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Gesetzliche Krankenversicherung: So sind Familien gut versichert

Ab Tag eins ihres Lebens benötigen Kinder eine Krankenversicherung. Ob sie gesetzlich oder privat versichert sind, entscheidet der Versicherungsstatus der Eltern. Kommt die gesetzliche Krankenversicherung (GKV) in Frage, lohnt es sich, einen Blick auf die Leistungen zu werfen. Oft wissen die Eltern gar nicht, dass sie etwa Anspruch auf Kinderkrankengeld haben oder auf eine Haushaltshilfe. Neben diesen Standardleistungen, die bei allen Kassen gleich sind, können die Kassen auch individuelle Zusatzleistungen anbieten.

Manche Kassen bieten zum Beispiel eine 24-Stunden-Kinderarzthotline an, zusätzliche Vorsorgeuntersuchungen oder bezahlen alternative Heilmethoden. Erfahren Sie hier, was die Familienversicherung in der gesetzlichen Krankenversicherung leistet, welche Zusatzleistungen der Kassen speziell für Familien mit Kindern ab einem Jahr interessant sind und wie Sie eine familienfreundliche Krankenkasse finden.

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So funktioniert die Familienversicherung in der GKV

Wer kann in die Familienversicherung?

Familienversicherung heißt, dass nur der Hauptverdiener in der Familie einen Krankenkassenbeitrag in der gesetzlichen Krankenversicherung (GKV) bezahlt und Ehepartner und Kinder kostenfrei mitversichert sind. Diese Regelung gilt für leibliche Kinder, aber auch für Adoptiv-, Stief- und Enkelkinder, soweit sie überwiegend vom versicherten Mitglied versorgt werden, und auch für Pflegekinder. Voraussetzung für die Familienversicherung ist, dass der mitversicherte Ehepartner nicht mehr als 445 Euro im Monat (2019) verdient. Übt er einen Mini-Job aus, gilt eine Grenze von 450 Euro. Zudem darf der mitversicherte Ehepartner nicht hauptberuflich selbstständig tätig, nicht bei einer anderen gesetzlichen Krankenversicherung versichert oder aber von der Versicherungspflicht befreit sein. Diese Regelungen gelten auch für eingetragene Lebenspartnerschaften, jedoch nicht für unverheiratete Paare. Die Familienversicherung erfolgt bei der Krankenkasse des Ehepartners, der das höhere Einkommen verdient. Der Zusatzbeitrag der Krankenkasse muss nur einmal bezahlt werden.

Krankenversicherung für Neugeborene

Sind beide Eltern Mitglied in der gesetzlichen Krankenversicherung, sind auch die Kinder in der Regel gesetzlich versichert. Theoretisch können die Eltern auch eine private Krankenversicherung für ihr Kind wählen. Ist ein Elternteil privat krankenversichert, kann das Kind beim anderen Elternteil nur dann in der GKV mitversichert werden, wenn dieser auch mehr verdient: Das Einkommen des privat versicherten Elternteils muss unterhalb der Versicherungspflichtgrenze (2019: 60.750 Euro Einkommen im Jahr) liegen, und das Einkommen muss zudem niedriger sein als das des gesetzlich versicherten Ehepartners. Ansonsten könnte das Kind im Rahmen der freiwilligen Krankenversicherung in der GKV versichert werden. Das kostet aber meist mehr als in der privaten Krankenversicherung. Bei unverheirateten Paaren oder Alleinerziehenden steht den Eltern ein Wahlrecht zu, wo das Kind familienversichert sein soll.

Eltern müssen ihr Neugeborenes ausdrücklich bei der Krankenkasse anmelden. Dafür erhalten sie bei der Registrierung des Kindes beim Standesamt eine gesonderte Bescheinigung. Keine Sorge, das Kind ist ab der Minute seiner Geburt trotzdem gut abgesichert: Erste Untersuchungen am Neugeborenen gehören noch zur Entbindung und sind über die Krankenversicherung der Mutter abgedeckt.

Vorteile der Familienversicherung

Die Familienversicherung ist das große Plus der gesetzlichen Krankenversicherung. Alle Familienmitglieder erhalten volle Leistungen – mit Ausnahme des Krankengeldes –, bezahlt wird aber nur ein Beitrag. Alle Familienmitglieder sind vollberechtigte Versicherte und haben ihre eigene Versicherungskarte. Sie benötigen keine Zustimmung des hauptversicherten Elternteils, um eine ärztliche Behandlung in Anspruch zu nehmen.

