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Psychotherapie: Burn-out - das zahlt die Krankenkasse

Viele Ärzte setzen bei einem Burn-out auf Psychotherapie. Die gesetzliche Krankenkasse (GKV) erstattet ambulante und stationäre Psychotherapien in vollem Umfang. Bedingung ist, dass Kassenpatienten bei einer ambulanten Therapie einen Psychotherapeuten mit Kassenzulassung aufsuchen. Zudem muss eine psychische Störung vorliegen, die den Patienten „krank macht“, also zum Beispiel eine Depression, Zwänge oder Angststörungen. Um welche Art von Störung es sich handelt, stellt der Psychotherapeut fest.

Krankenkassen gewährt Probesitzungen

Wer wegen Burn-out oder anderer psychischer Leiden einen Psychotherapeuten aufsuchen möchte, hat kann zunächst sogenannte Probesitzungen in Anspruch nehmen. Diese gehen der eigentlichen Therapie voraus. Sie dienen dazu, den Psychotherapeuten kennenzulernen und herauszufinden, ob Patient und Behandler zueinander passen. In der Regel sind das fünf Sitzungen. Stellt der Patient in diesem Zeitraum fest, dass der Therapeut keine gute Wahl ist, kann er dieselbe Anzahl an Sitzungen nochmals bei einem anderen Therapeuten in Anspruch nehmen – die Krankenkasse kommt dafür auf.

Burn-out: Psychotherapeut kann erste Anlaufstelle sein

Burn-out-Patienten können einfach mit ihrer Versichertenkarte einen Psychotherapeuten aufsuchen, wenn sie Hilfe benötigen. Sie müssen nicht zwingend vorher zum Hausarzt gehen und sich eine Überweisung geben lassen. Da die Krankenkasse eine Psychotherapie genehmigen muss, stellt der Therapeut nach den probatorischen Sitzungen (den Probesitzungen) und vor Behandlungsbeginn einen Antrag bei der Krankenkasse. Dieses Formular muss der Patient unterschreiben, alles andere erledigt der Therapeut.

Burn-out: Lange Wartezeiten auf Therapieplatz

Kassenpatienten sind gut versorgt – theoretisch. In der Praxis fehlen leider freie Therapieplätze. Sechs Monate Wartezeit sind keine Seltenheit, in ländlichen Gegenden gibt es sogar Wartezeiten von bis zu zwei Jahren. Oft können Patienten aber nicht so lange warten.

Psychotherapie auch ohne Kassenzulassung

Im Notfall muss die gesetzliche Krankenkasse die Therapie auch bei einem Therapeuten ohne Kassenzulassung erstatten. Dann darf der Versicherte eine sogenannte „außervertragliche psychotherapeutische Behandlung“ wahrnehmen. Diese Ausnahmereglung gilt aber wirklich nur dann, wenn der Patient nachweislich keinen Platz bei einem zugelassenen Therapeuten finden kann und wenn die Kasse auch keinen vermitteln kann. Abgerechnet wird dann privat, die Rechnung reicht der Patient bei der Krankenkasse zur Kostenerstattung ein. Dieser Ausnahmefall ist in Paragraph 13 Absatz 3, 5. Sozialgesetzbuch geregelt. Bevor der Patient von dieser Regelung Gebrauch macht, sollte er seine Krankenkasse kontaktieren und das Prozedere vorher absprechen.

Tipp: Bei der Suche nach einem Therapeuten empfiehlt es sich, Anrufe mit dem jeweiligen Namen, Uhrzeit und Datum zu dokumentieren. Bleibt die Suche erfolglos, kann der Patient dies bei der Krankenkasse nachweisen. Das ist dann wichtig, wenn er alternativ einen Therapeuten ohne Kassenzulassung aufsuchen möchte.

