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Ratgeber Selbstständige in der gesetzlichen Krankenversicherung

Die gesetzliche Krankenversicherung bietet Vorteile für Selbstständige. Vor allem, wenn sie eine Familie gründen wollen, ein mittleres Einkommen haben oder gesundheitliche Einschränkungen. Wichtig ist die Krankengeldabsicherung. Selbstständige können sich freiwillig in der gesetzlichen Krankenversicherung (GKV) versichern. Das kann im individuellen Fall Vorteile bringen – sowohl was die Beiträge angeht, als auch die Leistungen.

So gilt in der gesetzlichen Krankenversicherung ein Annahmezwang: Jeder kann sich bei einer gesetzlichen Krankenversicherung seiner Wahl versichern, unabhängig von seinem Gesundheitszustand. Anders als in der privaten Krankenversicherung findet keine Gesundheitsprüfung statt. Gerade für Versicherte mit aktuellen oder vergangenen gesundheitlichen oder auch psychischen Einschränkungen ist die GKV dann eine gute Wahl. Es gibt keine Leistungsausschlüsse oder Risikozuschläge wie in der privaten Krankenversicherung.

Ein weiterer entscheidender Vorteil ist die Möglichkeit der Familienversicherung in der GKV. Das Mitglied, dass das Haupteinkommen verdient, kann den Ehepartner und die Kinder kostenlos mitversichern. Voraussetzung ist, dass der Ehepartner nur ein geringes Einkommen hat, das das eines Mini-Jobs nicht übersteigt (450 Euro). Die gesetzliche Krankenversicherung bietet aber nicht nur Selbstständigen mit geringem oder mittlerem Einkommen günstige Beiträge, sie punktet auch in Sachen Leistungen: der Mutterschutz ist abgesichert (Frauen erhalten sechs Wochen vor und acht Wochen nach der Entbindung Mutterschaftsgeld in Höhe des Krankengeldes, siehe unten), eine Haushaltshilfe sowie häusliche Krankenpflege gehören zum Leistungsspektrum und bei einer Psychotherapie wird umfassend geleistet.

Die beste Kasse mit dem günstigsten Beitrag finden

So werden die Beiträge für Selbstständige in der gesetzlichen Krankenversicherung berechnet

In der gesetzlichen Krankenversicherung für Selbstständige richten sich die Beiträge nach dem Einkommen: wer viel verdient, zahlt mehr, wer weniger verdient, zahlt auch weniger. Das kann besonders für Selbstständige, die oftmals ein schwankendes Einkommen haben, von Vorteil sein. Selbstständige bezahlen in der Regel den ermäßigten Beitragssatz von 14,0 Prozent, denn sie haben keinen Krankengeldanspruch. Hinzu kommt der kassenindividuelle Zusatzbeitrag. Wollen sie den Krankengeldanspruch mitversichern, zahlen sie 14,6 Prozent und erhalten damit ab der 7. Krankheitswoche ein Krankengeld.

Die Beträge berechnen sich am Gewinn. Betriebseinnahmen abzüglich Betriebsausgaben ergeben die Summe, an der sich der Beitrag bemisst. Allerdings gilt wie bei angestellten Arbeitnehmern auch die Beitragsbemessungsgrenze. Sie liegt im Jahr 2019 bei 54.450 Euro. Nur bis zu dieser Summe werden die Beiträge berechnet, alles, was darüber liegt, bleibt unbeachtet. Selbstständig zahlen so maximal 635,25 Euro im Monat ohne Krankengeldanspruch, 662,48 Euro im Jahr mit Krankengeldanspruch. Hinzukommt jeweils der Zusatzbeitrag, der im Durchschnitt im Jahr 2019 bei 0,9 Prozent vom beitragspflichtigen Einkommen liegt. Daneben gilt auch ein Mindestbeitrag: Die Mindestbemessungsgrundlage für 2019 beträgt 1.038 Euro im Monat – 12.456 Euro im Jahr. Bei einem ermäßigten Beitragssatz von 14,0 Prozent ergibt sich so ein Mindestbeitrag von 145,32 Euro im Monat, plus Zusatzbeitrag.

Umsatzeinbrüche und unerwartete Gewinne rechtzeitig melden

Für die Berechnung ist jeweils der aktuellste Steuerbescheid maßgeblich. Auf dieser Grundlage legt die Krankenkasse die vorläufige Beitragshöhe für ein Jahr fest. Erst wenn der Steuerbescheid des betroffenen Beitragsjahres tatsächlich vorliegt, erfolgt die endgültige Festsetzung der Beiträge. Wurden die Beiträge zu hoch angesetzt, kommt es zu einer Rückzahlung. Wurden sie zu niedrige angesetzt, ist eine Nachzahlung zu leisten. Selbstständige sollten wissen, dass steigende Gewinne Beitragsnachzahlungen bedeuten, die oft mit erheblicher Verzögerung anfallen, je nachdem wann der Steuerbescheid erstellt wird. Um überraschende Nachzahlungen zu vermeiden, können Versicherte ihrer Kasse unerwartete Gewinne, aber auch Umsatzeinbrüche im Laufe des Jahres melden und eine Beitragsanpassung beantragen.

Ein Blick aufs Krankengeld lohnt sich

Selbstständige sollten ihre Absicherung im Krankheitsfall im Blick haben. Zahlen sie in der GKV nur den ermäßigten Beitragssatz, haben sie keinen Krankengeldanspruch und stehen ab Tag eins ohne Einkommen da. Über Zahlung des allgemeinen Beitragssatzes von 14,6 Prozent können sie sich einen Krankengeldanspruch in der GKV sichern. Sie erhalten dann ab der 7. Krankheitswoche ein Krankengeld (ab dem 43. Tag). Diese Absicherung kostet maximal rund 27 Euro mehr im Monat (Beitragsbemessungsgrenze).

