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Zuzahlung für teure Medikamente: So sparen Sie Geld

Der Gang in die Apotheke ist oft teuer: Beim Kauf von Arzneimitteln fallen Zuzahlungen an oder der Patient muss sie komplett alleine bezahlen. Doch manche Kassen erstatten Ausgaben für Naturarzneimittel und andere rezeptfreie Medikamente. In der Apotheke kennt sich der Kunde kaum noch aus: da fallen für ein Rezept 20 Euro an Rezeptgebühr an, ein anderer Patient erhält bei gleicher Diagnose ein anderes Präparat und kommt kostenlos davon. Andere Medikamente muss der Kunde komplett alleine bezahlen. Doch wer sich auskennt und die richtige Kasse wählt, kann Geld sparen.

Rezeptpflicht: Zuzahlungen sind fällig

Versicherte der gesetzlichen Krankenversicherungen müssen sich an den Ausgaben für ihre Gesundheit mit Zuzahlungen beteiligen. Das gilt unter anderem bei Ausgaben für Arzneimittel, Krankengymnastik oder Massagen. Bei Medikamenten sind zehn Prozent vom Abgabepreis, mindestens fünf, maximal zehn Euro pro Arzneimittel fällig. Bei chronisch Kranken kann sich dies übers Jahr hinweg summieren. Kinder und Jugendliche bis zum 18. Lebensjahr sind von Zuzahlungen befreit.

Unser Tipp: Zuzahlungsgrenzen beachten

Kassenpatienten müssen nur eine bestimmte Summe an Zuzahlungen im Jahr leisten. Zwei Prozent der jährlichen Bruttoeinnahmen (ein Prozent bei chronisch Kranken) gelten als zumutbar. Vom Brutto dürfen Versicherte Freibeträge abziehen: Pro Kind 7.620 Euro, für Ehe- oder Lebenspartner 5.607 Euro. So muss eine Familie mit zwei Kindern und einem Bruttoeinkommen von 36.000 Euro im Jahr rund 303,06 Euro an Zuzahlungen für die gesamte Familie leisten. Wer mehr bezahlt, kann sich den Mehrbetrag von der Krankenkasse erstatten lassen.

Mit Rabattverträgen der Krankenkassen sparen

Gibt es für das verordnete Arzneimittel einen Rabattvertrag zwischen Krankenkasse und Pharmaunternehmen, kann sich das finanziell vorteilhaft für den Patienten auswirken. In solchen Verträgen ist festgelegt, dass ein bestimmter Wirkstoff oder Medikament an die Kassen zu vergünstigten Konditionen abgegeben wird. Oft sind diese Medikamente dann von einer Zuzahlung befreit oder die Zuzahlung ist ermäßigt. Der Apotheker ist verpflichtet, das jeweilige Medikament, für das es einen Rabattvertrag gibt, auch abzugeben. So geschieht es, dass zwei Patienten mit derselben Indikation verschiedene Medikamente erhalten, weil sie bei unterschiedlichen Krankenkassen versichert sind.

Nach zuzahlungsbefreiten Medikamenten fragen

Gibt es keinen Rabattvertrag zwischen Krankenkasse und Hersteller, können Apothekenkunden möglicherweise ein zuzahlungsbefreites Medikament erhalten. Das sind Medikamente, die unter dem sogenannten Festbetrag liegen – der Betrag den die Kasse maximal für ein Medikament bezahlt. Der Apotheker ist sogar verpflichtet, eines der drei preisgünstigsten Medikamente abzugeben, sofern es eine Alternative zum Originalpräparat gibt. Viele dieser sogenannten Generika – wirkstoffgleiche Kopien eines Medikaments – sind erheblich günstiger und oft komplett von Zuzahlungen befreit. Eine Liste von derzeit über 10.000 zuzahlungsbefreiten Arzneimitteln wird vom Spitzenverband der gesetzlichen Krankenkassen hier ständig aktualisiert.

Fragen Sie den Apotheker nach günstigen Medikamenten

Auch wenn ein bestimmtes Medikament nicht komplett zuzahlungsfrei ist, kann man sparen. Beispiel: Bei einer Gruppe wirkstoffgleicher Medikamente kostet das teuerste 100 Euro, das günstigste 50 Euro. So reduziert sich der Anteil der Zuzahlungen. Fünf Euro pro Medikament kann der Patient dann auf jeden Fall sparen. Kunden können ihren Apotheker direkt danach fragen. So ergibt sich für chronisch kranke Patienten ein attraktives Sparpotential.

