Sie befinden sich hier:

Osteoporose: Diagnose, Behandlung und Vorsorge

Bei der Osteoporose (umgangssprachlich auch Knochenschwund genannt) handelt es sich um eine chronische Erkrankung der Knochen, bei der eine Störung des Verhältnisses zwischen Knochenaufbau und Knochenabbau besteht. Dadurch kommt es zu immer weiterem Knochenabbau, und zwar im gesamten Skelett, da nicht nur einzelne Knochen betroffen sind. Mit anderen Worten: Die gesamte „Architektur“ der Knochen wird sukzessive immer schwächer. Bis die Krankheit bemerkt wird, kann es länger dauern, weil sie schleichend verläuft und oft erst zu Tage tritt, wenn selbst bei kleineren Verletzungen und Unfällen sofort Knochen brechen.

Wer erkrankt an Osteoporose?

Osteoporose wurde lange als eine Krankheit betrachtet, die ausschließlich ältere Frauen betrifft, doch das trifft nicht zu, denn ein Viertel der Osteoporose-Patienten sind Männer. Dennoch ist es richtig, dass Osteoporose vor allem bei Frauen über 50 Jahren auftritt, wie die folgenden Zahlen veranschaulichen: Im Alter über 50 kommt es bei 50 Prozent der Frauen zu einem Knochenbruch durch Osteoporose, bei den Frauen zwischen 50 und 60 leiden etwa 15 Prozent an der Krankheit, bei den über 70-Jährigen sind es fast die Hälfte.

Außerdem tritt der Knochenschwund bei Männern im Durchschnitt erst mit einer Verzögerung von ca. zehn Jahren auf, sie werden also deutlich später krank. Eine Ursache dafür, dass ältere Frauen die Hauptrisikogruppe für eine Erkrankung an Osteoporose darstellen, ist ihr im Allgemeinen „feiner“ gebautes Skelett. Vor allem aber kommt es in der Folge der Wechseljahre bei Frauen zu einem Mangel an dem Geschlechtshormon Östrogen, das die Knochen stärkt und schützt.

Ursachen der Osteoporose

Eine Osteoporose entwickelt sich, wenn zu viel Knochensubstanz und -struktur abgebaut wird, wenn also ein Gleichgewicht zwischen Aufbau und Abbau immer weiter verloren geht. Knochenaufbau und Knochenabbau finden an den Knochen parallel ständig statt, denn der Knochen muss nicht nur wachsen, sondern sich auch an die besonderen, individuell unterschiedlichen Belastungen und Beanspruchungen möglichst ideal anpassen. Dazu ist auch Knochenabbau − zum Beispiel von schadhaften Bestandteilen − nötig.

Für den Aufbau und den Abbau sind zwei unterschiedliche Zelltypen im Knochen zuständig: Die Osteoblasten besorgen den Aufbau, und die Osteoklasten regulieren den Abbau. Während in der Jugend der Knochenaufbau überwiegt, kommt es im Alter zu einem verstärkten Abbau, der schon ab dem 30. Lebensjahr einsetzt und ca. ein Prozent der Knochenmasse jährlich beträgt. Dieser allmähliche Verlust ist ein normaler Alterungsprozess.

Knochen in verschiedenen Stadien der Osteoporose

Der Prozess kann jedoch durch verschiedene Faktoren verstärkt und beschleunigt werden. Dabei spielen genetische Faktoren eine Rolle und vor allem bei Frauen auch hormonelle: Nach den Wechseljahren produziert der weibliche Körper weniger Östrogen, das die Knochen stärkt und schützt, indem es über Zwischenprozesse die Arbeit der Osteoklasten, also der abbauenden Knochenzellen behindert und eindämmt. Infolgedessen steigt die Aktivität der Osteoklasten, und damit beschleunigt sich der Vorgang des Knochenabbaus. Neben den genetischen und hormonellen Ursachen beeinflusst auch die persönliche Lebensweise das Osteoporoserisiko: Bewegungsmangel, Alkohol und Rauchen fördern beispielsweise eine Erkrankung.

Primäre und sekundäre Osteoporose

Die oben genannten Ursachen lösen eine primäre Osteoporose aus, Osteoporose kann sich aber auch als Folgeerkrankung anderer Leiden einstellen, zum Beispiel als Folge einer Nieren-, Leber-, Darm-, Stoffwechsel- oder Hormonkrankheit. Auch die Einnahme mancher Medikamente kann einen Knochenschwund bewirken. In diesen Fällen spricht man von einer sekundären Osteoporose.

