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Vorsorgeuntersuchungen: Krankenkasse trägt die Kosten oft

Vorsorgeuntersuchungen bei Kindern – sogenannte U-Untersuchungen – sollen zeigen, ob das Kind gesund ist und sich altersgerecht entwickelt. Werden Entwicklungsprobleme entdeckt, sollen diese so möglichst rasch behandelt werden können. Kurz nach der Geburt erhält die Mutter dazu vom Kinderarzt ein gelbes Heft, in das die Ergebnisse der jeweiligen U-Untersuchungen eingetragen werden.

Keine gesetzliche Pflicht

Seit 2008 sollen im Rahmen der U-Untersuchungen zusätzlich auch Fälle von Vernachlässigung und Missbrauch aufgedeckt und unterbunden werden. In sämtlichen Bundesländern wurde dazu eine verbindliche Meldepflicht für fast alle U-Untersuchungen eingeführt. Wird eine U-Untersuchung versäumt, werden die betreffenden Eltern schriftlich aufgefordert, diese nachzuholen. Kommen die Eltern dieser Empfehlung nicht nach, können die Jugendämter unangenehme Nachfragen stellen. In Bayern und Baden-Württemberg müssen Eltern auch beim Antrag auf Landeserziehungsgeld, bei der Anmeldung in einer Kindertageseinrichtung und bei der Schuleingangsuntersuchung das ausgefüllte U-Untersuchungsheft vorlegen. Eine gesetzliche Pflicht zur Teilnahme an den U-Untersuchungen besteht aber auch hier nicht.

Sechs U-Untersuchungen im ersten Lebensjahr

U1: Die erste Vorsorgeuntersuchung erfolgt direkt nach der Geburt. Dabei wird der Allgemeinzustand des Neugeborenen begutachtet und mit dem sogenannten APGAR-Wert in Punkten abgebildet.
U2: Am dritten bis zehnten Tag nach der Geburt wird die U2 oder auch Neugeborenen-Basisuntersuchung durchgeführt. Meist passiert das noch in der Klinik. Hier werden die Organe, Sinnesorgane und Reflexe gründlich untersucht. Wer nur zur Geburt in die Klinik kommt, zu Hause oder in einer Hebammenpraxis entbindet, sollte sich rechtzeitig um einen Termin beim Kinderarzt bemühen. Die Krankenkassen übernehmen die Kosten für diese wichtige Untersuchung nämlich nur bis zum 14. Lebenstag des Säuglings. Danach muss der Arzt die Untersuchung als sogenannte IGeL-Leistung in Rechnung stellen.

U3: Zwischen der vierten und der fünften Lebenswoche ist die dritte Vorsorgeuntersuchung fällig. Sie ist meist die erste Untersuchung außerhalb der Klinik. Der Kinderarzt testet an diesem Termin die altersgemäße Entwicklung der Reflexe, der Motorik, des Gewichts und der Reaktionen. Er erkundigt sich nach dem Trink- und Schlafverhalten und untersucht die Organe sowie die Entwicklung der Hüften. Auch hier sollten sich die Eltern – im Interesse ihres Kindes – an die vorgeschriebenen Termine halten. Zum einen, weil eine zu frühe oder zu späte Untersuchung keine aussagekräftigen Ergebnisse liefert, und zum anderen, weil die Krankenkassen nach der achten Lebenswoche die Kosten nicht mehr übernehmen.

U4 bis U6: Zwischen dem dritten und vierten Lebensmonat bis zum ersten Lebensjahr finden insgesamt nochmal drei Vorsorgeuntersuchungen statt. Hauptaugenmerk liegt hier auf der zeitgerechten körperlichen und geistigen Entwicklung. Auch der Aufbau eines umfassenden Impfschutzes ist jetzt ein zentrales Thema. Die erste Impfung wird meist im Alter von drei Monaten verabreicht.

U7: Kurz vor dem zweiten Geburtstag findet dann erst wieder die nächste Vorsorgeuntersuchung statt. In dieser Phase sollte das Kind sicher laufen können und bekannte Gegenstände zuordnen und benennen können. Auch die Feinmotorik wird getestet. Thema sind außerdem das Sozialverhalten und die Sauberkeitsentwickung.

U7a: Die U7a wurde erst vor wenigen Jahren, im Juli 2008, in den Leistungskatalog der gesetzlichen Krankenkassen aufgenommen, um die Lücke zwischen der Zweijahresuntersuchung (U7) und der Vierjahresuntersuchung (U8) zu schließen. Die U7a ist für knapp Dreijährige gedacht. Hauptaugenmerk dieser Vorsorge liegt auf möglichen allergischen Erkrankungen, Sozialisations- und Verhaltensstörungen, Übergewicht, Sprachentwicklungsstörungen, Zahn-, Mund- und Kieferanomalien.

U8: Im Alter von etwa vier Jahren wird dann die U8 fällig. Hier untersucht der Arzt vor allem die Beweglichkeit und Geschicklichkeit des Kleinkindes. Er testet das Seh- und Hörvermögen sowie die Sprachentwicklung und fragt nach dem Sozialverhalten und dem Grad der Selbstständigkeit.

