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Vorsorgeaufwendungen: Kosten für Absicherung und Vorsorge richtig steuerlich geltend machen

Zu den privaten Vorsorgeaufwendungen zählen Zahlungen an die gesetzlichen Kassen sowie die private Krankenversicherungen inklusive der Pflegepflichtversicherung, Beiträge zur privaten Altersvorsorge und andere Versicherungsbeiträge. Die Steuererklärung hält zwei Dokumente für die Erfassung der Altersvorsorgeaufwendungen bereit: die „Anlage AV“ und die „Anlage Vorsorgeaufwand“. In die „Anlage Vorsorgeaufwand“ tragen Sie in den Zeilen 4 bis 10 sämtliche Altersvorsorgezahlungen ein, in den Zeilen 12 bis 43 die Beiträge zu Kranken- und Pflegeversicherungen und in den Zeilen 44 bis 50 die übrigen Vorsorgeaufwendungen, zum Beispiel die Privathaftpflicht.

Nicht alle Vorsorge-Aufwendungen wirken sich steuerlich tatsächlich aus

Zusätzliche Vorsorgeaufwendungen sind nur noch bis zu bestimmten Höchstbeträgen steuerlich absetzbar. Für Arbeitnehmer und Beamte sind dies 1.900 Euro, für Selbstständige, die ihre Krankenversicherungskosten allein aufbringen, 2.800 Euro pro Jahr. Das bedeutet: Liegen die geleisteten Beiträge zur Kranken- und Pflegeversicherung unter den genannten Limits, können Sie ihre Zahlungen zur Arbeitslosenversicherung, Haftpflichtversicherung, Unfallversicherung und Berufsunfähigkeitsversicherung bis zur Jahreshöchstgrenze zusätzlich absetzen. Erreichen bereits die eigenen Kranken- und Pflegebeiträge den genannten Höchstbetrag, fallen zusätzliche Vorsorgeaufwendungen unter den Tisch.

Beiträge zur Rentenversicherung

Für 2019 können Sie 88 Prozent der Zahlungen zur gesetzlichen Rentenversicherung, zu berufsständischen Versorgungswerken sowie zu Rürup-Renten steuerlich absetzen – maximal jedoch 24.305 Euro für Alleinstehende und 48.710 Euro für Verheiratete. Wermutstropfen: Da bei Arbeitnehmern der Arbeitgeberanteil zur gesetzlichen Rentenversicherung zunächst als Beitrag mit erfasst, davon 88 Prozent angesetzt und anschließend in voller Höhe wieder abgezogen wird, bleibt für Arbeitnehmer nur ein tatsächlich absetzbarer Vorsorgeanteil von gut 40 Prozent der Beiträge übrig.

Beiträge zur Riester-Rente

Der Sonderausgaben-Abzug für Beiträge zur Riester-Rente bis 2.100 Euro ist für die Steuererklärung separat in der „Anlage AV“ einzutragen. Riester-Beiträge werden dann als Sonderausgabe berücksichtigt, wenn die dadurch erzielbare Steuerersparnis höher ist als die gewährten Riester-Zulagen. Das Finanzamt ermittelt dies im Rahmen der sogenannten Günstigerprüfung. Dabei wird die Einkommensteuer zunächst ohne Riester-Sonderausgabenabzug und anschließend mit Sonderausgabenabzug ermittelt. Die Differenz ist die Steuerersparnis aufgrund der geltend gemachten Riester-Beiträge. Ist die Ersparnis höher als die Zulage, erstattet das Finanzamt das Geld auf das Konto des Steuerzahlers.

Krankenversicherung

Seit 2010 sind die Beiträge zur Krankenversicherung inklusive der Beiträge zu gesetzlichen sowie privaten Pflegepflichtversicherungen vollständig absetzbar. Im Prinzip zumindest: Die Regelung gilt für alle Basis-Tarife in der gesetzlichen sowie in der privaten Krankenversicherung – inklusive etwaiger Zusatzbeiträge. Nicht absetzen können Sie zusätzlichen Krankenschutz, der über die Basisversorgung hinausgeht. Die Regelung führt vor allem dazu, dass bei der Steuer Wahl- und Zusatztarife der Krankenversicherung nicht absetzbar sind. Auch klassische Zusatzversicherungen werden nicht als Krankenversicherung steuerlich anerkannt: Dazu gehören Prämien für eine Auslandsreisekrankenversicherung, die Kosten für private Krankentagegeldversicherungen sowie die Beiträge für eine private Pflegezusatzversicherung. Die einzige Ausnahme: Wer weniger als 1.900 bzw. 2.800 Euro im Jahr an Krankenversicherungsbeiträgen steuerlich geltend machen kann, darf diese Grenzen mit anderen Versicherungen auffüllen.

Beispiel: Der ledige Steuerzahler A zahlt für seine Basis-Krankenversicherungen 300 Euro im Monat. Daher kann er 3.600 Euro im Jahr steuerlich absetzen. Weitere Versicherungskosten laufen damit ins Leere, weil schon der Basis-Krankenschutz über der Grenze von 1.900 Euro liegt.

Der ledige Steuerzahler B zahlt für die Basis-Krankenversicherung 100 Euro im Monat, mithin 1.200 Euro im Jahr. Weil er unterhalb der 1.900 Euro bleibt, kann er die restlichen 700 Euro mit weiteren Versicherungsbeiträgen auffüllen: Das können die Prämien für private Wahl- und Zusatztarife einer privaten Krankenversicherung sein, aber auch Kosten für ganz andere Versicherungen, die steuerlich anerkannt werden.

Unser Tipp: Zusatzkosten steuerlich geltend machen

Absetzbar sind auch Beitragszahlungen an Kranken- und Pflegekassen, die der Steuerzahler für seine Kinder oder den Lebenspartner bezahlt hat. Das Finanzamt erkennt auch Zahlungen an Kranken- und Pflegekassen an, die Sie für den geschiedenen Exgatten oder den dauernd getrennt lebenden Ehegatten leisten. Die Beitragszahlungen stellen zusätzliche Unterhaltsleistungen dar und können über den Unterhalts-Höchstbetrag von 8.652 Euro hinaus als Sonderausgabe in der „Anlage U“ geltend gemacht werden.