Symptome

Osteoporose ist eine schleichende Krankheit, die oft erst sehr spät entdeckt wird, man bezeichnet sie deshalb auch oft als „stiller Dieb am Knochen“. Es ist daher ratsam, genau auf seinen Körper zu achten und auch schon bei ersten, noch schwachen Symptomen einmal eine Arztpraxis aufzusuchen, denn je früher die Osteoporose erkannt wird, desto besser lässt sie sich behandeln. Auf folgende Symptome sollte man achten:

Schmerzen

Schmerzen, vor allem Rückenschmerzen, können viele Ursachen haben. Insbesondere Rückenschmerzen werden daher oftmals nicht ernst genug genommen, und ihre Ursachen werden infolgedessen nicht gründlich genug erforscht. Rückenschmerzen resultieren aber nicht selten aus einer Osteoporose, und wenn man ihnen nicht nachgeht, verstreicht wertvolle Zeit bis zur Diagnose und zum Einsatz einer wirkungsvollen Therapie. Deshalb sollte man Rücken- und auch anderen Knochenschmerzen immer frühzeitig auf den Grund gehen und zum Beispiel auch einmal einen Spezialisten für Osteoporose (Osteologen) aufsuchen.

Knochenbrüche (ohne erkennbaren Anlass)

Ein schwerwiegendes Alarmzeichen für eine Osteoporose ist ein Knochenbruch, der praktisch ohne einen wirklichen Anlass eintritt, also ohne einen heftigen Sturz, ohne starke äußere Kräfteeinwirkung, vielleicht nur beim Heben eines schwereren Gegenstandes. Passiert etwas Vergleichbares, sollten Sie die Umstände des Knochenbruchs beim Arzt oder im Krankenhaus nicht verschweigen, sondern vielmehr ausdrücklich auf sie hinweisen, damit die Osteoporose rasch behandelt werden kann. Das Becken, die Wirbelkörper und die Oberschenkelhalsknochen sind übrigens besonders vom Knochenschwund betroffen.

Verringerung der Körpergröße

Bei einer schweren Osteoporose ist ein Verlust an Körpergröße von bis zu 20 Zentimetern möglich. Der Körper schrumpft dadurch, dass in einem fortgeschrittenen Krankheitsstadium bereits mehrere Wirbelkörper gebrochen sind und sich die Wirbelsäule entsprechend verkürzt hat.

Zahnausfall

Da Osteoporose eine systemische Krankheit des gesamten Knochensystems darstellt, können infolgedessen sämtliche Knochenstrukturen davon betroffen sein, somit also auch …

  • die verknöcherten Wurzelhöhlen der Zähne (Alveolen) und
  • die verknöcherten Wurzelhöhlen des Zahnhalteapparates, der die Zähne an den Kieferknochen bindet.

Risikofaktoren

Die Faktoren, die das Risiko, an Osteoporose zu erkranken, erhöhen, lassen sich in solche unterteilen, die unabänderlich sind und sich nicht beeinflussen lassen, und solche, denen man als Betroffene(r) durchaus entgegenwirken kann. Deshalb ist es äußerst sinnvoll, sich vor allem mit den Letzteren zu beschäftigen, weshalb sie zuerst vorgestellt werden sollen.

Beeinflussbare Risikofaktoren

Rauchen

Die genauen Zusammenhänge sind zwar noch nicht vollständig geklärt, doch das Rauchen erhöht das Osteoporoserisiko um 50 Prozent. Möglicherweise verdoppeln bei Rauchern übermäßig vorkommende Proteine die Wahrscheinlichkeit des Knochenschwunds. Diese Proteine kurbeln die Produktivität der knochenabbauenden Osteoklasten an. Bei Frauen behindert die Nikotinsucht zusätzlich die Produktion des Sexualhormons Östrogen, das die Knochen schützt und stärkt.

Hoher Kaffeekonsum

Ein Konsum von mehr als vier Tassen Kaffee pro Tag steht in dringendem Verdacht, eine Erkrankung an Osteoporose zu befördern.

Alkoholkonsum

Schon ein Viertelliter Wein bzw. ein halbes Bier enthält ungefähr 30 Milligramm reinen Alkohol. Alles, was über diese Menge hinausgeht, wirkt sich negativ auf den Knochenapparat aus.

Bewegungsmangel

Dass wenig Bewegung ganz allgemein dem Körper nicht gut tut, ist eine Binsenweisheit, die im Bereich der Osteoporose doppelt gilt: Besonders immobilie ältere Personen, gehbehinderte und bettlägerige sind hochgradig gefährdet. Bewegung an der frischen Luft, vor allem Ausdauersportarten wie Gehen, Laufen und Wandern, und Muskeltraining, das die Knochenbildung anregt, sind äußerst zuträglich.

