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Erfolgreicher Kur-Antrag: Das müssen Sie wissen

Eine Kur ist eine Vorsorgemaßnahme, die der Vermeidung von Krankheiten dient oder deren Verschlimmerung entgegenwirken soll. Die Voraussetzung dafür, auf Kur gehen zu können, ist die medizinische Notwendigkeit. Einen Kur-Antrag stellen Patienten gemeinsam mit ihrem behandelnden Arzt. Wichtig ist, klar ersichtlich darzustellen, welche Reha-Ziele angestrebt werden. Rund 20 Prozent der Kur-Anträge werden erst einmal abgelehnt. Nicht aufgeben, heißt die Devise, denn ein Widerspruch kann sich lohnen. Etwa jeder zweite Einwand ist erfolgreich und zieht eine Bewilligung nach sich.

Arthrose, Rückenleiden, Allergien, Depressionen: Die Liste der Beschwerden, bei denen eine Kur Linderung oder Heilung bewirken kann, ist lang. Viele Patienten wissen gar nicht, dass sie nicht nur nach einer Operation oder einem Unfall, sondern auch bei anderen Leiden einen Rechtsanspruch auf eine Kur haben, ganz gleich wie alt sie sind. Der Rechtsanspruch auf eine Kur wurde im Zuge der Gesundheitsreform 2007 verankert. Kuren sind heute eine Pflichtleistung der gesetzlichen Krankenversicherung.

Hinter dem landläufig verwendeten Begriff Kur befinden sich verschiedene Arten von Anwendungen: Es gibt Vorsorgemaßnahmen und Rehabilitationsleistungen, stationäre und ambulante Angebote. Jeder kann eine Kur finden, die zu seiner Lebenssituation passt. Lesen Sie, welche Arten von Kuren es gibt, wie Sie einen guten Antrag stellen und welche Kosten anfallen.

Kur: Definition und Voraussetzung

In Fachkreisen wird bei der Kur zwischen Vorsorgemaßnahmen und medizinischer Rehabilitation (Reha) unterschieden. Solche Maßnahmen kommen in Frage bei orthopädischen, geriatrischen, kardiologischen, neurologischen, onkologischen und psychiatrischen Erkrankungen.

Vorsorge

Die Vorsorge dient der Vermeidung von Krankheiten oder der Vermeidung einer Verschlimmerung dieser Leiden. Das ist zum Beispiel bei Eltern-Kind-Kuren der Fall oder wenn vermieden werden soll, dass Krankheiten chronisch werden. Es gibt auch sogenannte geriatrische Rehas, die auf ältere Patienten zugeschnitten sind, die an einer Vielzahl von Beschwerden leiden. Die Reha-Maßnahme soll dann eine Pflegebedürftigkeit vermeiden und Selbstständigkeit garantieren.

Rehabilitation

Eine medizinische Reha-Maßnahme kommt nach einer Operation infrage (Anschlussheilbehandlung), bei einer schweren Erkrankung oder nach einem Unfall. Sie zielt darauf, die Folgen von Krankheit zu vermeiden, zum Beispiel eine Erwerbsunfähigkeit oder eine Pflegebedürftigkeit. Eine Kur, egal ob sie der Vorsorge oder der Rehabilitation dient, umfasst in der Regel einen dreiwöchigen Aufenthalt in einer Kurklinik, die auf das Beschwerdebild spezialisiert ist. Es gibt aber auch ambulante Maßnahmen oder teilstationäre in Tageskliniken. Eine ambulante Maßnahme umfasst 20 Behandlungstage. Ist es medizinisch erforderlich, kann die Dauer jeweils verlängert werden.

Kur: Rechtsanspruch auf die Versorgungsleistung

Jeder Patient hat einen Rechtsanspruch auf eine Kur. Im Zuge der Gesundheitsreform 2007 wurde dieser Anspruch auf Vorsorge- oder Reha-Maßnahmen nochmals gestärkt. Kassenmitglieder dürfen alle vier Jahre einen Antrag auf eine Kur stellen. Einen Kur-Antrag für eine ambulante Vorsorgeleistung dürfen sie sogar alle drei Jahre stellen. Sollte sich in der Zwischenzeit allerdings das Beschwerdebild ändern oder der Arzt es empfehlen, kann der Patient auch öfter eine Kur wahrnehmen.

