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Freiwillige Krankenversicherung: So werden die Beiträge berechnet

Für Selbstständige und Besserverdiener kommt die freiwillige gesetzliche Krankenversicherung infrage. Sie kann Vorteile gegenüber einer privaten Absicherung bieten. Im Fokus stehen der Krankenkassenbeitrag und die Beitragskalkulation. Selbstständige und Arbeitnehmer mit einem hohen Einkommen sind die beiden Hauptgruppen, die sich freiwillig in der gesetzlichen Krankenversicherung (GKV) versichern können. Auch Beamte zählen dazu. Sie haben die Wahl, ob sie sich in freiwillig in der GKV versichern oder eine private Krankenversicherung wählen.

Das sind die Vorteile der gesetzlichen Krankenversicherung

Insbesondere Selbstständige, die weniger verdienen, sind gut in der freiwilligen Krankenversicherung der GKV aufgehoben, denn hier richten sich die Beiträge nach den Einkünften. Wer wenig verdient, zahlt auch weniger. Aber auch Gutverdiener können profitieren, denn in der GKV gilt ein Maximalbeitrag. Er liegt bei 635 Euro im Monat − plus Zusatzbeitrag (ohne Krankengeldanspruch). Das ist der Beitragsbemessungsgrenze in der GKV geschuldet. Die GKV bietet noch mehr Pluspunkte: Wer eine Familie hat, kann sie kostenlos in der Familienversicherung mitversichern − und auch, wer krank ist, ein chronisches Leiden oder eine Psychotherapie macht, ist gut in der GKV aufgehoben. Denn in der GKV gibt es keine Gesundheitsprüfung.

Wer überlegt, ob er sich freiwillig in der GKV versichert oder eine private Krankenversicherung wählt, muss wissen, dass die Entscheidung in aller Regel lebenslang gilt. Ein Wechsel von der privaten Krankenversicherung zurück in die GKV ist in den seltensten Fällen möglich, etwa dann, wenn ein Selbstständiger eine versicherungspflichtige Tätigkeit aufnimmt und ein Einkommen unterhalb der Versicherungspflichtgrenze verdient. Arbeitnehmer kommen nur wieder zurück in die gesetzliche Krankenversicherung, wenn ihr Einkommen unter die Versicherungspflichtgrenze absinkt und somit die Versicherungspflicht der gesetzlichen Kassen wieder greift.

Ist die private Krankenversicherung die bessere Wahl?

Wenn Sie sich freiwillig versichern können, steht Ihnen statt der gesetzlichen Krankenversicherung auch der Wechsel in die private Krankenversicherung (PKV) offen. Der Vorteil dort: Sie entscheiden selbst, welche medizinischen Leistungen Ihnen wichtig sind und wie Sie die versichern möchten. So lassen sich zum Beispiel Zahnersatz und alternative Behandlungsmethoden ebenso wie eine exzellente Versorgung im Krankenhaus versichern − und das auf einem Niveau, das gesetzlich Versicherte nicht über die GKV absichern können. Dazu kommen günstige Beiträge − vor allem für junge Versicherte, die als Angestellte auch noch die Hälfte der Beiträge vom Arbeitgeber erstattet bekommen. Auf der anderen Seite müssen Väter und Mütter für Kinder einen separaten Schutz abschließen − eine Familienversicherung wie in der GKV kennt die PKV nicht. Im Alter können die Beiträge zudem stark ansteigen − und eine Rückkehr in die GKV mit dann meist günstigeren Beiträgen dürfte später in aller Regel ausgeschlossen sein. Eine gute Alternative kann es sein, wenn der Schutz der GKV um private Zusatzversicherungen ergänzt wird − etwa um eine Zahnzusatzversicherung, eine Zusatzversicherung für den Heilpraktiker oder eine stationäre Versorgung mit der Krankenhauszusatzversicherung.

Wer kann sich freiwillig versichern?

Neben den oben genannten Hauptgruppen gibt es eine Vielzahl von Menschen, die schon vorher in der GKV waren und durch eine neue Lebenssituation nun als freiwillig Versicherte gelten. Dazu können Rentner gehören, die nicht die Versicherungszeiten erfüllen, um den Status „Krankenversicherung der Rentner“ zu erhalten. Auch Studenten, die ab einem bestimmten Alter nicht mehr den Versicherungsstatus „Krankenversicherung der Studenten“ erfüllen, können sich freiwillig versichern. Das gilt auch für Versicherte, für die die kostenfreie Familienversicherung erlischt.

Grundsätzlich gilt: Sollte − aus welchen Gründen auch immer − die Pflichtversicherung in der GKV enden, kann die Mitgliedschaft freiwillig fortgesetzt werden. Niemand muss die GKV verlassen, der dort vorher schon versichert war. Je nach Versicherungsstatus der Eltern kann auch für Kinder die freiwillige Versicherung infrage kommen. Auch Schwerbehinderte können die Voraussetzungen für eine freiwillige Versicherung erfüllen. Übrigens: Wer als Arbeitnehmer pflichtversichert in der GKV war und dann mehr Einkommen verdient, so dass er die Versicherungspflichtgrenze überschreitet, bleibt natürlich weiterhin versichert, er wird dann als freiwillig Versicherter in der GKV geführt.