Untergewicht

Untergewichtigen fehlen häufig Nährstoffen wie Kalzium, die für den Knochenaufbau wichtig sind, deshalb verfügen sie über eine geringere Knochendichte als Normalgewichtige. Der Body-Maß-Index (BMI), ab dem ein Osteoporoserisiko einsetzt, liegt bei 20 kg/m2. Im Umkehrschluss gilt allerdings nicht, dass Übergewicht ein Erkrankungsrisiko mindert, ganz im Gegenteil fördert Übergewicht eine bestehende Osteoporose und mögliche Knochenbrüche sowie Wirbelsäulenverformungen (Rundrücken), da zu viel Gewicht auf den Knochen lastet.

Medikamente

Die Einnahme mancher Medikamente kann einen verstärkten Knochenabbau als unerwünschte Nebenwirkung auslösen, die folgenden zählen dazu:

  • Blutverdünner
  • Antiepileptika
  • Einige Medikamente, die aufgrund rheumatischer Erkrankungen, Immunkrankheiten, Asthma oder wegen schwerer Allergieverläufe verschrieben werden.
  • Antidepressiva
  • Medikamente gegen Magenübersäuerung
  • Einige Medikamente zur Hormonentzugstherapie bei Prosata- und Brustkrebs (Verdacht)
  • Antibabypille (Verdacht).

Unabänderliche Faktoren

Diese Risikofaktoren lassen sich zwar nicht beeinflussen, dennoch sollte man sie im Auge behalten und auf jeden Fall im Arztgespräch erwähnen, damit eine möglichst genaue Diagnose gestellt werden kann.

Lebensalter

Nach dem Knochenaufbau in Kindheit und Jugend, der im jungen Erwachsenenalter seinen Abschluss findet, setzt schon etwa mir 30 Jahren ein natürlicher Knochenabbau ein, der mit einer zunehmenden Gefahr osteoporosebedingter Knochenbrüche einhergeht. Nach dem 50. Geburtstag beträgt das Risiko dafür bei Frauen 40 und bei Männern 13 Prozent. Von Vorteil ist es also, wenn man in den Jahren davor eine gute Knochendichte durch gesunde Ernährung und viel Bewegung aufgebaut hat, denn dann kann man später von diesem Polster länger zehren.

Hormonelle Veränderungen (bei Frauen und Männern)

Bei Frauen sinkt nach den Wechseljahren der Spiegel des Sexualhormons Östrogen, das für eine Stärkung und den Schutz der Knochen sorgt, dementsprechend steigt das Osteoporoserisiko an. Ebenso kann eine Eierstock- oder Gebärmutterentfernung das Risiko auf gleiche Weise ansteigen lassen. Bei Männern, die an Osteoporose erkranken, vermutet man ebenfalls einen Mangel an Sexualhormonen als Ursache für eine Verringerung der Knochendichte. Etwa jeder vierte Über-50-Jährige ist davon betroffen.

Schwangerschaft und Stillzeit

Kalziumreiche Ernährung ist im Verlauf der Schwangerschaft und Stillzeit ratsam, da in dieser Zeit größere Mengen dieses Nährstoffs von der Mutter auf das Kind übergehen und somit das Osteoporoserisiko für die Mutter steigt.

Gene

Die Information, dass bereits die Eltern einen Bruch an den Oberschenkelhalsknochen erlitten haben, kann beispielsweise ein Hinweis auf ein vererbtes Risiko sein, an Osteoporose zu erkranken. Die Gene haben nämlich Einfluss auf die maximale Knochendichte sowie auf die Intensität des späteren Knochenverlusts.

Grund- und Begleiterkrankungen

Manche Vorerkrankungen bzw. Begleiterkrankungen können das Risiko, an Osteoporose zu erkranken, steigern und spielen daher bei der Diagnose und bei der Behandlung eine wichtige Rolle. Tritt eine Osteoporose als Folge- oder Begleiterkrankung einer anderen Krankheit ein, sprechen die Fachleute von einer sekundären Osteoporose, die durch die folgenden Leiden ausgelöst werden kann:

  • Magersucht
  • Diabetes mellitus Typ 1 und Typ 2
  • Epilepsie und damit einhergehende Einnahme von Antiepileptika
  • Entfernung des Magens (teilweise oder komplett)
  • Überfunktion der Schilddrüse oder Nebenschilddrüse
  • Herzinsuffizienz
  • Rheumatoide Arthritis (chronisch entzündete Gelenke)

Diagnose

Bei einem Verdacht auf Osteoporose wird von ärztlicher Seite in der Regel eine sogenannte Basis-Diagnostik durchgeführt, die folgende Diagnosemaßnahmen umfasst:

Anamnese

Bei der Anamnese wird die Vorgeschichte des Patienten innerhalb eines Arztgesprächs unter die Lupe genommen, verschiedene Tests werden durchgeführt, die Aufschluss über Mobilität und Sturzneigung geben, außerdem wird nach versteckten Knochenbrüchen gesucht.