Diese Grundsätze müssen immer erfüllt sein:

  • Reha vor Rente
  • Reha vor Pflege
  • ambulant vor stationär

Das heißt: Eine Reha ist vorzuziehen, wenn der Patient dadurch davor bewahrt werden kann, frühzeitig in Rente zu gehen. Und eine Reha ist das Mittel der Wahl, wenn dadurch eine Pflegebedürftigkeit vermieden werden kann. Eine stationäre Reha-Leistung kommt erst dann infrage, wenn alle ambulanten Maßnahmen ausgeschöpft sind, keine Wirkung mehr zeigen und nur eine intensive, dauerhafte Behandlung weiterhelfen kann. Eine Kur soll eine Intensivierung der ambulanten Versorgung darstellen. Mitglieder der gesetzlichen Krankenversicherung sollten übrigens einmal über einen Wechsel der Krankenkasse nachdenken, wenn Sie mit der Betreuung in Kur-Fragen nicht zufrieden sind.

Übrigens: Versicherte einer privaten Krankenversicherung haben nicht so ohne Weiteres einen Kur-Anspruch. Die Leistung muss im Tarif ausdrücklich vorgesehen sein. Wenn Sie unsicher sind, ob Ihr Tarif Leistungen vorsieht, sprechen Sie uns an – wir überprüfen den Tarif gerne für Sie und ermitteln ggf. Alternativen, wenn Kuren heute nicht oder nicht wie gewünscht mitversichert sein sollten.

Auswahl der Kur-Einrichtung


Patienten haben bei der Wahl der Kur-Einrichtung ein Mitspracherecht. Schließlich kann es sein, dass sie eine ganz bestimmte Kur-Einrichtung wünschen, weil sie in der Nähe des Wohnorts liegt und der Partner beispielsweise so leichter zu Besuch kommen kann. Wichtig ist, dass die Kur-Einrichtung geeignet ist, das angezeigte Beschwerdebild zu behandeln. Viele Einrichtungen haben sich auf ganz bestimmte Beschwerdebilder spezialisiert. Entscheidend ist auch, dass der Kostenträger einen Versorgungsvertrag mit der Einrichtung geschlossen hat. Es kann sonst passieren, dass der Patient auf eventuellen Mehrkosten sitzen bleibt.

Voraussetzungen für eine Kur

Trotz Rechtsanspruchs müssen bestimmte Voraussetzungen erfüllt sein, damit eine Kur genehmigt werden kann.

Bedürftigkeit: Es muss eine Bedürftigkeit gegeben sein. Die Maßnahme muss also medizinisch notwendig sein. Das heißt, ein Leiden muss Beeinträchtigungen mit sich bringen, die Alltagsaktivitäten einschränken, die sich als dauerhaft abzeichnen und bei denen eine medizinische Reha-Leistung Linderung verspricht.

Fähigkeit: Der Patient muss rehabilitationsfähig sein, sprich, er muss die körperliche und psychische Ausdauer und Motivation mitbringen, eine Reha-Maßnahme durchzuführen.

Ziele und Prognose: Es müssen genaue Reha-Ziele festgelegt werden. Soll eine Beeinträchtigung beseitigt oder vermindert werden, oder soll eine Verschlimmerung vermieden werden? Entscheidend ist, dass die Reha eine Aussicht auf Erfolg haben muss.

Diese Arten von Kuren gibt es:

Ambulante Kuren

Die ambulante Kur war früher unter dem Namen „offene Badekur“ bekannt. Sie dient der Vorsorge. Hier sucht sich der Patient in Absprache mit seinem Arzt selbst sein Ziel und eine Unterkunft (zum Beispiel Hotel oder Ferienwohnung). Allerdings muss es sich dabei um einen anerkannten Kurort handeln. Zu den Anwendungen sucht der Patient eine bestimmte Einrichtung auf oder den Kurarzt vor Ort. Übrigens: Für einen solchen Kur-Aufenthalt müssen sich Arbeitnehmer Urlaub nehmen. Sie sind für die Dauer der Kur nicht krankgeschrieben.

Stationäre und ambulante Reha-Maßnahmen

Eine medizinische Rehabilitations-Maßnahme kommt infrage, wenn der Patient nach oder auch während einer schweren Krankheit wieder zu Kräften kommen soll, beispielsweise bei einer Krebserkrankung oder nach einem Schlaganfall. Auch nach einer Operation kann eine Reha angesagt sein, zum Beispiel dann, wenn ein neues Knie- oder Hüftgelenk eingesetzt wurde. Das nennt sich dann Anschlussheilbehandlung.