Freiwillige Versicherung: Die beste Kasse finden

Arbeitnehmer in der freiwilligen Krankenversicherung

Arbeitnehmer sind eigentlich pflichtversichert in der GKV. Doch ab einem bestimmten Einkommen endet die Versicherungspflicht, und sie gelten als freiwillig versichert. Die Versicherungspflichtgrenze liegt im Jahr 2019 bei 60.750 Euro Bruttoeinkommen im Jahr. Arbeitnehmer mit einem hohen Einkommen zahlen als freiwillig Versicherte wie alle anderen auch den allgemeinen Beitragssatz von 14,6 Prozent, plus Zusatzbeitrag. Der Arbeitgeber trägt die Hälfte der Beiträge. Besonders für Vielverdiener ist die Beitragsbemessungsgrenze interessant: Nur bis zu dieser Grenze werden Beiträge auf das Einkommen berechnet.

Sie liegt im Jahr 2019 bei 54.450 Euro Jahresbruttoeinkommen. Einkommen, die darüber liegen, sind beitragsfrei. Der Höchstsatz in der GKV beträgt somit 662,48 Euro im Jahr, plus Zusatzbeitrag. Der Arbeitgeber beteiligt sich zur Hälfte daran. Wichtig zu wissen ist, dass bei freiwillig Versicherten zur Berechnung des Beitrags nicht nur das Arbeitseinkommen maßgeblich ist wie bei Pflichtversicherten, sondern alle Einnahmen zugrunde gelegt werden, so zum Beispiel auch jene aus Vermietung und Verpachtung oder aus Kapitalerträgen.

Selbstständige in der freiwilligen Krankenversicherung

Selbstständige zahlen nicht 14,6 Prozent, sondern nur den ermäßigten Beitragssatz von 14,0 Prozent als freiwillig Versicherte, plus Zusatzbeitrag. Denn sie haben keinen Krankengeldanspruch. Allerdings können sie sich auch entschließen, den allgemeinen Beitragssatz von 14,6, Prozent zu bezahlen und erwerben so einen Krankengeldanspruch, sie erhalten dann ab der siebten Krankheitswoche ein Krankengeld. Bei Selbstständigen zählen alle Arten von Einnahmen als Grundlage zur Berechnung des Beitrags: Einnahmen aus selbstständiger Tätigkeit, aus nichtselbstständiger Arbeit, aus Vermietung und Verpachtung, aus Zins- und Kapitalerträgen, aus Renten und Versorgungsbezügen etc. Eventuelle Gründungszuschüsse werden jedoch nicht berücksichtigt.

Natürlich sind Betriebsausgaben von den Einkünften abzuziehen. Am Ende ist der Gewinn die Grundlage, auf der der Kassenbeitrag berechnet wird. Aber auch bei Selbstständigen gilt: Die Gesamteinkünfte werden nur bis maximal zur Beitragsbemessungsgrenze berücksichtigt, also bis zu 54.450 Euro im Jahr. Selbstständige zahlen so maximal 662,48 Euro im Jahr für ihre Krankenversicherung (inklusive Krankengeldanspruch), plus Zusatzbeitrag. Allerdings müssen sie diesen Beitrag alleine bezahlen, der Arbeitgeberanteil fällt weg.

Versicherte mit geringem Einkommen zahlen einen Mindestbeitrag

Der große Vorteil der freiwilligen Versicherung in der GKV ist, dass sich der Beitrag nach dem Einkommen richtet – wer wenig verdient, muss auch weniger an Beitrag bezahlen. Allerdings gibt es einen Mindestbeitrag, genauso wie es einen Maximalbeitrag gibt. Die Mindestbemessungsgrundlage für 2019 beträgt 1.038 Euro im Monat − 12.456 Euro im Jahr. Bei einem ermäßigten Beitragssatz von 14,0 Prozent ergibt sich so ein Mindestbeitrag von 145,32 Euro im Monat bzw.1.743,84 Euro im Jahr, plus Zusatzbeitrag.

Die Krux mit dem Steuerbescheid

Für die Berechnung des Beitrags bei Selbstständigen ist der Einkommensteuerbescheid maßgeblich, und zwar der aktuellste – das kann im Jahr 2019 durchaus der von 2017 sein. Die Kasse legt seit 2018 anhand des Steuerbescheids die Beitragshöhe nur vorläufig fest, und zwar für ein Jahr. Erst wenn der Steuerbescheid des betroffenen Beitragsjahres tatsächlich vorliegt, erfolgt die endgültige Festsetzung der Beiträge. Wurden die Beiträge zu hoch angesetzt, kommt es zu einer Rückzahlung. Wurden sie zu niedrig angesetzt, ist eine Nachzahlung zu leisten. Der aktuelle Steuerbescheid ist dann auch Grundlage für die vorläufigen Beiträge im Folgejahr.

