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So sichern Sie die eigene Arbeitskraft richtig ab

Unsere Arbeitskraft ist das wertvollste Vermögen, das wir haben – bei 2.000 Euro Nettoeinkommen verdienen wir in 40 Jahren rund eine Million Euro, Gehaltssteigerungen noch nicht einmal eingerechnet. Etwas so Wertvolles muss gut versichert sein. Hier erfahren Sie, welche Versicherungen dafür infrage kommen und welche nicht.

Berufsunfähigkeitsversicherung

Die klassische Berufsunfähigkeitsversicherung ist die beste Option: Sie versichert Ihre Fähigkeit, Ihren zuletzt ausgeübten Beruf auch tatsächlich nachgehen zu können. Geht das nicht mehr zu mindestens 50 Prozent, bekommen Sie die versicherte Rente. Sie müssen dabei auch nicht befürchten, dass die Berufsunfähigkeitsversicherung Sie auf einen anderen Job abschieben darf, den Sie nicht ausüben wollen und für den Sie vielleicht auch gar keine Stelle finden – die abstrakte Verweisung ist heute bei den Berufsunfähigkeitsversicherungen in der Regel ausgeschlossen. Gezahlt wird die versicherte Rente so lange, wie die Berufsunfähigkeit andauert – notfalls bis zum Eintritt in die Altersrente, ein Erwerbsleben lang. Immer mehr Berufsunfähigkeitsversicherungen sehen mittlerweile auch die Möglichkeit vor, eine lebenslange Rente zu versichern, die dann ausgezahlt wird, wenn eine Pflegebedürftigkeit die Ursache der Berufsunfähigkeit ist.

Fazit: Die Berufsunfähigkeitsversicherung ist in der Regel die beste Lösung, wenn die Arbeitskraft abgesichert werden soll – das gilt für Arbeitnehmer genauso wie für Selbstständige, Freiberufler und auch Studenten.

Arbeitsunfähigkeitsversicherung

Die Arbeitsunfähigkeitsversicherung ist keine eigenständige Versicherung, sondern eine Erweiterung der Berufsunfähigkeitsversicherung. Sie sieht Leistungen vor, wenn Sie längere Zeit gesundheitsbedingt aus dem Job aussteigen müssen, ohne dass eine Berufsunfähigkeit festgestellt wird. Ausreichend zur Begründung ist die Vorlage der Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung – der „gelbe Schein” reicht aus, um die Rente bewilligt zu bekommen, wenn die Arbeitsunfähigkeit mindestens sechs Monate andauert.

Fazit: Die Arbeitsunfähigkeitsversicherung ist eine ideale Ergänzung zur Berufsunfähigkeitsversicherung, weil sie Rentenansprüche sehr viel schneller entstehen lässt als die Berufsunfähigkeitsversicherung alleine.

Erwerbsunfähigkeitsversicherung

Eine Erwerbsunfähigkeitsversicherung sichert wie die private Berufsunfähigkeitsversicherung die Arbeitskraft ab – mit einem ganz entscheidenden Unterschied. Die Erwerbsunfähigkeitsversicherung leistet dann, wenn Sie aus gesundheitlichen Gründen nicht mehr in der Lage sind, irgendeiner beruflichen Tätigkeit nachgehen kann. Die private Berufsunfähigkeitsversicherung sichert dagegen den zuletzt ausgeübten Beruf ab. Die Hürde für eine Erwerbsunfähigkeit ist also hoch – meist dürfen Sie nicht mehr in der Lage sein, drei und mehr Stunden am Tag zu arbeiten. Bei der Berufsunfähigkeit dagegen reicht es, wenn Sie in Ihrem Job nicht mehr zu mindestens 50 Prozent tätig sein können.

Fazit: Die Erwerbsunfähigkeitsversicherung wird in vielen Fällen eher die zweite Wahl sein, weil ihr Schutzbereich geringer ist. Wenn Sie aber eine Berufsunfähigkeitsversicherung nicht oder nicht zu akzeptablen und bezahlbaren Konditionen bekommen, dann kann die Erwerbsunfähigkeitsversicherung durchaus sinnvoll sein.

