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Krankenkasse wechseln: Geld sparen und Leistungen optimieren

Gesetzliche Krankenversicherungen sind alle gleich? Keineswegs – sie unterscheiden sich im Beitrag, in der Leistung und im Service. Ein Kassenwechsel kann sich lohnen und ist unkompliziert. Die Kfz-Versicherung zu wechseln ist für viele selbstverständlich, die gesetzliche Krankenversicherung bleibt hingegen oft unangetastet. Nicht selten sind Versicherte seit Geburt in derselben Kasse versichert. Dabei kann sich ein Wechsel lohnen – in finanzieller und medizinischer Hinsicht. Das sind Gründe, warum sich ein Kassenwechsel lohnen kann:

  • Beiträge sparen: Die Kassen erheben unterschiedlich hohe Zusatzbeiträge. Die Differenz zwischen einer teuren und einer günstigen Kasse kann je nach Einkommen bei mehreren 100 Euro im Jahr liegen.
  • Bessere Leistung: Die Kassen können über ihre freiwilligen Zusatzleistungen eine umfangreichere medizinische Versorgung gewähren.
  • Service: Eine Kasse mit gutem Service zahlt sich im Krankheitsfall aus, etwa wenn eine Facharztvermittlung oder eine medizinische Hotline rund um die Uhr angeboten wird.

Kasse wechseln: Mehr Leistungen – günstigerer Beitrag

Ein günstiger Zusatzbeitrag spart Geld

Wer im Bekanntenkreis fragt, was es mit dem Zusatzbeitrag der Krankenkassen auf sich hat und wie hoch dieser Krankenkassenbeitrag ist, wird selten eine eindeutige Antwort erhalten. Dabei beeinflusst der Zusatzbeitrag ganz erheblich den Gesamtbeitrag, den ein Versicherter jeden Monat an seine Kasse bezahlt. Grundsätzlich zahlen alle Mitglieder der gesetzlichen Krankenversicherung einen einheitlichen Krankenkassenbeitrag von 14,6 Prozent auf ihr Bruttoeinkommen. Diesen Betrag teilen sich Arbeitnehmer und Arbeitgeber zu je 7,3 Prozent.

Seit 2015 können Kassen zusätzlich einen einkommensabhängigen Zusatzbeitrag erheben. Auch daran beteiligt sich der Arbeitgeber zur Hälfte. Wie hoch der Zusatzbeitrag ausfällt, kann jede Kasse selbst festlegen. Im Durchschnitt liegt er im Jahr 2019 bei 0,9 Prozent vom Bruttoeinkommen. Manche Kassen verlangen mehr, andere weniger. Ein Rechenbeispiel zeigt, wie massiv sich der Zusatzbeitrag auf den Gesamtbeitrag auswirken kann.

So wird gerechnet

Bei einem Einkommen von 3.000 Euro im Monat fallen bei einem Zusatzbeitrag von 1,5 Prozent, wie ihn die DAK erhebt, 45 Euro zusätzlich im Monat an, 540 Euro im Jahr. Die Hälfte, 270 Euro, zahlt der Arbeitgeber. Die andere Hälfte zahlt der Arbeitnehmer. Bei der hkk, der derzeit günstigsten bundesweit geöffneten Kasse, die nur 0,39 Prozent Zusatzbeitrag erhebt, zahlt der Versicherte nur einen Eigenanteil von 70,20 Euro im Jahr. Das sind fast 200 Euro weniger!

Es lohnt sich also, den Zusatzbeitrag der eigenen Krankenkasse zu prüfen und gegebenenfalls zu einer günstigeren Kasse zu wechseln. Den Zusatzbeitrag sollte man dann auch künftig im Blick behalten. Die Kassen passen ihn oft einmal im Jahr an, meist zum Jahreswechsel.

Die Zusatzleistungen machen den Unterschied

Neben der Geldersparnis kann es auch ein Plus an Leistung den Grund für einen Kassenwechsel darstellen. Im Idealfall lässt sich beides kombinieren: ein günstiger Zusatzbeitrag und umfassende Zusatzleistungen. Ein Großteil der Kassenleistungen ist gesetzlich vorgeschrieben und damit bei allen Kassen gleich.

Doch etwas Spielraum verbleibt den gesetzlichen Krankenversicherungen: Sie können freiwillige Zusatzleistungen anbieten. Zusatzleistungen gibt es in verschiedensten Bereichen. Manche sparen dem Versicherten bares Geld, andere ermöglichen eine umfangreichere medizinische Versorgung. Versicherte können sich gezielt eine Krankenkasse aussuchen, die am besten zur familiären Situation und zum Gesundheitszustand passt.