Selbstständige sollten ihre Umsätze im Auge behalten: Steigende Gewinne bedeuten Beitragsnachzahlungen. Und diese sind oft mit deutlicher Verzögerung zu leisten, je nachdem wann der Steuerbescheid erstellt wurde, ein oder zwei Jahre später. Für solche Nachzahlungen sollten Versicherte Rücklagen bilden, um finanzielle Engpässe zu vermeiden. Versicherte können ihrer Kasse aber auch Umsatzeinbrüche oder unerwartete Gewinne im Laufe des Jahres melden und eine Beitragsanpassung beantragen. So können sie Nachzahlungen vermeiden.

Rentner in der freiwilligen Krankenversicherung

Auch Rentner können freiwillig in der GKV versichert sein. Sie sind es automatisch, wenn sie die Vorversicherungszeit nicht erfüllen. Nur wer in der zweiten Hälfte seines Erwerbslebens zu 90 Prozent gesetzlich versichert war, kann in die „Krankenversicherung der Rentner“ innerhalb der GKV gelangen. Wer diese Zeiten nicht erfüllt, gilt als freiwillig versichert. Das wirkt sich auf die Beitragskalkulation aus: Zu den Einkünften zählen dann die gesetzliche Rente und eventuelle andere Renten wie auch Einkünfte aus selbstständiger Arbeit. Es zählen aber auch Einnahmen aus Kapitalerträgen dazu sowie aus Mieten und Einkünfte aus der privaten Rentenversicherung.

Checkliste: Beste Krankenkasse finden und wechseln

Leistungen vergleichen

Auch wenn der Leistungskatalog der gesetzlichen Kassen zu großen Teilen gesetzlich vorgeschrieben und damit identisch ist − natürlich gibt es Unterschiede. Und das nicht nur beim Zusatzbeitrag bzw. bei dessen Höhe, sondern auch bei Extraleistungen in verschiedenen Bereichen. Nutzen Sie unseren Krankenkassen-Vergleich, um die Kasse zu finden, die die besten Leistungen für Ihre Gesundheitsvorsorge anbietet.

Service und Erreichbarkeit berücksichtigen

Die Frage nach der „richtigen“ gesetzlichen Krankenversicherung ist nicht immer nur eine Frage von Leistungen und (Zusatz-) Beitrag. Gerade chronisch Kranke sollten Wert legen auf eine gute Erreichbarkeit der Geschäftsstelle vor Ort für die Beratung in Leistungsfragen.

Einsparpotenzial nutzen

Die gesetzlichen Krankenversicherungen erheben einen einheitlichen Grundbeitragssatz − darüber hinaus unterscheiden sich die Modelle deutlich. Selbstbeteiligungen und Prämienmodelle können ebenso wie ein geringerer Zusatzbeitrag die Kosten deutlich senken. In unserem Vergleichsrechner finden Sie die entsprechenden Informationen.

Neue Krankenversicherung beantragen

Sie haben Ihre neue Krankenkasse gefunden? Herzlichen Glückwunsch! Laden Sie sich aus dem Vergleich die Unterlagen für den Antrag herunter − dabei finden Sie auch gleich einen Vordruck, mit dem Sie die bisherige Kasse kündigen können. Für die schriftliche Kündigung können Sie unsere formlose Vorlage für das Kündigungsschreiben mit der Angabe Ihrer Versichertennummer, dem Kündigungsdatum und eigenhändiger Unterschrift versehen. Mit der Kündigungsbestätigung reichen Sie dann den Antrag für die neue Kasse bei uns ein.

Um alles Weitere kümmern wir uns!

Beginn der Mitgliedschaft

Innerhalb von zwei bis spätestens vier Wochen nach Eingang des Antrages sollte Ihre neue Kasse Ihnen die Mitgliedschaft bestätigt haben − Ihre neue elektronische Gesundheitskarte erhalten Sie dann zeitnah vor dem Versicherungsbeginn. Übrigens: Jede verordnete und von der alten Kasse bewilligte ärztliche oder therapeutische Behandlung (auch Kuren oder Reha) muss die neue Kasse ohne Überprüfung weiter bezahlen. Nur wenn Behandlungen erst nach dem Ende der Kündigungsfrist beginnen, muss die Bewilligung noch einmal beantragt werden.

Krankenversicherung wechseln: So geht's!

Wir unterstützen Sie!

Sie brauchen Hilfe? Bei der Wahl der „richtigen“ neuen Krankenkasse? Beim Wechsel der Krankenkasse? Bei den Formalitäten? Sie haben Probleme mit der neuen oder alten Krankenversicherung? Melden Sie sich bei uns − wir unterstützen Sie! Rufen Sie kostenlos unter 0800 527 1000 an, oder mailen Sie an service@biallo.de!

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