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Bergrettung: Welche Versicherung zahlt?

Die Bergwelt lockt. Sportler suchen immer häufiger das Abenteuer, auch jenseits ausgeschilderter Wanderwege. Das Risiko, sich zu verletzten, gar abzustürzen, aber auch sich zu verlaufen oder die Kräfte falsch einzuschätzen, ist immer mit im Gepäck. Auch Bergfreunde, die sich auf ausgeschilderten Wegen bewegen, können sich verschätzen und verletzen. Wenn dann die Bergwacht und ein Suchtrupp inklusive Hundestaffel ausrücken müssen und der Hubschrauber zum Einsatz kommt, kostet das schnell Tausende Euro. Wer zahlt das eigentlich?

Die Kostenübernahme hängt von zwei Faktoren ab: Ereignet sich die Bergung bzw. Rettung in Deutschland oder im Ausland? Und handelt es sich um eine Bergung oder eine Rettung?

Bergrettung: In der Heimat zahlt die Krankenkasse

Wenn Sie in der deutschen Bergwelt verunglücken und sich verletzten, trägt Ihre gesetzliche Krankenversicherung die Kosten – oder Ihre private Krankenversicherung. Auch Kosten eines Hubschraubertransports sind gedeckt. Doch eine wichtige Voraussetzung muss gegeben sein: Der Einsatz muss medizinisch notwendig sein. Das klingt simpel, ist aber knifflig. Denn die Krankenversicherer unterscheiden zwischen Rettung – die Kosten werden übernommen – und Bergung – die Kosten werden nicht oder nur anteilig übernommen. Kommt der Hubschrauber zum Einsatz, nicht weil er ein Leben retten muss oder die Verletzung es erfordert, sondern weil der Transport in unwegsamem Gelände nicht anders möglich ist, handelt es sich um eine Bergung. So werden bei der Kostenbegleichung alle erforderlichen Einzelmaßnahmen unter die Lupe genommen, und es kann sein, dass der Notarzteinsatz bezahlt wird, der Transport mit dem Hubschrauber aber nicht. Allein auf die gesetzliche Krankenkasse oder den privaten Krankenversicherer können Sie sich nicht verlassen, wenn Sie unterwegs in den Bergen sind. Eine Komplettübernahme der Kosten ist eher unwahrscheinlich.

Bergrettung im Ausland: Private Absicherung nötig

Das gilt erst recht, wenn Sie die alpinen Welten im Ausland bevorzugen. Zwar deckt die Krankenkasse auch Kosten medizinischer Notfallbehandlungen in EU-Ländern, doch sie zahlt jeweils nur das, was einem einheimischen Verunglückten zustehen würde. Und das kann weniger sein, als in Deutschland üblich wäre. Bergsportler könnten hier mit einer privaten Auslandsreisekrankenversicherung nachrüsten. Viele Auslandsreisekrankenversicherungen decken auch Such-Bergungskosten und vor allem den medizinischen Rücktransport in die Heimat. Doch oft zahlt der Versicherer nur, wenn der Einsatz medizinisch notwendig war, also wenn Suche und Bergung infolge eines Unfalls nötig sind. Auch privat Krankenversicherte müssen für umfassenden Schutz im Ausland eventuell ihren Vertrag nachrüsten. Vor Abschluss einer Auslandsreisekrankenversicherung sollte man genaues Augenmerk auf die Versicherungsleistungen bei Bergung und Suche legen. Wichtig ist, dass die Obergrenze für Bergungs- und Rettungskosten auch ausreichend hoch ist – 2.500 Euro werden kaum reichen, viele Versicherer zahlen bis zu 5.000 Euro.

Bergrettung: Private Unfallversicherung bezahlt auch die Suche

Den umfassendsten Schutz für das Risiko Bergrettung bietet aber die private Unfallversicherung. Sie gilt in der Regel weltweit, und viele Policen übernehmen auch die Kosten, wenn der Bergsportler keinen Unfall hatte und nicht verletzt ist, aber trotzdem aus einer misslichen Lage geborgen werden muss, etwa weil er sich verlaufen hat. Vor Abschluss einer Police gilt es, auf genau dieses Details zu achten: Gut ist, wenn der Versicherer auch dann leistet, wenn ein Unfall nur unmittelbar gedroht hätte oder vermutet wurde.

Je nach Tarif werden in der privaten Unfallversicherung unterschiedlich hohe Kosten für die Bergung und Suche übernommen. Mal sind es nur 5.000 Euro, was zu wenig sein kann, oft sind es aber in besseren Tarifen mindestens 10.000 Euro. Wichtig ist, dass die ausgeübte Sportart auch versichert sein muss. Nicht automatisch ist jede Outdoor-Aktivität gedeckt, besonders risikoreiche Sportarten kann der Versicherer auch ausschließen. „Prüfen sollte man auch, unter welchen Bedingungen der Transport ins Krankenhaus und der Rücktransport nach Hauseinbegriffen sind“, rät Peter Grieble, Versicherungsexperte der Verbraucherzentrale Baden-Württemberg.

Alternative: Alpenverein zahlt Bergrettung

Auch durch eine Mitgliedschaft im Deutschen Alpenverein ist eine Bergrettung mitversichert. Versichert ist die alpinistische Aktivität, also zum Beispiel Skilaufen, Langlaufen oder Snowboarden. Stolpert man abends in der Berghütte über eine Türschwelle und kann am nächsten Tag wegen einer Zerrung nicht absteigen, zahlt die Versicherung hingegen nicht – das zählt nicht zu alpinistischen Aktivitäten. Eine private Unfallversicherung würde hier leisten. Der Versicherungsschutz über den Deutschen Alpenverein deckt Kosten bis zu 25.000 Euro für Such-, Bergungs- und Rettungsaktionen, auch im Ausland. Die Mitgliedschaft kostet je nach Sektion – der Verein ist regional untergliedert – zwischen 45 und 90 Euro im Jahr. Ermäßigungen gibt es für Partner, Familien und Jugendliche. So zahlt beispielsweise eine Familie in der Sektion Schwaben 105 Euro Beitrag im Jahr.