Ob die Reha-Maßnahme stationär oder ambulant stattfindet, entscheidet der Leistungsträger nach medizinischen und wirtschaftlichen Gesichtspunkten. Dabei hat er die Empfehlung des Arztes und die Wünsche des Patienten zu berücksichtigen. Gründe für eine stationäre Rehabilitation können sein, dass sich der Patient zuhause nicht alleine versorgen kann oder ständiger ärztlicher Überwachung bedarf. Eine ambulante Reha kann entweder in einem ambulanten Reha-Zentrum oder in einer wohnortnahen stationären Reha-Einrichtung durchgeführt werden. Hier kommt der Patient tagsüber zur Behandlung und geht abends wieder nach Hause.

Ein Teil der ambulanten Rehabilitation ist die mobile Rehabilitation. Bei der mobilen Rehabilitation kommt das Reha-Team zum Patienten nach Hause oder ins Pflegeheim und behandelt ihn dort. Vor allem für ältere Menschen mit Demenz ist diese Form der Rehabilitation ideal, da für sie ein Umgebungswechsel häufig schwierig zu verkraften ist.

Kuren für Kinder

Auch Kinder haben einen Kur-Anspruch. Es gibt spezielle Einrichtungen für Kinder, die an schweren Krankheiten leiden und deren Beschwerden durch eine Kur verbessert oder behoben werden können. Auch für Kinder, bei denen durch Folgeerscheinungen der Krankheit die spätere Erwerbsfähigkeit gefährdet ist, kommt eine Kur infrage. Die Liste der Indikationen ist lang: von Atemwegserkrankungen und Neurodermitis über Allergien bis hin zu Entwicklungsstörungen. Solche Kuren sind sowohl als Vorsorgeleistung als auch als Reha-Maßnahme im Rahmen der Familienversicherung möglich.

Mutter- oder Vater-Kind-Kuren

Eine Mutter-Kind-Kur oder auch Vater-Kind-Kur nimmt der jeweilige Elternteil gemeinsam mit dem Kind wahr. In der jeweiligen Kur-Einrichtung gibt es Betreuungsmöglichkeiten, beispielsweise in Kindergruppen. Ansonsten sind Mutter oder Vater für das Kind zuständig. Das Alter der Kinder darf maximal zwölf bis 14 Jahre betragen. Diese Altersgrenze gilt nicht, wenn die Kinder eine Behinderung haben. Bei den Mutter- oder Vater-Kind-Kuren gilt der Grundsatz „ambulant vor stationär“ nicht. Eine solche Kur findet immer als dreiwöchiger Aufenthalt in einer auf die jeweiligen Beschwerden spezialisierten Kurklinik stationär statt. Denn nur so kann der Elternteil – meist die Mutter – wirklich eine Auszeit vom familiären Alltag erhalten. Ambulante Maßnahmen eigenen sich dafür meist nicht.

Eine Mutter- oder Vater-Kind-Kur kommt bei allen Erkrankungen in Frage, die aus der Elternrolle erwachsen. Dazu gehören Erschöpfungszustände, Rückenbeschwerden, psychosomatische Erkrankungen, Neurodermitis, Allergien, Schlaflosigkeit, Gewichtsprobleme, Depressionen, Angstzustände und vieles mehr. Die Kuren finden in speziellen Kur-Einrichtungen statt. So ist das Müttergenesungswerk selbst Träger von rund 80 Kur-Einrichtungen in Deutschland. Der Großteil der Kuren wird von Müttern wahrgenommen. Für eine solche Kur muss eine berufstätige Mutter nicht beurlaubt werden, sie gilt als krankgeschrieben. Es gibt auch reine Mütter-Kuren, in die die Mütter ihre Kinder nicht mitnehmen. Diese Kuren sind vor allem für Mütter mit älteren Kindern vorgesehen. Die Kinder können sich sogar bereits in der Ausbildung befinden.

Unser Tipp: Kurkostenversicherung senkt Eigenanteil

Wenn Sie für Ihre Kur einen Eigenanteil leisten müssen, kann eine Kurkostenversicherung diesen Anteil übernehmen. Meist wird eine Tagegeldversicherung abgeschlossen, die pro Kurtag einen festen Tagessatz leistet. Achten Sie auf folgende Leistungsmerkmale:

  • Leistungen auch bei ambulanten Kuren mitversichern
  • kurze oder völliger Verzicht auf Wartezeiten
  • Verzicht des Versicherers auf sein ordentliches Kündigungsrecht
  • ggf. Auslandskrankenschutz und Option auf Höherversicherung.

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