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Zusatzbeitrag: Krankenkasse mit Sparpotenzial wählen

Das Wichtigste auf einen Blick

Der Zusatzbeitrag…

➤ ist ein kassenindividueller, einkommensabhängiger Prozentbetrag

➤ beträgt durchschnittlich 0,9 Prozent im Jahr 2019

➤ wird von fast allen Kassen erhoben

➤ wird paritätisch von Arbeitgeber und Arbeitnehmer finanziert

➤ wird automatisch vom Bruttoeinkommen abgezogen

➤ löst ein Sonderkündigungsrecht aus

Krankenkassen mit einem geringen Zusatzbeitrag

KrankenkasseZusatzbeitragGesamtbeitrag
hkk Krankenkasse0,39 %14,99 %
BKK firmus0,44 %15,04 %
BKK Verbund plus0,50 %15,10 %
IKK gesund plus0,60 %15,20 %
Audi BKK0,70%15,30%
Techniker Krankenkasse0,70%15,30%

In der gesetzlichen Krankenversicherung gilt ein allgemeiner Beitragssatz von 14,6 Prozent. Diesen Betrag teilen sich Arbeitnehmer und Arbeitgeber zu je 7,3 Prozent. Zusätzlich kann jede Kasse einen individuellen, einkommensabhängigen Zusatzbeitrag erheben. Seit 2019 wird auch dieser paritätisch zwischen Arbeitgeber und Arbeitnehmer geteilt. Das hat für Arbeitnehmer eine spürbare finanzielle Entlastung gebracht.

Info

Selbstständige mit einer freiwilligen Krankenversicherung in der GKV müssen für den Zusatzbeitrag komplett alleine aufkommen. Rentner zahlen den Zusatzbeitrag zu Hälfte, die andere übernimmt der Träger der Rentenversicherung.

Der Zusatzbeitrag schwankt

Der Zusatzbeitrag zum Krankenkassenbeitrag ist für die gesetzliche Krankenversicherung eine entscheidende Stellschraube. Kommen sie nicht mit dem aus dem Gesundheitsfonds zugewiesenen Geld aus, können sie über den Zusatzbeitrag zusätzliche Einnahmen generieren. Die Kassen legen die Höhe des Zusatzbeitrag selbst fest, er schwankt je nach ihrer aktuellen wirtschaftlichen Lage. Er kann durchaus in einem Jahr höher oder auch niedriger als im Folgejahr liegen. Gleichzeitig ist der Zusatzbeitrag ein interessantes Wettbewerbsinstrument: das Preis-Leistungs-Verhältnis ist ein wichtiger Faktor bei der Kassenwahl geworden.

So hoch ist der Zusatzbeitrag 2019

Inzwischen verlangen so gut wie alle Kassen einen Zusatzbeitrag. Jedes Jahr wird ein durchschnittlicher Zusatzbeitrag festgelegt, der als Richtgröße dient. Im Jahr 2019 liegt er bei 0,9 Prozent. Die Kassen liegen zum Teil darunter, andere aber auch deutlich darüber. Den niedrigsten Zusatzbeitrag der bundesweit geöffneten Kassen erhebt die hkk mit 0,39 Prozent, den höchsten die DAK und die KKH mit 1,5 Prozent. Regional geöffnete Kassen können zum Teil sehr niedrige Zusatzbeiträge anbieten, z.B. die AOK Sachsen-Anhalt mit 0,3 Prozent, BKK Euregio mit 0,35 Prozent oder die BKK Pfaff mit 0,4 Prozent. Manche liegen aber auch deutlich über dem Durchschnittswert, etwa die BKK Herkules mit 1,7 Prozent.

Der Durchschnittsbeitragssatz ist ein Messwert, der auch anzeigt, wie gut die Kassen finanziell aufgestellt sind. Im Jahr 2018 lag der durchschnittliche Zusatzbeitrag noch bei 1,0 Prozent, also etwas höher als in diesem Jahr, 2017 lag er bei 1,1 Prozent. Die Senkung zum Jahresbeginn 2019 ist auf die gute wirtschaftliche Lage der Kassen zurückzuführen. Insgesamt konnten die Kassen finanzielle Reserven aufbauen, von denen die Versicherten jetzt profitieren. Dennoch können Versicherte nicht davon ausgehen, dass sich der Abwärtstrend beim Zusatzbeitrag in den nächsten Jahren weiter fortsetzt.

