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Altersvorsorge: So müssen Sie Ihre private Rente versteuern

Wenn Sie für Ihre Altersvorsorge sparen, ist vor allem eines wichtig: Wie viel Rente bekomme ich später raus? Aber: Je nach Vorsorgemodell und Versichertenstatus kann Ihnen später als Rentner von Ihrer Brutto-Rente ein stark abweichender Netto-Betrag übrig bleiben.

Private Rentenversicherung – so greift das Finanzamt zu

Bei einer aufgeschobenen privaten Rentenversicherung haben Sie zum Vertragsende meist die Wahl zwischen einer Kapital- oder einer Rentenauszahlung. Wählen Sie die Rente, so winkt Ihnen lebenslang ein Steuerbonus. Das Finanzamt greift hier lediglich auf den sogenannten Ertragsanteil zu. Dieser Ertragsanteil ist ein fester Prozentsatz der bezogenen Rente, der sich nach dem Alter bei Rentenbeginn richtet und während der gesamten Rentenbezugszeit gleich bleibt.

Steuer-Beispiel: Herr A. ist zu Beginn seines Rentenbezugs 65 Jahre alt. Laut Ertragsanteils-Tabelle (§ 22 Einkommensteuergesetz) beträgt der Ertragsanteil für seine private Rente 18 Prozent. Das heißt, nur diese 18 Prozent der Rente gelten als Einkunft und sind in der Steuererklärung anzugeben. Erhält Herr A. pro Monat 400 Euro Zusatzrente, braucht er davon nur 72 Euro (18 Prozent) zu versteuern. Unterstellt man im Ruhestand einen Steuersatz von 25 Prozent, so fallen tatsächlich für ihn nur 18 Euro an Steuern an. Je älter man beim Beginn des Rentenbezugs ist, desto niedriger fällt der Ertragsanteil aus, auf den Steuern anfallen.

Bevorzugen Sie lieber eine Kapitalauszahlung, so ist der während der Laufzeit erzielte Gewinn zur Hälfte steuerpflichtig. Voraussetzung: Der Vertrag ist wenigstens zwölf Jahre lang gelaufen und der Versicherte mindestens 62 Jahre alt. Als Gewinn gilt die Differenz zwischen der Summe aller eingezahlten Beiträge und der späteren Kapitalauszahlung.

Sofortrente – so berechnen sich die Steuern

Bei dem Altersvorsorgemodell der Sofortrente (auch als Rentenversicherung gegen Einmalzahlung bekannt) zahlen Sie – in der Regel zum Ruhestandsbeginn – einmalig einen festen Betrag ein und erhalten umgehend lebenslang eine monatliche Rente überwiesen. Die Zahlung fließt auch dann noch weiter, wenn Ihre eingezahlte Summe längst aufgebraucht ist. Die Besteuerung der Rente erfolgt hier ebenfalls nach dem Prinzip des Ertragsanteils.

Riester-Rente – persönlicher Steuersatz und Ertragsanteil

Die Rentenauszahlungen bei der Riester-Rente zählen in der Rentenphase zu den sonstigen Einkünften und sind mit Ihrem persönlichen Steuersatz zu versteuern (nachgelagerte Besteuerung). Wie hoch die Steuerlast später tatsächlich ausfällt, hängt von Ihrem Gesamteinkommen als Ruheständler und von der Höhe der zukünftigen Freibeträge ab. Diese volle Steuerpflicht gilt jedoch nur für Riester-Renten, die vollständig aus durch Zulagen und Steuervorteile gefördertem Kapital gezahlt werden. Manche Sparer zahlen aber auch mehr in einen Riester-Vertrag ein als nötig ist, um die vollen Zulagen und Steuervorteile zu bekommen, also einen ungeförderten Anteil. Wird aus diesem nicht geförderten Anteil der Beiträge eine Rente gezahlt, so ist dafür wiederum nur der Ertragsanteil zu versteuern.

Rürup-Rente – Steuerlast vom Renteneintrittsalter abhängig

In der Ansparphase profitiert ein Rürup-Sparer von Steuererleichterungen, in der Auszahlungsphase wird dann die Rürup-Rente nach dem persönlichen Steuersatz besteuert. Dabei richtet sich die Höhe der Steuerpflicht bzw. des steuerfreien Betrags der Rente nach dem Kalenderjahr des Rentenbeginns. So sind in 2019 erstmals ausgezahlte Rürup-Renten zu 78 Prozent steuerpflichtig, der andere Teil von 22 Prozent wird als Freibetrag dauerhaft festgeschrieben. Bis 2020 steigt der steuerpflichtige Anteil jährlich um zwei Prozent an, nach 2020 nur noch um ein Prozent jährlich. Ab 2040 ist dann die volle Rentenauszahlung steuerpflichtig. Wenn Sie also 2040 erstmals die Rürup-Rente beziehen, dann müssen Sie diese zu 100 Prozent versteuern.

Steuerfreie Renten

Renten aus der gesetzlichen Unfallversicherung, Kriegs- und Schwerbeschädigtenrenten sowie Geldrenten, die unmittelbar zur Wiedergutmachung erlittenen nationalsozialistischen oder DDR-Unrechts geleistet werden, sind steuerfrei. Sie brauchen in der Steuererklärung deshalb nicht angegeben zu werden.

Werbungskosten bei Rentnern

Steuersparende Werbungskosten sind auch für Rentner ein Thema. Gibt man nichts an, schreiben die Finanzbeamten automatisch 102 Euro als Pauschbetrag gut. Mit Belegen sind Gewerkschaftsbeiträge, Honorare für einen Rentenberater oder Schuldzinsen für eine auf Kredit finanzierte Einzahlung aufs Rentenkonto abzugsfähig – die Eintragung erfolgt in den Zeilen 52 bis 59 der Anlage R.

So sparen Rentner Steuern

Auch Rentner und Pensionäre können Steuervergünstigungen wie Sonderausgaben, außergewöhnliche Belastungen, haushaltsnahe Dienstleistungen und Handwerkerleistungen geltend machen. Trotz hohen Einkommens im Ruhestand geht der Fiskus deshalb oft leer aus. Die Beiträge zur gesetzlichen Kranken- und Pflegeversicherung bringen als größte Position die meiste Ersparnis. Dazu müssen Ruheständler die Anlage Vorsorgeaufwand ausfüllen. Rentner tragen ihre Beiträge zur gesetzlichen Kranken- und Pflegeversicherung in die Zeilen 17 und 19 ein – steuerfreie Zuschüsse der Rentenkasse müssen von den eigenen Aufwendungen abgezogen werden. Weitere Steuerfreibeträge und Vergünstigungen gibt es über die Angaben im vierseitigen Mantelbogen.

Von Steuererklärung befreien lassen

Für viele Rentner ist die jährliche Steuererklärung eine lästige Pflicht. Berechnet das Finanzamt tatsächlich keine Steuerschuld, kann man sich von der Abgabenpflicht befreien lassen. Am besten geht das mit einem Antrag auf Erteilung einer Nichtveranlagungsbescheinigung (NV-Bescheinigung). Das Formular gibt es beim Finanzamt. Wird es erteilt, hat man die nächsten drei Jahre seine Ruhe.