Für selbstständige Unternehmer gilt die Berufsunfähigkeitsversicherung ebenfalls als die beste Wahl. Der Knackpunkt bei Selbstständigen ist jedoch die Pflicht zur Umorganisation. Die sieht vor, dass keine BU-Rente gezahlt werden kann, wenn das Unternehmen so umorganisiert werden kann, dass Mitarbeiter Tätigkeiten übernehmen und trotzdem ein Job für den Unternehmensinhaber bleibt. Gerade bei handwerklichen Jobs kann das dazu führen, dass die Rentenzahlung verweigert wird, obwohl eine gravierende Krankheit vorliegt. Eine Erwerbsunfähigkeitsversicherung ohne eine solche Klausel zur Umorganisation kann dann die bessere Wahl sein.

Grundfähigkeitenversicherung

Eine Grundfähigkeitsversicherung richtet Ihr Leistungsversprechen nicht danach aus, ob Sie noch arbeiten können. Gezahlt wird, wenn Sie eine der versicherten Fähigkeit dauerhaft verlieren. Besonders gravierend fällt der Verlust der Fähigkeiten wie „Sehen“, „Sprechen“ oder „Hände gebrauchen“ aus – schon der Verlust einer dieser Fähigkeiten löst eine Rentenzahlung aus. Andere Grundfähigkeiten wie „Hören“, „Sitzen“ oder „Heben“ müssen dagegen schon kumulativ ausfallen, damit Sie die versicherte Rente bekommen. Leistungen können zudem auch für den Fall zugesagt werden, dass eine Pflegebedürftigkeit festgestellt wird.

Fazit: Der Hauptschutz der Grundfähigkeitenversicherung zielt nicht auf die Arbeitskraft ab, sondern darauf, bei bestimmten Erkrankungen Unterstützung im Alltag zu bekommen. Natürlich kann die versicherte Leistung aber auch als Einkommensersatz dienen.

Dread-Disease-Police

Wichtig ist, dass Sie im Antrag auch auf Ihre momentane Lebenssituation eingehen und sie in allen Facetten genau schildern. Dazu gehören zum Beispiel auch finanzielle Sorgen, eine Scheidung, Arbeitslosigkeit, eine fehlende Kinderbetreuung etc. Die Faustregel lautet: Lieber die Umstände zu ausführlich schildern als zu knapp. Voraussetzung ist, dass der Arzt dEine Dread-Disease-Police sichert das Risiko ab, dass Sie an einer schweren Krankheit erkranken. Die versicherten Krankheiten werden im Versicherungsvertrag genau bezeichnet – auch der Schweregrad, der erforderlich ist, um einen Leistungsanspruch auszulösen. Versichert sind in der Regel bestimmte Krebserkrankungen, Alterskrankheiten wie Demenz, Alzheimer, Parkinson, Erkrankungen des zentralen Nervensystems wie Neuroborreliose, einige psychische Krankheiten, aber auch schwere Operationen, etwa am Herzen. Zum Schutzbereich gehören auch plötzlich lebensbedrohende Ereignisse wie Herzinfarkt oder Schlaganfall.

Fazit: Wie bei der Grundfähigkeitenversicherung sichert auch die Dread-Disease-Police nicht primär die Arbeitskraft ab, sondern soll finanziell Luft verschaffen, wenn Sie schwer erkranken. Da sie zudem viele typische Erkrankungen nicht absichert, die zu einer Berufsunfähigkeit führen wie etwa psychische Erkrankungen, ist sie als alleinige Absicherung der Arbeitskraft wenig sinnvoll.ie Beschwerden diagnostizieren kann und diese im Attest aufführt.

Pflegezusatzversicherung

Auch die Pflegeversicherung wird gelegentlich als Alternative zu einer BU-Versicherung ins Rennen gebracht, dabei ist sie mit dem Fokus auf die Absicherung des Pflegerisikos eher ein eigenständiges Produkt. Helfen kann sie natürlich, wenn während des Erwerbslebens eine Pflegebedürftigkeit dazu führt, dass Sie nicht mehr arbeiten können: Die versicherte Leistung hilft dann Mehrkosten durch die Pflegebedürftigkeit abzusichern, ersetzt aber nicht das wegfallende Einkommen. Die private Pflegezusatzversicherung sollte deshalb eher als Zusatzbaustein zu einer Berufsunfähigkeitsversicherung gesehen werden – und nicht als Alternative.

Fazit: Da eine klassische Berufsunfähigkeitsversicherung auch zahlt, wenn eine Pflegebedürftigkeit festgestellt wird, ist die private Pflegezusatzversicherung zum Schutz der Arbeitskraft weniger sinnvoll. Dementsprechend ist die Pflegeversicherung eher eine Zusatzversicherung, die hilft, im Alter Pflegekosten zu schultern – und so sollte sie auch eingeplant und abgeschlossen werden.