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Vorsorge

Manche Kassen gewähren zusätzliche Vorsorgeuntersuchungen – etwa für Kinder und Jugendliche oder auch Schwangere (zum Beispiel Barmer, DAK) – oder sie übernehmen die Kosten für ein Hautkrebsscreening schon zu einem früheren Zeitpunkt als im gesetzlichen Leistungskatalog vorgesehen ist (zum Beispiel Techniker).

Alternative Heilmethoden

Einige Kassen erstatten anteilig die Kosten für Besuche beim Osteopathen oder Homöopathen. Auch Naturarzneimittel werden oft in bestimmtem Umfang übernommen (zum Beispiel Techniker, Securvita, HEK).

Zahnarzt

Es spart bares Geld, wenn die Kassen den teuren Zahnersatz umfangreicher bezuschussen als üblich oder sich an den Kosten einer professionellen Zahnreinigung beteiligen (zum Beispiel DAK).

Haushaltshilfen

Im Krankheitsfall steht dem Versicherten unter bestimmten Voraussetzungen eine Haushaltshilfe zu. Einige Kassen gewähren hier Mehrleistungen, indem sie die Hilfe für einen längeren Zeitraum als üblich gewähren oder indem sie die Altersgrenze der im Haushalt lebenden Kinder anheben oder einen Verdienstausfall auffangen, wenn sich ein Elternteil unbezahlten Urlaub nehmen muss, um die Kinder zu versorgen (zum Beispiel Techniker, AOK, hkk, Knappschaft, BIG direkt gesund).

Gesundheitskurse

Die meisten Kassen unterstützen gesundheitsbewusstes Verhalten ihrer Versicherten: Wer Kurse in den Bereichen Bewegung (zum Beispiel Aqua Aerobic, Nordic Walking), Ernährung (zum Beispiel Koch- und Diätkurse) und Entspannung (zum Beispiel Yoga, Autogenes Training) besucht, erhält bei vielen Kassen einen Zuschuss zur Kursgebühr.

Zweitmeinung

Eine zweite Arztmeinung darf der Patient immer einholen. Manche Kassen bieten aber bei bestimmten Erkrankungen oder vor einer OP an, einen weiteren Experten zu vermitteln, leiten die Unterlagen weiter und helfen so, eine rasche, weitere Einschätzung zu erhalten (zum Beispiel Techniker, Barmer).

Rezeptfreie Medikamente

Apothekenbesuche kosten Geld. Einige Kassen erstatten ihren Versicherten anteilig Ausgaben für rezeptfreie Medikamente – dazu gehören auch Naturarzneimittel – sofern der Arzt sie verordnet (grünes Rezept). Die Regelung gilt oft für Kinder bis 17 Jahre oder auch für Schwangere (zum Beispiel DAK, AOK Bayern, AOK Baden-Württemberg, BKK MTU).

Besondere Versorgungsprogramme

Die meisten Kassen bieten bei bestimmten Beschwerden – wie Migräne, Asthma, Depressionen, Essstörungen, Rückenbeschwerden, Brustkrebs etc. – oft spezielle Versorgungsprogramme an, zum Beispiel eine nahtlos ineinandergreifende Behandlung aller Leistungserbringer vom Haus- und Facharzt über Kliniken und Therapeuten bis hin zum Apotheker. Das sind keine klassischen Zusatzleistungen, eher Spezialtarife. Sie sichern aber ein Plus an medizinischer Versorgung, jede Kasse setzt hier eigene Schwerpunkte.

Reiseimpfungen

Wer privat viel auf Reisen geht und besonderen Impfschutz benötigt, kann viel Geld sparen, wenn eine Kasse Reiseimpfungen begleicht – wie gegen Cholera, Diphterie, Gelbfieber oder Typhus (zum Beispiel Techniker, Barmer, DAK, AOK-Baden-Württemberg).

Bonusprogramme

So gut wie alle Kassen bieten Programme an, bei denen Versicherte Bonuspunkte sammeln können, wenn sie sich gesundheitsbewusst verhalten: Punkte gibt es für die Teilnahme an Vorsorgeuntersuchungen, für sportliche Aktivität, den Erwerb von Sportabzeichen, für das Nichtrauchen oder Abnehmen. Belohnungen winken in Form von Sach- oder Geldprämien.

