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Krankenkasse: Wann Sie Anspruch auf eine häusliche Krankenpflege haben

Stellen Sie sich vor, Sie brechen sich den Arm oder schlimmer noch beide. Nach der Versorgung im Krankenhaus mit Gips und Co. besteht eigentlich kein Grund mehr, weiter stationär zu bleiben. Zuhause aber können Sie sich mit zwei Gipsarmen nicht allein versorgen – und schon gar nicht kleine Kinder, wenn Sie für solche verantwortlich sind. In solchen Fällen sieht der Gesetzgeber vor, dass die Krankenkasse Ihnen eine häusliche Krankenpflege bezahlt.

Häusliche Krankenpflege ist eine Leistung der Krankenkasse

Die häusliche Krankenpflege besteht grundsätzlich aus drei Elementen: der Behandlungspflege, der Grundpflege und der hauswirtschaftlichen Versorgung. Dabei übernimmt in der Regel ein ambulanter Pflegedienst für längstens vier Wochen die medizinische Versorgung zu Hause, setzt Spritzen und wechselt Verbände, hilft bei der Körperpflege und beim Anziehen und kümmert sich in vielen Fällen auch um Haushalt und Kinder. Zuständig für die Genehmigung der häuslichen Krankenpflege ist die Krankenkasse.

Wann die Krankenkasse die Krankenpflege zahlt

Die häusliche Krankenpflege ist dazu da, einen Krankenhausaufenthalt zu verkürzen oder auch zu vermeiden. Das ist der Fall, wenn eine Krankenhausbehandlung zwar erforderlich, aus bestimmten Gründen aber nicht möglich ist oder aus nachvollziehbaren Gründen vom Patienten nicht gewünscht wird. Voraussetzung für eine häusliche Krankenpflege ist immer, dass keine andere im Haushalt lebende Person die Pflege übernehmen kann.

Wenn Sie also alleine leben, alleinerziehend sind, aber auch dann, wenn der Partner tagsüber arbeitet und deshalb nicht zur Verfügung steht, haben Sie grundsätzlich Anspruch auf häusliche Krankenpflege. Wenn aber Mitbewohner einfach keinen Verband wechseln wollen oder angeblich Angst vor dem Setzen von Spritzen haben, ist das kein Grund, die Hilfe eines externen Pflegedienstes auf Kosten der Krankenkassen in Anspruch zu nehmen. Im Haushalt lebende Angehörige sind nämlich grundsätzlich dazu verpflichtet zu helfen und dürfen dies nur in Ausnahmefällen verweigern.

Laut Gesetz leistet die gesetzliche Krankenversicherung für häusliche Krankenpflege, wenn Sie vorübergehend zu Hause versorgt und gepflegt werden müssen und keine andere im Haushalt lebende Person diese Versorgung übernehmen kann. Hilfe im Haushalt wird dabei insbesondere dann gewährt, wenn Sie als hauptsächliche Betreuungsperson von noch kleinen Kindern unter zwölf Jahren – aus Krankheitsgründen – ausfallen.

Einige Krankenkassen leisten mehr

Gerade im Bereich „Haushaltshilfe“ gibt es teilweise gravierende Unterschiede bei den Leistungen der einzelnen Krankenkassen: So bekommen Sie als Versicherter der BKK Scheufelen oder auch der BKK Mobil Oil zum Beispiel auch dann eine Haushaltshilfe für den Zeitraum Ihrer Erkrankung gewährt, wenn Ihr jüngstes Kind bereits älter als zwölf, aber noch keine 14 Jahre alt ist. Die BIG direkt Krankenkasse leistet sogar, wenn das Kind unter 16 Jahre alt ist.

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Wie Sie häusliche Krankenpflege beantragen

Für eine häusliche Krankenpflege muss immer eine ärztliche Verordnung vorliegen. Der Krankenhausarzt kann diese für bis zu fünf Tage ausstellen. Danach ist der Hausarzt dafür zuständig. Für die Krankenhausvermeidungspflege darf er längstens 28 Tage aufschreiben. Achtung: Mit der Verordnung übernimmt die Krankenkasse nicht automatisch die Kosten. Sie muss die häusliche Krankenpflege immer erst genehmigen, kann sie kürzen oder gar verweigern.

Unser Tipp: Schnell tätig werden

Die Verordnung vom Arzt sollten Sie deshalb möglichst schnell bei Ihrer Krankenkasse zur Genehmigung einreichen. In vielen Fällen kümmern sich übrigens auch die Pflegedienste um die Genehmigung. Wenn die Zeit sehr drängt, besteht die Möglichkeit, dass der Pflegedienst auch ohne Kassengenehmigung mit der Arbeit beginnt, da die Krankenkassen auch rückwirkend bezahlen.

Was Sie zur häuslichen Krankenpflege dazuzahlen müssen

Anders als die Pflegekasse bei der häuslichen Pflege übernimmt die Krankenkasse bei der häuslichen Krankenpflege die tatsächlich anfallenden Kosten. Als Zuzahlung müssen Erwachsene für die ersten 28 Tage im Kalenderjahr noch zehn Prozent dieser Kosten beisteuern. Pro Verordnung fallen nochmals zehn Euro an. Nehmen Sie die häusliche Krankenpflege wegen Schwangerschaft oder Entbindung in Anspruch, entfällt die Zuzahlung.