Wie lange gilt die Familienversicherung?

Die Familienversicherung gilt nicht ewig. Wenn die Kinder ein bestimmtes Alter erreicht haben oder in einem Arbeitsverhältnis stehen, müssen sie sich selbst versichern. Azubis müssen sich mit Beginn der Lehre selbst versichern. Studenten sind bis zum vollendeten 25. Lebensjahr in der Familienversicherung geschützt. Danach müssen sie sich selbst versichern. Solange sie noch studieren, ist das mit einem Monatsbeitrag um die 75 Euro vergleichsweise günstig.

Tipp: Während eines Freiwilligen Sozialen oder Ökologischen Jahres (FSJ oder FÖJ), eines Bundesfreiwilligendienstes (BFD), eines freiwilligen Wehrdienstes oder der Arbeit als Entwicklungshelfer bleiben die Kinder in der gesetzlichen Krankenkasse versichert. Die Familienversicherung kann bis zum 23. Lebensjahr fortgeführt werden, wenn das Kind nicht erwerbstätig ist (zum Beispiel wegen Schulbesuch). Ansonsten endet die Familienversicherung mit dem 18. Lebensjahr. Für Kinder mit Behinderung gelten diese Altersgrenzen nicht.

Standardleistungen der Kassen

Was leisten die Kassen für die medizinische Versorgung der Kinder? Viele Eltern wissen gar nicht, was die Kassen alles bezahlen. Hier eine Auswahl wichtiger Standardleistungen für Kinder, deren Kosten alle Kassen gleichermaßen übernehmen.

Entwickelt sich das Kind so, wie es sein sollte? Um das sicherzustellen, gibt es die turnusmäßigen Vorsorgeuntersuchungen ab dem ersten Lebenstag bis zum sechsten Lebensjahr. Sie finden in den ersten Lebensjahren in enger Abfolge statt, dann werden die Abstände zwischen den Untersuchungen immer größer. Die Kassen übernehmen die Kosten für U1 bis U9. Die Untersuchungsergebnisse werden in einem gelben Vorsorgeheft, das alle Eltern ausgehändigt bekommen, festgehalten. Die U1 wird direkt nach der Geburt des Kindes vorgenommen, meist noch im Krankenhaus. Bei den Untersuchungen werden das Wachstum sowie die geistige und körperliche Entwicklung begutachtet. Wird eine Entwicklungsstörung sichtbar, kann der Arzt rasch reagieren und das Kind entsprechend behandeln und fördern. Im Jugendalter folgt eine weitere Vorsorgeuntersuchung: die J1 im Alter zwischen zwölf und 14 Jahren.

Für verschreibungspflichtige Medikamente – also jene, die der Arzt verordnet – fällt in der Apotheke keine Zuzahlung an. Diese Regelung gilt bis zum vollendeten 18. Lebensjahr. Auch nichtverschreibungspflichtige, aber apothekenpflichtige Medikamente bezahlt die Kasse in der Regel – dann gilt allerdings eine Altersgrenze von zwölf Jahren. Diese Altersgrenze gilt jedoch für Jugendliche mit Entwicklungsstörungen nicht.

Die Krankenkassen bezahlen alle von der Ständigen Impfkommission (STIKO) beim Robert Koch-Institut (RKI) empfohlenen Schutzimpfungen. Dazu gehören Impfungen gegen Diphtherie, Tetanus, Pertussis (Keuchhusten), Haemophilus influenzae Typ B, Poliomyelitis (Kinderlähmung), Hepatitis B, Meningokokken, Masern, Röteln, Mumps, HPV (Schutz vor Gebärmutterhalskrebs bei Mädchen) für Kinder zwischen 9 und 14 Jahren – bis 18 Jahre gilt ein kostenloser Impfschutz gegen Pneumokokken und Varizellen (Windpocken).

