Sie befinden sich hier:

Stress: Ursachen und Behandlungsmöglichkeiten

Als evolutionsbiologischer Ausgangspunkt von Stressreaktionen gelten Gefahrensituationen, denen die frühen Menschen in der Natur häufig ausgesetzt waren. Die Stressreaktionen bestanden in einer erhöhten Handlungsbereitschaft, erhöhter Aufmerksamkeit und einer erhöhten Entscheidungsbereitschaft (Kampf oder Flucht?), die von entsprechenden physiologischen Prozessen ausgelöst wurden bzw. mit ihnen einhergingen: Adrenalin-Ausschüttung, erhöhter Muskeltonus, Anstieg von Blutzuckerspielgel und Blutdruck.

Da lebensbedrohliche Stress-Situationen schnelle Stressreaktionen erforderlich machen, erfolgte ihre erste Feststellung zumeist nicht über das langsam arbeitende Großhirn, sondern über das schnellere Stammhirn. Die alten schematisierten Stammhirn-Mechanismen haben sich beim Menschen bis heute bewahrt: Immer noch reagieren wir auf bestimmte Auslöser wie plötzliche, laute oder schrille akustische Phänomene (schrille Schreie, lauten Knall etc.), plötzliche Helligkeitswechsel und Ähnliches wie vor vielen 1.000 Jahren.

Eine typische Stressreaktion läuft dabei nach dem Phasenmuster „Alarm“ (Der Stress wird wahrgenommen) ‒ „Bereitschaft“ (Der Körper bereitet sich blitzartig auf eine Reaktion vor) ‒ „Resistenz“ (Der Körper empfängt den Stress und geht mit Ihm um) ab. Danach lässt die Stressreaktion nach und „Erschöpfung“ (durch erhöhten Energie- und Nährstoffverbrauch) stellt sich ein.

Stressarten

Positiver Stress

Stress ist nicht generell negativ zu bewerten, denn mancher Stress, sogenannter Eustress, bringt uns sogar weiter. Zwar wird der Körper auch beim Eustress stark beansprucht, diese Beanspruchung wirkt sich nach Art eines Trainings jedoch langfristig positiv aus. Meistens geht dieser positive Stress mit großer Motivation zu einer Anstrengung (beruflicher, sportlicher etc. Natur) einher, die einen Lohn bzw. ein Ziel verspricht, dessen Erreichen mit der Ausschüttung von Glückshormonen belohnt wird. Auch die erfolgreiche Bekämpfung einer Krankheit oder die Geburt eines Kindes können mit Eustress verbunden sein.

Negativer Stress

Neben dem positiven Stress gibt es natürlich auch den negativen Stress, den sogenannten Disstress oder Dysstress, der erst dann wirklich als negativ empfunden wird, wenn er mit größerer Häufigkeit oder über eine lange Dauer auftritt und körperlich und/oder physisch nicht kompensiert werden kann. Distress wird als unangenehm, überfordernd und bedrohlich wahrgenommen, vor allem dann, wenn die oder der Gestresste (subjektiv oder objektiv) keine Möglichkeit der Stressbewältigung sieht oder tatsächlich hat.

Stressfaktoren

Stressfaktoren können sehr unterschiedlich sein, man unterscheidet zwischen abiotischen, biotischen und psychosozialen.

Abiotische Faktoren

Zu den abiotischen (nicht-lebenden) zählen beispielsweise Lärm. Kälte, Hitze, Abgase, Strahlungen (Sonneneinstrahlung, elektromagnetische und radioaktive Strahlung), Gifte und andere toxische Substanzen (zum Beispiel Weichmacher oder Pestizide), (Zigaretten-) Rauch, übermäßiger Alkoholkonsum und vitalstoffarme Ernährung.

Biotische Faktoren

Biotische (lebende) Faktoren stammen vorwiegend aus dem Bereich der Krankheiten: Viren, Bakterien, Pilze, Parasiten und andere Krankheitserreger, Tumore, chronische oder autoimmune Entzündungen.

Psychosoziale Faktoren

Neben diesen beiden Arten spielen psycho-soziale Stressfaktoren eine große und, wie viele meinen, in der modernen Lebens- und Arbeitswelt immer größere Rolle. Ihre Liste ist lang: Versagensangst, Perfektionismus, Termindruck, Zeitmangel, Schlafentzug, Mobbing in der Schule und am Arbeitsplatz, soziale Isolation, Einsamkeit, Schichtarbeit, Fließbandarbeit, Armut, Schulden, Geldsorgen, chronische Beziehungskonflikte, Zivilisationslärm, vor allem Verkehrslärm, Unterforderung, Überforderung, Reizüberflutung, große Erwartungen anderer oder ständige Verfügbarkeit für andere.

