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Augenverletzungen: Im Notfall richtig handeln

Knallende Sektkorken, ätzende Haushaltsreiniger, fliegende Splitter vom Bohren und Flexen, aber auch aufgewirbelte Sandkörner, Insekten und scharfe Babyfingernägel: Die Liste der allgegenwärtigen Gefahren für unser empfindliches Sehorgan ist lang. Wird das Auge verletzt, heißt es schnell und richtig handeln, um bleibende Schäden zu vermeiden. Erfahren Sie hier, worauf Sie bei Augen-Notfällen achten sollten.

Es ist schneller passiert, als man denkt. Durch Leichtsinn oder Unachtsamkeit wurde das Auge verletzt. Starker Tränenfluss, Rötungen und Einblutungen – meist auch begleitet von starken Schmerzen – sind die Folge. Jetzt heißt es, Ruhe zu bewahren. Denn im akuten Notfall entscheiden nicht selten die ersten Sekunden darüber, ob das Augenlicht vollständig erhalten bleiben kann oder nicht. Dr. Elham Farvili, Fachärztin für Augenheilkunde an der Augenklinik am Neumarkt in Köln, weiß, wie man sich im akuten Ernstfall verhalten sollte.

Verätzungen

Säuren und Laugen sind für das Auge extrem gefährlich. Schnell können beim Hantieren mit Haushaltsreinigern, Haarfärbemitteln oder anderen ätzenden Chemikalien Spritzer ins Auge gelangen oder auch über verunreinigte Hände hineingerieben werden. „Laugen, also Seifen und Putzmittel, wirken dabei noch zerstörerischer als Säuren, da die Verletzungen hier noch tiefer gehen“, erklärt Farvili. Jetzt muss das Auge sofort gespült werden. Jede Sekunde zählt. Dazu muss man das betroffene Auge mit einem sauberen Taschentuch erstmal öffnen, was mitunter schwierig werden kann, da der Patient bei Schmerzen die Augen krampfartig zusammenkneift. Jetzt kann man sauberes, lauwarmes Wasser in das geöffnete Auge laufen lassen. Praktischerweise verwendet man dazu eine Kanne oder Flasche, auch eine sanft eingestellte Dusche ist nützlich.

Der Spülvorgang sollte mindestens 15 Minuten lang andauern. „Wichtig ist, darauf zu achten, dass die verdünnte ätzende Flüssigkeit nicht auch noch in das andere Auge gerät“, betont die Expertin. Deshalb das gesunde Auge möglichst verschlossen halten. Ist frisches Wasser zum Spülen gerade nicht zur Hand, kann man notfalls auch Bier, Mineralwasser oder Limo nehmen. „Milch ist weniger geeignet, da sie das Auge eher verklebt“, weiß Farvili. Anschließend sofort den Notarzt rufen. Auch bei leichteren Verätzungen mit Essig oder Zitrone ist Spülen mit Wasser die beste Sofortmaßnahme. Ist das Auge nach einer Stunde aber immer noch gerötet, schmerzt und tränt, dann rät die Expertin, sicherheitshalber zum Arzt zu gehen.

Verbrennungen

Verbrennungen entstehen meist durch heiße Fettspritzer beim Braten oder auch durch Stichflammen. Auch hier sollte das Auge zunächst ausgiebig gespült werden, um es zu kühlen. Anschließend sollte man einen kalt-feuchten Verband auflegen und umgehend ein Krankenhaus oder einen augenärztlichen Notdienst aufsuchen.

Verblitzungen

Skifahren ohne Skibrille, Schweißen ohne Schutzbrille oder auch geöffnete Augen im Solarium können zu sogenannten Verblitzungen führen. Meist treten die Beschwerden aber erst rund sechs Stunden später auf. Die Augen sind dann stark gerötet, brennen und schmerzen heftig. Die Augenexpertin rät, feuchte, kühlende Umschläge zu machen und möglichst bald einen Augenarzt aufzusuchen.