Die Kassen kommen für eine kieferorthopädische Behandlung auf, sprich: die Zahnspange. Erstattet werden Kosten für medizinisch notwendige Behandlungen: Ist das Kauen, Beißen, Sprechen und Atmen erheblich durch eine Zahnfehlstellung beeinträchtigt oder könnte die Fehlstellung in Zukunft Probleme machen, übernimmt die Kasse 80 Prozent der Kosten der Zahnkorrektur für Kinder und Jugendliche bis zum 18. Lebensjahr. Einen Eigenanteil von 20 Prozent müssen die Eltern zunächst vorstrecken. Wurde die Behandlung erfolgreich abgeschlossen, erstattet die Kasse den Eigenanteil wieder zurück. Sind mehrere Kinder einer Familie zeitgleich in Behandlung, beträgt die Kostenübernahme der Kassen 90 Prozent. Wird die Zahnkorrektur jedoch vorzeitig abgebrochen oder ist sie erfolglos, etwa weil der Patient die Spange nicht regelmäßig trägt, kann die Kasse die Erstattung verweigern.

Auch Milchzähne bedürfen der Pflege, und so steht schon im Kinderalter der erste Zahnarztbesuch an. Zwei Kontrolluntersuchungen pro Jahr beim Zahnarzt werden für Kinder ab dem sechsten bis zum vollendeten 17. Lebensjahr bezahlt – jedes Halbjahr eine. Bei den Untersuchungen prüft der Zahnarzt unter anderem die Zähne auf Karies, das Zahnfleisch auf Erkrankungen, er kontrolliert die Mundhygiene, erstellt einen Zahnindex und unterweist den kleinen Patienten in der Mundhygiene. Falls nötig, werden die Zähne mit Fluorid behandelt, um den Zahnschmelz zu härten. Wachsen schon bleibende Zähne nach, übernimmt die Kasse auch die Kosten für die Versiegelung der kariesfreien hinteren bleibenden Backenzähne (Backenzähne sechs und sieben) zum Schutz vor Karies. Zusätzlich wird einmal im Jahr die Entfernung harter Zahnbeläge bezahlt.

Ist ein Loch im Zahn zu füllen, kommt die Kasse bei Kindern bis 15 Jahren im Front- und Seitenzahnbereich für eine Kunststofffüllung auf. Müssen Milchzähne gezogen werden, um Platz für die nachkommenden Zähne zu schaffen, übernimmt auch dafür die Kasse die Kosten, wie auch für eventuell notwendige Platzhalter, die eingefügt werden müssen, wenn der neue Zahn noch nicht gleich nachwächst. Auch bei Kindern kann schon Zahnersatz erforderlich werden. Es gelten hier dieselben Erstattungsmodalitäten wie bei Erwachsenen: Die Kassen bezahlen einen Festzuschuss, der in etwa die Hälfte der Kosten der Regelversorgung (= einfache Standardversorgung) deckt. Auch für Kinder lohnt es sich deshalb, von Anfang an ein Bonusheft zu führen: Pro Zahnarztbesuch zur Vorsorge (zweimal jährlich) gibt es einen Stempel. Wer über fünf Jahre lang lückenlose Vorsorgebesuche nachweisen kann, erhält 20 Prozent mehr Kassenzuschuss, wer zehn Jahre nachweisen kann, erhält 30 Prozent.

Anders als Erwachsene haben Kinder einen Anspruch auf eine Brille in der gesetzlichen Krankenversicherung. Bis zum 14. Lebensjahr trägt die Kasse die Kosten für die Brille. Ab dem 14. Lebensjahr erneuert sich der Anspruch nur dann, wenn sich die Sehstärke um mehr als 0,5 Dioptrien verändert. In besonderen Fällen bezahlen die Kassen auch Kunststoffgläser, etwa wenn das Kind im Vorschulalter ist oder wenn die Sehfähigkeit um mehr als fünf Dioptrien beeinträchtigt ist. Auch für ältere Kinder kann der Arzt Kunststoffgläser für den Schulsport verordnen.

Müssen Eltern ihr krankes Kind betreuen und können deshalb nicht arbeiten gehen, erhalten sie für bis zu zehn Arbeitstage pro Jahr sogenanntes Kinderkrankengeld. Bei Alleinerziehenden erhöht sich der Anspruch. Voraussetzung ist, dass das Kind unter zwölf Jahre alt ist. Das Krankengeld beträgt 90 Prozent des angefallenen Netto-Arbeitsentgelts.

