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Kapselendoskopie: Videokapsel jetzt Kassenleistung

Darmkrebs zählt zu den häufigsten Krebsarten überhaupt. Jedes Jahr erkranken in Deutschland mehr als 70.000 Menschen daran. Rund 26.000 sterben. Eine Darmspiegelung ist noch immer die verlässlichste Methode zur Früherkennung. Doch inzwischen wird auch die sogenannte Kapselendoskopie – eine völlig schmerzfeie Diagnosetechnik – von den Krankenkassen bezahlt. Wie funktioniert sie, und in welchen Fällen ist sie besonders sinnvoll?

Sie wiegt nur wenige Gramm, hat die Größe einer dicken Vitaminpille und liefert gestochen scharfe Bilder vom Inneren des Darms. Die Rede ist von der Pillcam Colon, einer Videokapsel, die bei der sogenannten Kapselendoskopie eingesetzt wird. Die Methode ist nicht neu und wird schon seit 2001 praktiziert, aber erst seit Kurzem wird sie in Deutschland auch von den Krankenkassen bezahlt.

Wie läuft eine Kapselendoskopie ab?

Die Kapselendoskopie ist ein ambulantes Verfahren. Nach einer Darmreinigung durch ein abführendes Mittel am Vortag muss der Patient nüchtern in der Praxis erscheinen. Dort bekommt er die winzige Videokapsel, die mit Batterien, ein bis zwei Kameras, einer Lichtquelle und einem Sender ausgestattet ist, mit einem Glas Wasser zu schlucken. Gleichzeitig wird ein Rekorder am Gürtel angebracht, der die Daten aufzeichnet. Der Patient kann die Praxis nun wieder verlassen und sich frei bewegen, auch arbeiten, wenn er möchte.

Hat die Kapsel den Magen passiert, wandert sie mit der Flüssigkeit durch den gesamten Darm. Dort macht die Kamera über sechs Stunden lang zwei Bilder pro Sekunde, die vom Rekorder aufgezeichnet werden. Insgesamt werden dabei über 50.000 Fotos geliefert. Danach verlässt die Kapsel den Körper wieder auf natürlichem Wege. Sie wird nur einmal verwendet und hat danach ausgedient. Der Patient bringt den Rekorder anschließend wieder in die Praxis zurück, wo die Daten dann vom Arzt gesichtet und ausgewertet werden.

Kosten der Kapselendoskopie

Eine Kapselendoskopie ist relativ teuer und kostet rund 1.300 Euro. Allein die Kapsel schlägt schon mit 600 Euro zu Buche. Bislang wurden diese Kosten nur von den privaten Kassen übernommen. Mitglieder der gesetzlichen Krankenversicherung mussten diese Behandlung in der Regel selbst bezahlen. Das hat sich nun geändert. Diagnostiziert der Arzt „unklare Blutungen im Magen-Darm-Trakt“, übernehmen die gesetzlichen Krankenkassen diese innovative Diagnosemethode jetzt in der Regel ohne weiteren Antrag. Das gilt bislang allerdings nur für die Abklärung von Beschwerden im Dünndarmbereich. Denn gerade der bis zu sieben Meter lange Dünndarm ließ sich bislang nur schwer untersuchen. Nur der Anfang und das Ende konnten über den Magen bzw. den Dickdarm im Rahmen einer Spiegelung mit einer Sonde eingesehen werden. Zu eng sind die Windungen, und zu lang ist der Dünndarm insgesamt. So blieb als Diagnoseverfahren per Kasse nur noch das Röntgen bzw. die Computertomographie, beide Methoden können jedoch nur ungenaue Auskünfte liefern.