So funktioniert der Kassenwechsel

Ein Kassenwechsel ist einfach und unkompliziert. So geht es Schritt für Schritt:

  • Voraussetzung: Versicherte können die Krankenkasse wechseln, vorausgesetzt sie waren mindestens 18 Monate lang Mitglied.
  • Sonderkündigungsrecht: Wer noch keine 18 Monate Mitgliedschaft bei seiner Krankenkasse vorweisen kann, darf trotzdem wechseln, sobald die Kasse den Zusatzbeitrag erhöht. Dann gilt nämlich ein Sonderkündigungsrecht. Die Erhöhung des Zusatzbeitrags muss die Kasse nur einen Monat vorher ankündigen. Bis der Beitrag zum ersten Mal fällig wird, kann der Versicherte kündigen. Es greift dann trotzdem die übliche zweimonatige Kündigungsfrist (siehe nächster Punkt). Der Zusatzbeitrag ist bei der alten Kasse so lange zu zahlen, bis die Kündigung greift.
  • Frist: Es gilt eine Kündigungsfrist von zwei Monaten zum Monatsende. Beispiel: Wer am 8. Februar kündigt, kann zum 30. April aus der Kasse austreten und ist ab dem 1. Mai bei der neuen Kasse versichert.
  • Kündigung: Der Versicherte muss seiner bisherigen Krankenkasse eine schriftliche Kündigung der Mitgliedschaft schicken, am besten per Einschreiben oder Fax (Sendebericht aufheben!). Manche Kassen bieten ein Musteranschreiben auf ihrer Website an, oder man formuliert selbst: Adresse, Versichertennummer und Geburtsdatum sind zu nennen sowie Datum und Unterschrift.
  • Bestätigung: Innerhalb von 14 Tagen erhält der Versicherte eine Bestätigung, dass die Kündigung eingegangen ist. Diese legt er der neuen Krankenkasse vor, samt Mitgliedsantrag.
  • Mitgliedsbestätigung: Von der neuen Kasse erhält der Versicherte eine Mitgliedsbestätigung, die er seinem Arbeitgeber vorlegt. Freiwillig Versicherte legen das Schreiben ihrer bisherigen Krankenkasse vor, damit die Kündigung wirksam ist.

Übrigens: Niemand muss Angst haben, nicht versichert zu sein: Trotz Kündigung bleibt man so lange versichert, bis die Mitgliedschaft bei der neuen Kasse greift. Und sollte es dort irgendein Problem bei der Annahme geben, bleibt man automatisch bei der alten Kasse versichert.

Krankenversicherung wechseln: So geht's!

Das ist zu beachten

Es gibt ein paar Hürden, die beim Kassenwechsel zu beachten sind. Wer etwa bei seiner bestehenden Krankenversicherung einen Wahltarif abgeschlossen hat, ist oft ein Jahr lang oder sogar drei Jahre lang gebunden und kann in dieser Zeit nicht die Kasse wechseln. Das Sonderkündigungsrecht bleibt jedoch bestehen, sollte die Kasse die Beiträge erhöhen. Ausgenommen sind aber Krankengeldtarife für Selbstständige, hier gilt immer die Bindungsfrist von drei Jahren. Auch während einer laufenden Behandlung – beispielweise eine kieferorthopädischen Behandlung oder einer Psychotherapie – ist ein Kassenwechsel möglich. Die Leistungserbringer rechnen dann einfach mit der neuen Kasse ab. Versicherte sollten während einer laufenden Behandlung den Arzt rechtzeitig informieren und schnellstmöglich die neue Versichertenkarte vorlegen.

Es lohnt sich aber, bei einer laufenden Behandlung bei der neuen Kasse nachzufragen, ob die Kosten tatsächlich problemlos übernommen werden. Grundsätzlich hat die neue Kasse die Möglichkeit, eine von der vorherigen Krankenkasse getroffene Entscheidung zu überprüfen und eine davon abweichende Entscheidung zu treffen. In der Praxis geschieht dies jedoch kaum, Leistungsentscheidungen werden meist anerkannt. Übernimmt die neue Kassen die Kosten, sollte man sich das schriftlich bestätigen lassen. Manchmal wissen Versicherte gar nicht, dass eine gerne in Anspruch genommene Leistung ihrer Krankenkasse eine Zusatzleistung ist. Bei einem Wechsel fällt diese natürlich weg, sofern die neue Krankenkasse diese nicht anbietet. Wer eine Leistung besonders schätzt, sollte bei seiner Kasse erfragen, ob es eine Standard- oder eine freiwillige Zusatzleistung ist.

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