Wichtige Zusatzleistungen der Kassen für Familien

Grundsätzlich gewähren alle Kassen dieselben Leistungen bei der medizinischen Versorgung. Die ambulante und die stationäre Behandlung wie auch die Behandlung durch Therapeuten – wie Physiotherapeuten, Logopäden oder Psychotherapeuten – ist immer sichergestellt. Darüber hinaus können die Kassen Zusatzleistungen anbieten – als freiwilliges Leistungsplus. Jede Kasse hat ihr eigenes Angebotsspektrum zusammengestellt. Bietet eine Kasse ein interessanteres Leitungsangebot als eine andere, kann das ein Grund für einen Kassenwechsel sein. Viele Kassen bieten gerade für Familien erweiterte Leistungen an, die unter dem Strich eine umfangreichere medizinische Versorgung ermöglichen, aber auch Kosten sparen. Im Folgenden erhalten Sie eine Übersicht über einige interessante Zusatzleistungen für Familien:

Vorsorge

Zwischen der letzten Vorsorgeuntersuchung U9, die im Alter von etwa fünf Jahren stattfindet, und der ersten Jugenduntersuchung J1, die zwischen zwölf und 14 Jahren ansteht, liegt ein langer Zeitraum. Einige Kassen bieten deshalb die zusätzlichen Vorsorgeuntersuchungen U10 und U11 an, später kommt noch die J2 für 16 bis 17-Jährige hinzu. Auch bei Impfungen gibt es zum Teil Extraleistungen. So hat die Techniker etwa die Altersgrenze für die HPV-Impfung auf 26 Jahre angehoben. Auch in puncto Zahnbehandlungen zahlen manche Kassen mehr, etwa eine umfangreichere Fissurenversiegelung, die vor Karies schützt, oder sie bezuschussen eine Lachgas-Sedierung (eine Art Vollnarkose) bei der Entfernung der Weisheitszähne (zum Beispiel AOK Hessen).

Alternative Heilmethoden

Gerade Familien setzen gerne auf die sogenannte sanfte Medizin und bevorzugen alternative Heilmethoden. Viele Kassen erstatten inzwischen in unterschiedlichem Umfang Behandlungen – zum Beispiel aus den Bereichen Osteopathie, Homöopathie, Shiatsu, Traditionelle Chinesische Medizin, Kinesiologie, Chiropraktik und Anthroposophische Medizin. Auflage ist in den meisten Fällen, dass die Behandlung von einem Arzt (Vertragsarzt) mit entsprechender Zusatzausbildung ausgeführt wird. Ein Besuch beim Heilpraktiker wird größtenteils nicht erstattet. Zusätzlich erstatten viele Kassen in bestimmtem Umfang auch Naturarzneimittel der Homöopathie, Anthroposophie und Phytotherapie in bestimmtem Umfang.

Serviceleistungen

So manche Serviceleistung einer Kasse kann gerade für Familien interessant sein. Einige bieten eine medizinische Hotline an, bei der Kinderärzte rund um die Uhr Fragen zu akuten Beschwerden, zu Arzneimitteln oder Therapien beantworten (zum Beispiel Techniker, DAK, Barmer, HEK, AOKs).

Rooming-in

Müssen Kinder stationär im Krankenhaus aufgenommen werden, wollen Vater und Mutter natürlich als Begleitpersonen dabei sein und bei ihrem Kind übernachten (Rooming-in). Das bezahlen die Kassen aber nur in medizinisch begründeten Fällen. Die Notwendigkeit der Begleitung muss der Kinder- oder Krankenhausarzt bescheinigen. Bei Kindern bis sechs Jahren ist die Aufnahme eines Elternteils meist unproblematisch. Einige Kassen gewähren diese Leistung auch ohne Arztbescheinigung (manche übernehmen nur einen Teil der Kosten), meist gilt aber eine Altersbeschränkung auf acht oder zehn Jahre (zum Beispiel bei der AOK Plus, der BKK Wirtschaft & Finanzen, der IKK classic) oder gar zwölf Jahre (zum Beispiel bei der Viactiv).

