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Kieferorthopädie und Zahnzusatzversicherung: Raus aus der Kostenfalle Zahnspange

Zahnfehlstellungen und Kieferfehllagen nehmen immer mehr zu. „Platzprobleme“ im Mund führen dazu, dass sich Zähne am Kieferbogen verdrehen, kippen und nach innen oder nach außen wachsen. Lang andauerndes Daumen- und Schnullerlutschen sowie Zungen- und Lippenpressen, Wangenbeißen, Nägelkauen und Zähneknirschen verformen den Kiefer und können ebenfalls zu massiven Zahnfehlstellungen führen. Auch der frühzeitige Verlust von Milchzähnen kann sich negativ auf das bleibende Gebiss auswirken, da wichtige Platzhalter fehlen. Abhilfe verschafft eine kieferorthopädische Behandlung. Diese ist jedoch mit hohen Kosten verbunden, die gesetzliche Krankenversicherung übernimmt Kosten nur in festgelegten Fällen.

Zahnspange: Die Krankenkasse zahlt nicht in jedem Fall

Schiefe Zähne sehen aber nicht nur unschön aus, sie führen auch zu gesundheitlichen Problemen, wenn sie beim Kauen, Schlucken, Atmen oder Sprechen behindern. Deshalb beteiligen sich die gesetzlichen Krankenkassen in vielen Fällen auch an den Kosten für eine kieferorthopädische Behandlung, wenn Fehlstellungen in den kieferorthopädischen Indikationsgruppen (KIG) 3 bis 5 festgestellt werden. Für leichtere Fehlstellungen in den KIG 1 uns 2 dagegen übernimmt die Kasse keinen Anteil. Die KIG stellt der Kieferorthopäde bei der Eingangsuntersuchung fest. In der Regel ist er es auch, der den Antrag auf Kostenübernahme bei der Krankenkasse stellt.

Eine kieferorthopädische Behandlung beginnt meist im Alter von etwa neun bis elf Jahren in der Zeit des späten Zahnwechsels, wenn die hinteren Backenzähne durchbrechen. In diesem Alter gilt die Behandlung als besonders sinnvoll und effektiv. Denn die meisten bleibenden Zähne sind schon da, und der Kiefer ist noch im Wachstum. Selbstverständlich ist auch bei erwachsenen Personen über 18 Jahren noch eine Korrektur möglich. Sie ist jedoch schwieriger durchzuführen, da das Kieferwachstum bereits abgeschlossen ist. Hier zahlt die Krankenkasse in der Regel übrigens gar keinen Zuschuss. Nur in Ausnahmefällen, wenn zum Beispiel ganz schwerwiegende Fehlstellungen vorliegen, trägt die gesetzliche Krankenversicherung die Kosten.

Die Kosten der Behandlung

Eine kieferorthopädische Behandlung ist langwierig und dauert meist mehrere Jahre. Die Kosten sind dabei so unterschiedlich wie die Behandlung selbst. Die Therapie mit einer losen Zahnspange ist deutlich günstiger als die mit einer festen Zahnspange. Nicht selten werden aber innerhalb einer Therapie auch beide Methoden miteinander kombiniert. Welche Zahnspange wie lange genau erforderlich ist, muss der behandelnde Kieferorthopäde entscheiden.

Alles in allem muss man aber mit einer Summe von mehreren 1.000 Euro rechnen. Davon übernimmt die gesetzliche Krankenkasse 80 Prozent. Für die restlichen 20 Prozent müssen die Eltern erst einmal in Vorkasse treten. Wird die Therapie mit der Zahnspange erfolgreich abgeschlossen, erhalten Sie das Geld am Ende der Behandlung von der Krankenkasse zurück. Die Krankenkassen wollen so einen gewissen Druck ausüben, damit der Patient bei der Behandlung auch ausreichend mitwirkt und die verordnete Spange regelmäßig trägt.

Zusatzleistungen werden nicht von der Krankenkasse übernommen

Der Gesetzgeber schreibt vor, dass die gesetzliche Krankenkasse ausschließlich für eine Therapie aufkommt, die wirtschaftlich, ausreichend und zweckmäßig ist. Bei der kieferorthopädischen Behandlung entspricht das einer Versorgung mit einfachen Metallbrackets, die für alle Zähne gleich groß sind, sowie Stahlbögen, die mit Gummis befestigt werden.

Ähnlich wie beim Zahnersatz gibt es natürlich auch bei der kieferorthopädischen Therapie eine Reihe von Möglichkeiten, die für mehr Tragekomfort und kürzere Behandlungszeiten sorgen, die als schonender und weniger schmerzhaft gelten oder die einfach nur optisch besser aussehen. Die Kosten für diese Zusatzleistungen werden allerdings nicht von der Krankenkasse übernommen. Wenn Eltern mit ihren Kindern eine solche Versorgung wie in den folgenden Beispielen wünschen, müssen sie die Kosten selbst tragen, wenn nicht eine Zahnzusatzversicherung diese Kosten übernimmt.