Hier sind Therapeuten zu finden:

  • Kassenärztliche Bundesvereinigung
  • Deutsche Psychologen Akademie GmbH des Berufsverbandes Deutscher Psychologinnen und Psychologen
  • Deutsche Psychotherapeuten Vereinigung
  • Bundespsychotherapeutenkammer

Die Krankenkassen wissen um den Mangel an Plätzen beim Psychotherapeuten. Einige bieten neuerdings sogenannte Online-Therapien an, bei der DAK heißt das Angebot etwa deprexis24. Wie hilfreich sie sind, muss der Patient selbst herausfinden. Einen Versuch könnte es aber wert sein.

Krankenkassen bieten Burn-out-Prävention an

Wie immer im Gesundheitsbereich zahlt sich Prävention aus. Wer sich selbst als gefährdet einschätzt, in ein Burn-out zu schlittern oder wer grundsätzlich wissen möchte, wie er am besten vorsorgt, wendet sich an seine Krankenkasse. Viele Kassen bieten im Rahmen ihrer freiwilligen Zusatzleistungen Seminare zur Burn-out-Prävention an, z.B. die Techniker Krankenkasse.

Stationäre Behandlung

Der Arzt kann es auch für sinnvoll halten, bei einem Burn-out seinen Patienten in eine stationäre Einrichtung einzuweisen. Auch hierfür kommt die Krankenkasse auf. Allerdings benötigt der Patient in diesem Fall die Überweisung eines Facharztes.

Burnout-Alarmsignale beachten

Bis es soweit kommt, vergehen aber oft Monate, sogar Jahre, in denen die Betroffen überdurchschnittlich viel leisten und den Eindruck vermitteln, dass sie alles perfekt im Griff haben. Bei genauerem Hinsehen zeigen sich aber bereits in dieser Phase oft deutliche Alarmsignale eines beginnenden Burnout: Das sind zum Beispiel häufige Gereiztheit, Schlafstörungen, chronische Müdigkeit und Konzentrationsschwäche. Kritisch wird es auch, wenn liebgewonnene Tätigkeiten und Hobbies keine Freude mehr machen und soziale Kontakte vernachlässigt werden.

Hilfe durch Entspannung und Stressmanagement

Burnout ist behandelbar, aber leider nicht immer komplett heilbar. Die Therapie dauert oft sehr lange und leider erlangen nicht alle Patienten ihre alte Leistungskraft wieder zurück. Besser ist es deshalb vorzubeugen und bei Burnout-Alarmsignalen die Reißleine zu ziehen. Die Krankenkassen bieten hierzu Präventionskurse an, in denen Betroffene lernen sich wieder zu entspannen, zum Beispiel mit Yoga, autogenem Training oder auch progressiver Muskelentspannung. Auch Stressmanagement-Kurse helfen gezielt Belastungen im Alltag und im Beruf besser koordinieren zu können und Wichtiges von Unwichtigem zu trennen. Ausschlaggebend ist die Erkenntnis, nicht immer perfekt sein zu müssen, zu lernen die Ansprüche an sich selbst herunterzuschrauben und sich regelmäßig Auszeiten zu gönnen. Entspannungs- und Stressmanagementkurse werden von vielen Krankenkassen direkt angeboten. Die Kurse erstrecken sich normalerweise über acht bis zehn Einheiten. Für Versicherte der entsprechenden Krankenkassen sind sie meist kostenlos, wenn nachweislich an mindestens 80 Prozent der Kursdaten teilgenommen wurde.

Wer lieber am Kurs eines externen Anbieters teilnehmen möchte, bekommt auch hierfür häufig bis zu 80 Prozent der Kurskosten von der Krankenkasse erstattet. Wichtig ist darauf zu achten, dass der Kurs speziell als Präventionskurs zertifiziert wurde. Außerdem muss auch hierfür die regelmäßige Teilnahme nachgewiesen werden. Wenn Sie wissen möchten welche Krankenkassen Präventionskurse speziell für Burnout anbieten, können Sie dazu unserem Geldsparen-GKV-Rechner nutzen. Hier können Sie die wichtigsten die Leistungsmerkmale von über 100 Krankenkassen miteinander vergleichen und nachsehen, welche Krankenkassen noch weitere Extras, wie etwa eine kostenlose Zahnreinigung, Beitragsprämien oder Naturheilverfahren anbieten.