Haushaltshilfe

Ist ein Elternteil schwer krank, muss sich von einer Operation erholen oder muss ins Krankenhaus, und niemand anders im Haushalt kann die Kinder betreuen, dann steht Familien eine Haushaltshilfe zu. Hier leisten die Kassen unterschiedlich: Alle Kassen gewähren die Hilfe für Kinder bis zu zwölf Jahren – bei Kindern mit Behinderung, die hilfebedürftig sind, gilt keine Altersgrenze. Manche Kassen haben die Altersgrenze der Kinder nach oben gesetzt, auf 14 Jahre (zum Beispiel die Techniker, die AOK, die hkk), auf 15 Jahre (Knappschaft) oder gar 16 Jahre (BIG direkt gesund). Manche Kassen gewähren die Hilfe auch für einen längeren Zeitraum, oder sie erstatten einen Verdienstausfall, wenn sich der andere Elternteil für diesen Fall extra Urlaub nehmen muss (zum Beispiel SBK und BIG direkt gesund).

Bonusprogramme

Die meisten Kassen bieten ihren Versicherten die Teilnahme an Bonusprogrammen an. Für gesundheitsbewusstes Verhalten, das Wahrnehmen von Vorsorgeuntersuchungen oder das Absolvieren von Sportabzeichen gibt es Bonuspunkte. Bei einer bestimmten Anzahl von gesammelten Punkten winken Sach- oder Geldprämien. Meist gibt es verschiedene Programme: Für Erwachsene, für Kinder, oder die gesamte Familie sammelt gemeinsam Punkte.

Beispiele: Kinder bis zu 14 Jahren können bei der DAK bis zu 114 Euro Prämie im Jahr erhalten. Die Knappschaft bietet bis zum 18. Geburtstag maximal 500 Euro, wenn lückenlos bestimmte Vorsorgemaßnahmen nachgewiesen werden.

Das klingt verlockend, doch Versicherte sollten wissen: Wer wirklich die Maximalsummen erhalten möchte, muss sich anstrengen, denn es ist zum Teil ganz schön aufwendig, Bonuspunkte zu sammeln. Bonusprogramme sind deshalb ein nettes Extra, aber kein Grund, deshalb zu einer bestimmten Kasse zu wechseln.

Besondere medizinische Versorgungsformen

Disease-Management

Leidet ein Familienmitglied zum Beispiel an einer chronischen Erkrankung, können spezielle Behandlungsprogramme der Kassen interessant sein. Sie gehören nicht zu den klassischen Zusatzleistungen, es sind eher Spezialtarife, die jedoch einen Mehrwert darstellen, den nicht alle Kassen gleichermaßen leisten. So bieten manche Kassen zum Beispiel an, bei chronischen Erkrankungen wie Diabetes oder Asthma, an Disease-Management-Programmen (DMP) teilzunehmen und so von einer speziell koordinierten Versorgung aller Leistungserbringer zu profitieren. Dazu gehört dann auch eine Atemschule oder eine Ernährungsberatung.

Integrierte Versorgung

Zudem bieten die Kassen auch sogenannte integrierte Versorgungsprogramme bei bestimmten Diagnosen an – zum Beispiel bei Adipositas, Diabetes, Asthma oder ADHS. Damit ist eine fachübergreifende Versorgung gemeint, bei der Leistungserbringer – Haus- und Fachärzte, Kliniken, Therapeuten, Apotheker – Hand in Hand zusammenarbeiten. Das Ziel ist, eine nahtlos ineinandergreifende medizinische Versorgung sicherzustellen. Manchmal sind die Angebote hierzu regional beschränkt.

Die richtige Krankenkasse finden

Die eine Krankenkasse, die die besten Leistungen für Familien bietet, gibt es nicht. Jede Kasse bietet andere Leistungen und setzt andere Schwerpunkte. Die Kasse, die die Leistungen bietet, die zu den persönlichen Bedürfnissen passt, ist die richtige! Trotzdem bleibt es eine Herausforderung, die richtige unter mehr als 100 gesetzlichen Krankenkassen zu finden. Versicherte sollten zunächst festlegen, welche Leistungen für sie relevant sind und welche ein angenehmes, aber nicht zwingendes Extra sind. Das erleichtert die Suche, an deren Ende dann ja ein Krankenkassenwechsel stehen soll! Viele Kassen bieten ihre Zusatzleistungen für Familien im Paket an. Unter der Überschrift „Familie“ sind dann gleich mehrere Leistungen verzeichnet. Natürlich können Sie auch unseren Vergleichsrechner nutzen, bei dem sie einige Kriterien in der Suchabfrage nennen können. Bevor Sie sich auf die Suche nach der richtigen Kasse machen, sollten Sie aber einiges wissen:

Zusatzleistungen ohne Garantie

Auf die Zusatzleistungen einer Kasse gibt es keine Garantie. Das Leistungsspektrum kann ständig erweitert, aber auch wieder gekürzt werden. Fragen Sie sicherheitshalber bei der Kasse nach, ob und in welchem Umfang eine bestimmte Zusatzleistung auch noch gewährt wird, und lassen Sie sich die Antwort schriftlich geben.

