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Kariesinfiltration: Nie mehr Bohren?

Die Berliner Charité hat in Zusammenarbeit mit der Universität Kiel eine Methode entwickelt, die beginnende Karies auf den Zahnflächen und in den Zwischenräumen ohne das bei Jung und Alt unbeliebte Bohren stoppt. Bei der sogenannten Kariesinfiltration bleibt die gesunde Zahnsubstanz erhalten, die beim Bohren sonst zwangsläufig verloren geht. Die klassische Füllung ist dann nicht mehr notwendig.

Jedes Loch fängt mal klein an

Karies beginnt, wenn sich Zucker oder andere Kohlenhydrate aus der Nahrung im Mund zu Säuren umwandeln und den Zahnschmelz angreifen. Dabei werden Mineralien aus der Schmelzoberfläche gelöst, und der Zahn wird an der Stelle zunehmend porös. Sichtbar wird die beginnende Karies an weißen Flecken auf dem Schmelz. Auch im Röntgenbild lässt sie sich gut erkennen. Unbehandelt werden immer mehr Mineralien aus der Zahnsubstanz herausgelöst, was schließlich zum richtigen Kariesloch mit Schmerzen führt. Bislang hatte der Zahnarzt bei anfangender Karies nur zwei Möglichkeiten: Er konnte die entkalkten Stellen beobachten, besondere Putzempfehlungen geben und zahnstärkende Substanzen wie Fluorid auftragen – in der Hoffnung, dass die Karies nur langsam voranschreitet. Oder er stoppte den Prozess sofort, indem er Karies mit dem Bohrer entfernte und eine klassische Füllung legte. Die Alternative dazu heißt: Kariesinfiltration.

So funktioniert die Kariesinfiltration

Um noch eine Alternative zu Bohren oder Abwarten zu haben, wurde das Verfahren der Kariesinfiltration entwickelt. Es kann bislang nur bei Karies im Anfangsstadium angewendet werden. Die Kariesinfiltration dauert insgesamt nur etwa eine Viertelstunde und erfolgt in einer Sitzung. Dabei wird zuerst ein säurehaltiges Gel auf die entmineralisierten Stellen aufgebracht, das die kariösen Schichten wegätzt. Das Säuregel wird nach nur wenigen Minuten Einwirkzeit abgespült, und dann werden die Stellen mit Alkohol und Luftgebläse gründlich getrocknet. Anschließend wird bei der Kariesinfiltration ein spezieller und besonders dünnflüssiger Dentalkunststoff aufgetragen, der tief in die Zahnstruktur eindringt und dabei vom Porensystem des Zahnschmelzes wie ein trockener Schwamm aufgesaugt wird. Dieser Kunststoff wird noch mit Licht ausgehärtet.

Jetzt ist der Schmelz repariert, und die Kariesgefahr ist gestoppt. Auch die weißen Flecken auf den Zähnen sind in der Regel dank Kariesinfiltration nicht mehr sichtbar. Die kariesstoppende Wirkung kann allerdings bislang nur für einen Zeitraum von rund zwei Jahren wissenschaftlich belegt werden. Das liegt daran, dass das Verfahren noch sehr neu ist. Deshalb liegen noch keine Langzeiterfahrungen in der Praxis vor. Experten gehen aber davon aus, dass der Schutz weit länger anhält.

Wie viel die Kariesinfiltration kostet

Die Kosten einer Kariesinfiltration betragen pro Zahnfläche etwa zwischen 80 und 100 Euro. Im Zahnzwischenraum wird es etwas teurer. Hier kostet eine Behandlung rund 120 Euro. Die Kariesinfiltration wird bislang weder von den gesetzlichen Krankenversicherung noch von den PKV übernommen. Sie ist derzeit noch eine reine Privatleistung. Allerdings bieten einige gesetzliche Krankenkassen ihren Patienten über Modellprojekte satte Zuschüsse an. So bezuschusst zum Beispiel die BKK Mobil Oil im Rahmen einer mehrjährigen wissenschaftlichen Studie derzeit bis zu vier Infiltrationsbehandlungen mit jeweils 70 Euro pro Patient.  Auch andere Kassen übernehmen einen Teil der Kosten im Rahmen von Bonusprogrammen – ähnlich wie bei der professionellen Zahnreinigung. Allerdings ist hier die Behandlung meist an die Zusammenarbeit mit vertraglich gebundenen Zahnärzten geknüpft. Man sollte sich deshalb möglichst bereits im Vorfeld genau bei seiner Kasse informieren, welche Kosten zu welchen Bedingungen übernommen werden.