Unser Tipp: Sparen mit Reimporten

Möglicherweise lässt sich auch auf einen Reimport ausweichen. Das sind Medikamente, die in Deutschland produziert, ins Ausland exportiert und wieder eingeführt wurden. Nicht selten beträgt der Preisunterschied zum gewohnten Medikament mehr als 70 Prozent. Ist ein Reimport-Medikament 15 Prozent oder mindestens 15 Euro günstiger als das deutsche Präparat, sind die Apotheken sogar verpflichtet, den günstigeren Reimport abzugeben.

So erstatten Kassen rezeptfreie Medikamente

Viele Medikamente kann der Arzt gar nicht auf dem bekannten rosa Rezept verordnen, weil sie gar nicht verschreibungspflichtig sind. Dazu gehören Arzneimittel der alternativen Medizin, aber auch Medikamente, die unter anderem bei Erkältungskrankheiten, bei Bronchitis, Heuschnupfen und vielen Hautkrankheiten zum Einsatz kommen. Auch spezielle Präparate für Schwangere wie Folsäure, Eisen oder Magnesium gehören dazu. Sie alle sind sogenannte OTC-Präparate: Medikamente, die „over-the-counter“, also über den Ladentisch, ohne ärztliche Verordnung verkauft werden dürfen.

Manche Kassen erstatten solche Ausgaben im Rahmen ihrer freiwilligen Satzungsleistungen. Allerdings machen sie Unterschiede: Manche erstatten nur pflanzliche oder homöopathische Arzneimittel. Die Erstattung anderer Medikamente, die im Volksmund der Schulmedizin zugeordnet werden wie Nasensprays, Abführ- oder Erkältungsmittel oder die Wirkstoffe Ibuprofen und Acetysalicylsäure (z.B. Aspirin), sind häufig Kindern bis 17 Jahren vorbehalten.

Unser Tipp: Grüne Rezepte nutzen

Um solche Medikamente zur Erstattung bei der Kasse einreichen zu können, muss der Arzt sie auf einem grünen Rezept verordnen – damit befürwortet der Arzt das Medikament aus medizinischer Sicht. Dieses wiederum muss der Versicherte in der Apotheke abstempeln lassen und samt Kassenbeleg bei seiner Krankenkasse einreichen. Manche Kassen verlangen trotz Erstattung einen Eigenanteil ihrer Versicherten.

So erstatten die Kassen OTC-Präparate

Die Techniker Krankenkasse gewährt 100 Euro pro Kalenderjahr für Arzneimittel der Homöopathie, Phytotherapie oder Anthroposophie. Ferner beteiligt sie sich an den Kosten für Zusatzpräparate für Schwangere.

Die DAK erstattet maximal 100 Euro für Naturheilarzneimittel der Homöopathie, Anthroposophie, Phytotherapie pro Jahr im Rahmen des Gesundheitskontos. Über das Gesundheitskonto haben Versicherte ein Budget von 180 Euro im Jahr zur Verfügung, das sie flexibel für diverse Gesundheitsleistungen einsetzen können. Schwangere erhalten Zusatzpräparate für 100 Euro pro Schwangerschaft.

Die AOK Bayern erstattet homöopathische Arzneimittel auf Rezept zu 80 Prozent, maximal bis zu 30 Euro im Jahr im Rahmen des Gesundheitskontos „Mehr Vorsorge für mich“. Schwangere erhalten Zusatzpräparate für bis zu 100 Euro im Jahr.

Die AOK Baden-Württemberg gewährt 200 Euro für Naturheilarzneimittel der Homöopathie, Anthroposophie, Phytotherapie pro Jahr im Rahmen des Gesundheitskontos „Allgemein“ (das Gesamtbudget liegt bei 200 Euro im Jahr für diverse Gesundheitsleistungen). Schwangere erhalten Zusatzpräparate.

OTC-Präparate für Kinder bis 17 Jahren anstatt nur bis zwölf Jahren erstatten zum Beispiel die AOK Baden-Württemberg, die AOK Plus, die AOK Sachsen-Anhalt oder die BKK Mahle, die IKK Brandenburg und Berlin wie auch die IKK gesund plus.

Aus dem Rahmen fällt das Angebot der BKK MTU: sie erstattet pauschal für alle Versicherten alle OTC-Medikamente mit maximal 80 Euro im Jahr.

Private Zusatzversicherung trägt die Zuzahlungen

Es gibt eine Vielzahl von Zusatzversicherungen, die mittlerweile die Zuzahlungen der Patienten für Medikamente übernehmen. Gerade bei regelmäßigem Medikamentenbedarf spart eine solche Zusatzversicherung vor allem bei einer Kostenübernahme von 100 Prozent regelmäßig bares Geld. Jetzt Vergleich starten und individuellen Schutz für Ihre Zusatzversicherung berechnen.