  • Kunststoff- und Keramikbrackets
    Kunststoff- und Keramikbrackets sorgen vor allem für eine ansprechendere Optik während der Tragezeit, da sie durchscheinend oder zahnfarben sind.
  • Selbstligierende Brackets
    Häufig angeboten werden inzwischen auch sogenannte selbstligierende Brackets. Die Bögen halten hier ohne die auffälligen Gummis. Die Behandlung soll schonender sein und weniger schmerzhaft. Außerdem wird diesen Brackets eine effektivere Kräfteübertragung nahezu ohne Reibungsverluste nachgesagt.
  • Hochelastische Nitinol-Bögen
    Standardmäßig wird in der Kieferorthopädie mit Stahlbögen gearbeitet, die relativ dick sind und hohen Druck auf die Zähne ausüben. Das kann zu Schäden an der Zahnwurzel führen. Als Alternative hierzu wurden Bögen aus dem Werkstoff Nitinol entwickelt, die zu 55 Prozent aus Nickel und zu 45 Prozent aus Titan bestehen. Sie sind hochelastisch und üben einen leichteren Druck auf die Zähne aus. Dieser Druck ist allerdings nicht individuell steuerbar, sondern besteht ständig und ist gleichbleibend stark.
  • Zahnspange: Hygiene, Pflege, Schutz
    Bei einer festsitzenden Zahnspange ist die Reinigung der Zähne durch die Brackets und Bögen erheblich erschwert. Zudem können sich Speisereste besonders leicht verfangen und festsetzen. Zahnspangenträger sind also einem erhöhten Kariesrisiko ausgesetzt und sollten unbedingt auf eine penible Zahnhygiene achten.
  • Langzeit-Retainer
    Sind Zähne und Kiefer nach langer Behandlung endlich in die richtige Position gebracht, neigen sie leider eine gewisse Zeit lang dazu, sich wieder in die alte Richtung zu bewegen. Vor allem die Frontzähne verstellen sich leicht, da sie relativ schwache Wurzeln haben. Nach Abschluss der aktiven Behandlung, werden deshalb sogenannte Retainer eingesetzt.

Zahnzusatzversicherung – Kosten für die Zahnspange auf Null setzen!

Gerade die privatärztlich berechneten Zusatzleistungen machen die Zahnspange und die kieferorthopädische Behandlung insgesamt sehr teuer: Zuzahlungen von 1.250 bis 2.000 Euro sind keine Seltenheit, sondern Realität für viele Eltern. Eine Zahnzusatzversicherung kann helfen, diese Kosten nahezu auf Null zu setzen – denn leistungsstarke Tarife sehen vor, dass in allen Indikationsgruppen Zuzahlungen geleistet werden, die damit auch unabhängig sind von den Kassenleistungen.

Zahnzusatzversicherung für Kinder – worauf achten?

Beim Abschluss einer Zahnzusatzversicherung für Kinder sollten die Eltern einiges beherzigen.

1. Früh kümmern

Eltern sollten sich frühzeitig um das Thema Zahnzusatzversicherung für ihren Nachwuchs kümmern, wenn die Kostenübernahme für kieferorthopädische Maßnahmen angestrebt wird. Denn mit einer festgestellten Zahnfehlstellung wird keine Zahnzusatzversicherung die kieferorthopädische Behandlung zahlen. Spätestens im Alter von vier bis sechs Jahren sollte der Abschluss erfolgen, danach kommt es oft zum Besuch beim oder zu der Überweisung zum Kieferorthopäden und zu ersten Indikationen für Fehlstellungen.

2. Prophylaxe und Zahnbehandlungen mitversichern

Nicht nur kieferorthopädische Behandlungen sollten versichert sein, sondern auch Zahnbehandlungen und Prophylaxe-Maßnahmen: Vieles ist heute nicht mehr Kassenleistung, etwa eine professionelle Zahnreinigung bei älteren Kindern oder eine Versiegelung der Zähne. Und natürlich tragen die Kassen bei Zahnbehandlungen die Kosten für zweckmäßige Versorgungen – eine Zahnzusatzversicherung für Kinder trägt die Kosten für Zahnbehandlungen dagegen voll, auch wenn privatärztliche Maßnahmen abgerechnet werden.

3. Gesundheitsfragen nicht auf die leichte Schulter nehmen

Auch bei Kindern müssen für den Antrag auf Abschluss einer Zahnzusatzversicherung Gesundheitsfragen beantwortet werden. Achten Sie darauf, dabei keine – wenn auch nur fahrlässigen – Falschangaben zu machen, sondern klären Sie den Zahnstatus mit einem Blick in die Patientenakte des Kindes.

Kieferorthopädie: Zahnversicherung hilft Kosten senken