Leistungen als Programmbestandteil

Manche Zusatzleistungen stehen nur zur Verfügung, wenn der Versicherte an einem bestimmten Programm teilnimmt. Dafür muss man sich dann gesondert registrieren lassen.

Leistungen über das Gesundheitskonto

Manche Kassen gewähren ihren Versicherten Zusatzleistungen im Rahmen eines sogenannten Gesundheitskontos oder Gesundheitsbudgets. Versicherte können dann eine bestimmte Geldsumme im Jahr für ausgewählte Zusatzleistungen ausgeben. Die Höhe solcher Budgets variiert von Kasse zu Kasse. Die DAK gewährt zum Beispiel ein Gesundheitsbudget von 180 Euro im Jahr, die AOK Bayern von 250 Euro, die AOK Baden-Württemberg von 200 Euro im Jahr. Oft ist obendrein die Summe, die Versicherte in eine Maßnahme – etwa Osteopathie – investieren können, zusätzlich gedeckelt.

Zusatzbeitrag

Die Kassen erheben neben dem einheitlichen Beitragssatz von 14,6 Prozent einen kassenindividuellen Zusatzbeitrag, der im Jahr 2019 im Durchschnitt bei 0,9 Prozent vom Bruttoeinkommen liegt. Manche Kassen verlangen deutlich mehr – bei der DAK sind es zum Beispiel 1,5 Prozent –, andere verlangen deutlich weniger – wie die BKK Euregio, die nur 0,35 Prozent verlangt. Den Betrag teilen sich Arbeitgeber und Arbeitnehmer. Bei einem Bruttoeinkommen von 3.500 Euro liegt die Preisdifferenz zwischen DAK und BKK Euregio beim Eigenanteil bei mehr als 240 Euro im Jahr. Das ist natürlich ein extremes Beispiel. Aber trotzdem kann durchaus auch der Preis ein Entscheidungskriterium bei der Kassenwahl sein. Zu berücksichtigen ist, dass manche Kasse zwar einen höheren Zusatzbeitrag verlangt, dafür vielleicht aber deutlich mehr Zusatzleistungen bietet. Das kann den teureren Preis auch aufwiegen.

Große oder kleine Kasse?

Große Kassen leisten nicht zwingend mehr als kleinere Kassen. So ist zum Beispiel die Securvita bekannt dafür, besonders umfangreich für alternative Heilmethoden zu bezahlen, ebenso die HEK. Oft bieten auch regional geöffnete Krankenkassen ein umfangreiches Leistungsspektrum für Familien an. In Vergleichstests werden immer wieder die AOK Plus, die AOK Sachsen-Anhalt und die AOK Baden-Württemberg positiv hervorgehoben. Natürlich sind auch die Marktführer Techniker und DAK gute Familienkassen. Im Einzelfall kann aber auch eine ganz andere Krankenkasse infrage kommen (siehe genannte Kassen unter Punkt 3), weil sie in einem bestimmten Bereich ganz besonders umfangreiche Leistungen anbietet.

Kassenwechsel für besseren Schutz?

Voraussetzung für einen Kassenwechsel ist, dass der Versicherte mindestens 18 Monate Mitglied gewesen sein muss. Dann gilt eine Kündigungsfrist zum Ende des übernächsten Monats: Wer also im Februar kündigt, kann frühestens zum 1. Mai Mitglied bei der neuen Kasse werden. Sind die 18 Monate Mitgliedschaft noch nicht erfüllt, darf man nur wechseln, wenn die Kasse den Beitrag erhöht. In diesem Fall gilt ein Sonderkündigungsrecht. Die Kündigungsbestätigung, die der Versicherte innerhalb von 14 Tagen erhält, muss er samt Mitgliedsantrag bei der neuen Kasse vorlegen.

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