So wirkt sich der Zusatzbeitrag aus

Der Zusatzbeitrag macht nicht den Löwenanteil am Gesamtbeitrag aus. Und dennoch sollte seine Auswirkung nicht unterschätzt werden. Die Beitragsdifferenz zwischen einer Kasse mit hohem und einer mit niedrigem Zusatzbeitrag kann durchaus eine beträchtliche Summe im Jahr ausmachen. Eine Beispielrechnung veranschaulicht das:

Zusatzbeitrag Krankenkasse: So wird gerechnet

Bei einem Einkommen von 3.000 Euro im Monat fallen bei einem allgemeinen Beitragssatz von 14,6 Prozent 438 Euro an Beitrag an. Davon bezahlt der Arbeitgeber 219 Euro im Monat, der Versicherte ebenfalls 219 Euro. Wer bei der DAK versichert ist, zahlt einen Zusatzbeitrag von 1,5 Prozent vom Bruttoeinkommen, 45 Euro im Monat. Die Hälfte davon trägt der Arbeitgeber, der Arbeitnehmer wird mit 22,50 Euro belastet. In Summe kommt er auf einen GKV-Beitrag von 241,50 Euro im Monat. Wechselt der Versicherte zur hkk, die einen Zusatzbeitrag von 0,39 Prozent erhebt, fallen 11,70 Euro an Zusatzbeitrag im Monat an, wovon der Arbeitgeber die Hälfte übernimmt. Auf den Arbeitnehmer entfallen 5,85 Euro. In Summe kommt der Versicherte auf einen monatlichen GKV-Beitrag von 224,85 Euro. Die Beitragsdifferenz zwischen DAK und hkk liegt bei diesem Beispiel bei 16,65 Euro.

Das Fazit: Auf das ganze Jahr gerechnet sind das fast 200 Euro Ersparnis, die ein Kassenwechsel von der DAK zur hkk ausmachen würde.

Übrigens: Nicht allein die Höhe des Zusatzbeitrags sollte ein Kriterium für die Wahl einer Krankenkasse sein. Die Kassen bieten unterschiedliche Zusatzleistungen an, die selbst auch eine Kostenersparnis darstellen können, etwa wenn eine Kasse mehr Leistungen im Bereich Zahnversorgung bietet oder bei Reiseimpfungen. Das Gesamtpaket sollte stimmen.

Sonderregelung beim Zusatzbeitrag der Krankenkassen

Manche Personengruppen können vom Zusatzbeitrag befreit werden. Empfänger von Kranken, Verletzten-, Versorgungskranken- oder Übergangsgeld sowie Empfänger von Mutterschafts- oder Elterngeld zählen dazu. Auch Mitglieder in der beitragsfreien Familienversicherung zahlen keinen Zusatzbeitrag. Bei anderen Personengruppen übernehmen Arbeitgeber, Jobcenter, Arbeitsagentur u.a. den Betrag. Zu diesen Gruppen zählen beispielsweise Personen, die Arbeitslosengeld I, II oder Hartz IV erhalten, die einen Bundesfreiwilligendienst oder aber ein Freiwilliges soziales oder ökologisches Jahr absolvieren.

Zusatzbeitrag und Kündigung

Erhebt die Kasse erstmalig einen Zusatzbeitrag oder wird der Zusatzbeitrag erhöht, entsteht für den Versicherten ein Sonderkündigungsrecht. Er darf also die Krankenkasse wechseln und sich, wenn er möchte, eine Kasse mit einem niedrigeren Zusatzbeitrag aussuchen. Die 18-monatige Mindestmitgliedschaft, die sonst Voraussetzung für einen Kassenwechsel ist, muss in diesem Fall nicht erfüllt sein.

Die Kasse muss die Erhebung oder die Erhöhung des Zusatzbeitrags dem Versicherten offiziell mitteilen. Das geschieht meist per Post. Liegt der Zusatzbeitrag über dem für das Jahr geltenden Durchschnittswert (2019: 0,9 Prozent), muss die Kasse zusätzlich darauf hinweisen, dass ein Wechsel zu einer günstigeren Kasse möglich ist. Die Kasse muss dies mindestens einen Monat vor der ersten Fälligkeit des Zusatzbeitrags erledigen.

Bis zum Ablauf des Monats, in dem der Beitrag erstmals fällig oder erhöht wird, haben Kassenmitglieder Zeit, zu kündigen. Es gilt dann aber trotzdem die zweimonatige Kündigungsfrist zum Monatsende: wer im September kündigt, kann zum 1. Dezember Mitglied einer neuen Krankenkasse werden. Der Zusatzbeitrag ist bei der alten Kasse so lange zu zahlen, bis die Kündigung greift.

Unser Tipp

Die gesetzliche Krankenversicherung ist verpflichtet, ihre Mitglieder von dem Sonderkündigungsrecht zu informieren. Versäumt sie dies, verlängert sich das Sonderkündigungsrecht.11

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Kündigungsrecht bei Wahltarifen

Hat der Versicherte sich für einen Wahltarif entschieden – z.B. Wahltarif Kostenerstattung – gilt üblicherweise eine Bindungspflicht für einen bestimmten Zeitraum. Das Sonderkündigungsrecht hebelt diese aber aus. Das heißt: trotz Wahltarif darf der Versicherte bei Erhöhung oder erstmaliger Erhebung des Zusatzbeitrags kündigen. Allerdings gibt es eine Ausnahme: beim Wahltarif Krankengeld bleibt der Versicherte bis zum Ablauf der Bindungsfrist an seine Kasse gebunden.

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