Knochendichtemessung (Osteodensitometrie)

Damit das Risiko zukünftiger Knochenbrüche besser beurteilt und die Notwendigkeit einer medikamentösen Therapie geprüft werden kann, wird die Dichte der Knochen mittels spezieller Röntgenverfahren (Dual-Röntgen-Absorptiometrie, kurz DXA − oder DEXA für Dual Energy X-Ray Absorptiometry) gemessen.

Ist die Knochendichte zurückgegangen und besteht ein begründeter Verdacht auf Knochenbrüche, schließen sich weitere Diagnosemaßnahmen an:

Labor

Durch Blut- und Urinuntersuchungen im Labor wird festgestellt, ob eine andere (behandlungsbedürftige) Knochen- oder eine der bekannten, eine sekundäre Osteoporose auslösenden Vor- und Begleiterkrankungen vorliegt. Dadurch kann außerdem ermittelt werden, ob eine Nierenschwäche die Anwendung bestimmter Osteoporosemedikamente ausschließt.

Röntgen

Durch eine Röntgenuntersuchung werden Ergebnisse der Knochendichtemessung weiterverfolgt, vertieft und konkretisiert.

Biopsie

Eine Biopsie dient in seltenen Fällen dazu, letzte Zweifel auszuräumen: Knochengewebezellen werden im Labor auf Krankheitsanzeichen untersucht.

Therapie bei Osteoporose

Die Osteoporosetherapie, die immer eine Langzeittherapie darstellt, umfasst verschiedene Maßnahmen, die einander ergänzen und sich gegenseitig verstärken. Miteinander kombiniert werden können die folgenden Behandlungsmethoden:

Gabe von Kalzium und Vitamin D

Die Zufuhr dieser knochenaufbauenden Elemente, die eine entsprechend abgestimmte Ernährungsweise in unterschiedlichen Darreichungsformen (Brausetabletten, Pulver, Tabletten) ergänzen, gilt als Basistherapie. Die Dosierung der Nahrungsergänzungsmittel ist individuell vom behandelnden Arzt festzulegen.

Medikamentöse Behandlung

Eine Förderung des Knochenaufbaus und ein Abbremsen des Knochenaufbaus bewirken eine ganze Reihe unterschiedlichster Medikamente. Welches davon zum Einsatz kommt, hängt von der individuellen Konstitution der Patienten ab. Bei diesen Arzneien handelt es sich jedoch nicht um Schmerzmittel, sodass eine Schmerztherapie, falls nötig, mithilfe anderer, zur jeweiligen Osteoporosemedikation passender Präparate erfolgen muss.

Maßnahmen der Selbsttherapie

Osteoporosepatienten können und müssen auch selbst etwas gegen die Erkrankung unternehmen, neben einer auf die Krankheit abgestimmten Ernährung sollte sie vor allem mit körperlichem Training dafür sorgen, dass …

  • die Muskeln gestärkt,
  • Verspannungen gelöst und
  • der Aufbau von Knochenmasse gefördert werden.

Die sportlichen Aktivitäten sollten möglichst viel Spaß machen, um sich nicht ständig dazu zwingen zu müssen und das Trainingsprogramm über lange Zeit durchzuhalten. Mit dem Sportprogramm werden zugleich der Gleichgewichtssinn und die allgemeine Beweglichkeit gefördert und die Sturzgefahr gesenkt.

Kosten

Die Kosten einer Knochendichtemessung wurden bis 2014 nur dann von den gesetzlichen Krankenversicherungen getragen, wenn beim Patienten bereits osteoporosebedingte Knochenbrüche festzustellen waren und solcherart ein profunder Hinweis auf eine Erkrankung vorlag. Seit 2014 gilt etwas anderes: Nun kann die Knochendichtemessung auch dann eine GKV-Leistung sein, wenn der Patient mit Medikamenten therapiert werden soll und eine solche Therapie geplant ist. Die medikamentöse Behandlungsabsicht ist also entscheidend. Entsprechend dieser Neuregelung sind zwei Bedingungen für eine Kostenübernahme gegeben:

1. Man braucht eine Verordnung.
2. Man braucht einen Vertragsarzt, der die Knochendichtemessung durchführt.

Die Krux dieser Regelung liegt in Punkt 2: Weil nämlich die Knochendichtemessung als GKV-Leistung den Ärzten wenig einbringt, muss man erst einmal einen Vertragsarzt finden, der dazu bereit ist. Dies ist vor allem in ländlichen Regionen oft schwierig. Findet man keinen, muss man die DXA-Untersuchung als privatärztliche aus eigener Tasche zahlen. Manche klassischen Zusatzversicherungen übernehmen die Kosten im tariflichen Umfang.