Stresssymptome und -folgen

Stress beansprucht den Körper und fordert ihn zu einer Reaktion heraus und gegebenenfalls zu einer Anpassung. Im Falle des positiven Eustress‘ profitiert der Körper langfristig im Sinne eines sportlichen Trainingseffekts. Disstress dagegen versetzt den Körper zunächst in Anspannung (zum Beispiel durch die Ausschüttung bestimmter Neurotransmitter und Hormone wie Adrenalin und Noradrenalin), führt auf Dauer aber zu einer Abnahme von Aufmerksamkeit und Leistungsfähigkeit. Noch längerfristig richtet der Stress schließlich gesundheitliche Schäden an. Wann diese Grenze zur Gesundheitsschädigung überschritten wird, hängt auch von der individuellen physischen und psychischen Konstitution der oder des Gestressten ab.

Die Folgen von Stress ‒ eine lange Liste

Stress ‒ vor allem in Form von Dauerstress ‒ äußert sich in einer Vielzahl physischer und psychischer Symptome, die sich durchaus vermischen, gegenseitig bestärken und in gesundheitliche Langzeitfolgen übergehen können. Dazu zählen unter anderem:

  • Kopfschmerzen
  • Innere Unruhe
  • Verspannungen
  • Schlafstörungen
  • Erschöpfungszustände bis hin zum Burnout
  • Chronische Entzündungen und Autoimmunkrankheiten
  • Diabetes
  • Depressionen
  • Übergewicht
  • Impotenz
  • Beeinträchtigungen von Heilungsverläufen
  • Daumenlutschen
  • Nachtangst und Bettnässen bei Kindern
  • Aggressivität
  • Alpträume
  • Konzentrationsmängel
  • Verdauungsprobleme
  • Hautprobleme
  • Schmerzen in den Muskeln
  • Zähneknirschen
  • Vermutlich sogar Krebserkrankungen und weitere Störungen

Die häufigsten Stress-Folgen

Stressabbau, Stressbewältigung und Stressvermeidung

Der richtige Umgang mit Stress kann entscheidend dazu beitragen, den Stress zu reduzieren und die Folgen zu beseitigen.

Stressabbau

Zeitweilige Stressphasen lassen sich durch Erholungsphasen kompensieren. Die Erholungsphasen müssen aber so lang sein, dass der angesammelte Stress tatsächlich abgebaut werden kann, ansonsten tritt man geschwächt der nächsten Stressphase entgegen, wodurch sich das Problem stetig verschlimmert und potenziert. Dieser Mechanismus gilt vor allem für Stress im Beruf, der durch entsprechende Urlaubszeiten ausgeglichen werden sollte. Weitere Mittel zum Stressabbau sind beispielsweise Atemübungen, ausreichender Schlaf, gesunde Ernährung, besseres Zeitmanagement, Entspannungsübungen oder Bewegung in der Natur.

Stressbewältigung

Beruht der Stress auf persönlichen Konflikten oder innerpsychischen Problemen, müssen diese aus dem Weg geräumt oder bewältigt werden, durch Lösung der Konflikte oder durch therapeutische Maßnahmen, von denen es sehr viele gibt.

Stressvermeidung

Am effektivsten ist natürlich die Stressvermeidung: Rufen Beziehungen beispielsweise nur noch Unwohlsein hervor, kann es unumgänglich sein, sie zu beenden, wird die Situation im Job nicht besser, kann oft nur ein Berufswechsel helfen, lärmen die Nachbarn trotz Bitten und Drohungen weiter, sollte ein Wohnungswechsel nicht ausgeschlossen werden.

Stress in Schule und Job vermeiden

Stressvermeidung ist mittlerweile auch zu einem wichtigen Thema in Betrieben und Schulen geworden, wo verstärkt Maßnahmen entwickelt werden, um das kollektive Stressempfingen zu verringern und damit die Lern- bzw. Arbeitsatmosphäre zu verbessern. Die Anstrengungen im wirtschaftlichen Bereich zielen nicht zuletzt natürlich auch darauf ab, die Produktivität der Mitarbeiter zu erhöhen, denn negativer Dauerstress mindert die Konzentrations- und Leistungsfähigkeit und führt nachweislich zu krankheitsbedingten Fehlzeiten ‒ und damit zu erhöhten Kosten.