U9: Die letzte der ersten zehn Vorsorgeuntersuchungen findet im Alter von fünf Jahren, im Jahr vor der Einschulung statt. Sie ist besonders umfangreich. Hier werden nochmals die Grob- und Feinmotorik getestet und das Sprachverständnis sowie das Hör- und Sehvermögen untersucht. Im Hinblick auf die Schule spielen auch das Sozialverhalten und die geistige und psychische Entwicklung eine große Rolle. Auch schätzt der Kinderarzt zu diesem Zeitpunkt grob ein, inwieweit er das Kind für schulreif hält.

J1: Nach der U-Untersuchung im fünften Lebensjahr kommt erstmal lange nichts. Erst zwischen dem 12. und 14. Lebensjahr sieht der Gesetzgeber wieder eine U-Untersuchung als Kassenleistung vor, die sogenannte J1. Hier geht es um die altersgerechte körperliche, soziale und sexuelle Entwicklung, um den Impfstatus sowie um die Aufklärung gefährdender Verhaltensweisen. Sie gilt als sehr wichtig, weil Jugendliche in diesem Alter nur noch „im Notfall“ zum Arzt gehen. Im Rahmen dieser U-Untersuchung erfolgt auch eine Blut- und Urinuntersuchung.

U10, U11 und J2 zahlt nicht jede Krankenkasse

Kinderärzte empfehlen aber noch drei weitere Vorsorgeuntersuchungen bis zum Erreichen der Volljährigkeit. Vor allem für die große Lücke zwischen dem fünften und dem 12. bis 14.Lebensjahr empfehlen Fachleute zusätzlich die U-Untersuchungen U10, U11 sowie mit 16 bis 17 Jahren noch die J2. Seit 2006 gibt es dafür ein grünes Check-Heft, in das diese Vorsorgen eingetragen werden können. Diese zusätzlichen U-Untersuchungen sind allerdings keine Pflichtleistung der gesetzlichen Krankenkassen. Sie müssen daher grundsätzlich aus eigener Tasche bezahlt werden. Im Rahmen von speziellen Einschreibeprogrammen mit ausgewählten Vertragsärzten übernehmen aber viele Betriebskrankenkassen die Kosten, wobei hier direkt über die Chipkarte abgerechnet werden kann. Andere Krankenkassen – wie zum Beispiel die Techniker Krankenkasse, die AOK Bayern oder auch die SBK – erstatten im Rahmen freiwilliger Leistungen. Wichtig: Oft erfolgt die Abrechnung hier nicht direkt über die Kassenkarte, sondern im Erstattungsverfahren. Dabei stellt der Arzt eine Rechnung aus, die der Patient bezahlt und anschließend wieder bei seiner Kasse zur Erstattung einreichen kann. Dabei ist wichtig, im Vorfeld genau abzuklären, welche Kosten die eigene Kasse genau übernimmt, da auch hier gewisse Standards gelten. Fällt die Vorsorge nämlich besonders ausführlich aus, kann es sein, dass Eltern auf Mehrkosten sitzen bleiben.

U10: Die U10 gilt als Grundschulcheck und ist ist eine Vorsorgeuntersuchung für Schulkinder zwischen dem siebten und achten Lebensjahr. Ziel dieser Untersuchung ist es, Entwicklungsstörungen – wie zum Beispiel eine Lese-Rechtschreib-Rechenstörung, Störungen in der motorischen Entwicklung sowie Verhaltensstörungen wie zum Beispiel ADS oder ADHS – frühzeitig festzustellen und entsprechend therapieren zu können.

U11: Im Alter von neun bis zehn Jahren empfehlen Kinderärzte die U11. Schwerpunkt dieser Vorsorge in der dritten bis vierten Klasse ist das Erkennen von Schulleistungs-, Sozialisations- und Verhaltensstörungen sowie von Zahn-, Mund- und Kieferanomalien. Außerdem wird über gesundheitsbewusstes Verhalten aufgeklärt und versucht, dieses zu fördern. Dabei wird auch untersucht, ob ein gesundheitsschädigendes Medienverhalten vorliegt. Viele Kassen erstatten die Kosten auf Anfrage innerhalb eines bestimmten Rahmens.

J2: Für Patienten im späteren Jugendalter von 16 bis 17 Jahren bieten Kinderärzte schließlich noch eine Vorsorgeuntersuchung an. Diesen Termin dürfen die fast Erwachsenen bei vielen Ärzten auch ohne Beisein der Eltern wahrnehmen. Dabei werden die Patienten nochmals eingehend internistisch und orthopädisch untersucht und Fragen zur Sexualität und zu eventuell bestehenden Problemen innerhalb der Familie besprochen. Auch geht es darum, mögliche Verhaltens- und Sozialisationsstörungen zu erkennen. Auch die Berufswahl aus gesundheitlicher Sicht ist ein Thema.