auch hier, dass der Arzt sie verschrieben hat. Der Patienten muss sich an den Kosten für Medikamente beteiligen und Zuzahlung leisten: Zehn Prozent vom Abgabepreis fallen an, mindestens fünf, maximal zehn Euro pro Arzneimittel.

Alles was unter die Rubrik rezeptfreie Medikamente fällt – also alles, was der Patient ohne Rezept in der Apotheke kaufen kann – muss er in der Regel selbst bezahlen. Kinder bis zwölf und Jugendliche mit Entwicklungsstörungen bis 18 bekommen aber auch freiverkäufliche Medikamente erstattet. Voraussetzung ist allerdings immer eine Verordnung durch den Arzt.

Zusatzleistungen: Kassen erstatten Naturarzneimittel

Allerdings erstatten einige Kassen auch von rezeptfreien Medikamenten die Kosten über ihre freiwilligen Zusatzleistungen. Zu den nichtverschreibungspflichten Arzneimitteln gehören nämlich auch Naturarzneimittel, also Präparate der Homöopathie, Phytotherapie oder Anthroposophie. Die Kassen, die Kosten für alternative Heilmethoden tragen, bezahlen in der Regel in gewissem Umfang auch Naturarzneimittel, die Techniker zum Beispiel gewährt dafür 100 Euro pro Jahr.

Kassen bezahlen Allergiebettwäsche

So manches Hilfsmittel kann bei einer Allergie Linderung verschaffen: Pollenschutzgitter, Allergie-Bettwäsche, Nasenduschen oder Inhalatoren. Viele Kassen erstatten solche Hilfsmittel sofern der Arzt sie verordnet. Die Kostenerstattung bleibt jedoch oftmals eine Einzelfallentscheidung. Wer Hilfsmittel benötigt, sollte vor der Anschaffung die Kostenübernahme mit seiner Krankenkasse besprechen. Die Kassen haben durchaus Spielraum, Hilfsmittel zu gewähren.

Ein gutes Beispiel für die unterschiedlichen Erstattungsmodalitäten der Kassen ist Allergiebettwäsche. Spezielle Überzüge für Matratze, Decke und Kissen sollen die Hausstaubmilben in Schach halten. So erstattet zum Beispiel die Techniker Krankenkasse, die AOKs oder auch die IKK Brandenburg und Berlin alle notwendigen Überzüge auf ärztliche Verordnung. Andere Kassen erstatten lediglich den Matratzenüberzug.

Tipp:
Vor dem Kauf sollten sich Allergiepatienten mit ihrer Kasse beraten. Viele Kassen haben Verträge mit speziellen Herstellern geschlossen und bezuschussen dann nur die jeweiligen Vertragsprodukte.