Das gesetzliche Krankengeld beträgt 70 Prozent des Arbeitseinkommens, das zuletzt auch für die Berechnung des Beitrags maßgeblich war. Auch hier kommt die Beitragsbemessungsgrenze ins Spiel: Das Krankengeld wird nur bis zu dieser Einkommensgrenze gewährt. Im Jahr 2019 liegt das maximale Krankengeld damit bei 3.176,25 Euro im Monat, das entspricht einem Tagessatz von 105,88 Euro am Tag.

Krankengeld für Selbstständige: Das ist wichtig

  • Selbstständige müssen ausdrücklich gegenüber ihrer Krankenkasse erklären, dass sie den Krankengeldanspruch wünschen.
  • Wer sich für das Krankengeld entscheidet, bindet sich drei Jahren lang an die gesetzliche Krankenkasse.
    Selbstständige erhalten Krankengeld maximal 78 Wochen lang innerhalb von drei Jahren für dieselbe Erkrankung.
  • Auch für werdende Familien ist die Krankengeldabsicherung wichtig: Frauen erhalten sechs Wochen vor und acht Wochen nach der Entbindung Mutterschaftsgeld in Höhe des Krankengeldes.

So lässt sich Krankengeld aufstocken

Selbstständige können sich über Abschluss eines Wahltarifs in der GKV einen zusätzlichen Krankengeldanspruch sichern. Zeitpunkt oder Höhe des Krankentagegeld lassen sich dann individueller wählen. Die meisten Wahltarife sind als Ergänzung zum gesetzlichen Krankengeld konzipiert. Übrigens: Für einen Wahltarif fällt keine Gesundheitsprüfung an. Auch chronisch Kranke können einen Tarif abschließen. An einen Wahltarif sind Versicherte drei Jahren lang gebunden. Hier einige interessante Tarifbeispiele:

Barmer

Mit dem Ergänzungstarif KGS22 der Barmer erhält der Selbstständige bereits eine Zahlung ab dem 22. Krankheitstag, bis zum 42. Tag. Dafür fällt ein Beitrag von 1,0 Prozent der beitragspflichtigen Einnahmen zur Krankenversicherung an, maximal bis zur Beitragsbemessungsgrenze an. Ein Selbstständiger mit 2.500 Euro beitragspflichten Einnahmen im Monat zahlt für den früheren Krankengeldanspruch 25 Euro im Monat.

Alternativ gibt es den Volltarif KGS92, der ein Krankengeld ab dem 92. Tag gewährt. Der Tarif eignet sich für Selbstständige, die aus eigenen Mitteln gut drei Monate lang finanziell überbrücken können, bis das Krankengeld fließt. Sie zahlen dann 0,4 Prozent der beitragspflichtigen Einnahmen zur Krankenversicherung, maximal bis zur Beitragsbemessungsgrenze. Ein Selbstständiger mit 2.500 Euro beitragspflichten Einnahmen im Monat zahlt für den Krankengeldanspruch zehn Euro im Monat.

Techniker

Mit dem Tarif KG Plus der Techniker Krankenkasse lässt sich das gesetzliche Krankengeld ab dem 43. Tag aufstocken: Je zehn Euro Krankentagegeld fallen acht Euro Prämie an. 30 Euro Tagegeld (900 Euro im Monat) kosten damit 24 Euro im Monat. Alternativ gibt es den Ergänzungstarif KG Klassik 22: er sichert ein Krankentagegeld ab dem 22. bis zum 42 Tag der Arbeitsunfähigkeit. Die Höhe lässt sich selbst festlegen, je fünf Euro Krankengeld fallen 1,90 Euro an Beitrag an. Für 30 Euro Tagegeld kommen so 11,40 Euro an Beitrag zusammen im Monat.

AOK

Der Tarif KG 22 den verschiedene AOKs anbieten, ist ein Ergänzungstarif. Gewährt wird Krankengeld ab dem 22. Tag. Dafür fallen monatlich 0,7 Prozent der beitragspflichtigen Einnahmen an, die für die Bemessung der Krankenversicherungsbeiträge maßgebend sind. Ein Selbstständiger mit 2.500 Euro beitragspflichten Einnahmen im Monat zahlt für den früheren Krankengeldanspruch 17,50 Euro im Monat.

Mit Kassenwechsel zum richtigen Wahltarif

Bietet die eigene Krankenkasse keinen passenden Wahltarif zum angemessenen Beitrag, steht es dem Versicherten frei, die Kasse zu wechseln. Das ist wissenswert:

  • Um die Beiträge für die Wahltarife verschiedener Kassen zu vergleichen, sollten immer auch die Zusatzbeiträge miteinbezogen werden. So kann zum Beispiel der Beitrag für einen Wahltarif bei der einen Kasse teurer sein, dafür ist vielleicht der Zusatzbeitrag günstiger und die Mehrkosten gleichen sich so wieder aus.
  • Nicht nur der Krankengeldwahltarif sollte ausschlaggebend sein für einen Kassenwechsel. Auch die Höhe des kassenindividuellen Zusatzbeitrags und die Zusatzleistungen, die Kassen in anderen Bereichen – etwas beim Zahnarztbesuch, bei Vorsorgeuntersuchungen oder Reiseimpfungen – anbieten, sollten mit in die Überlegungen einbezogen werden. Letztlich muss das Gesamtpaket stimmen.

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