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Wurzelbehandlung: Wann die Krankenkasse zahlt

Die gesetzlichen Krankenversicherungen bezahlen eine Wurzelbehandlung nur noch dann, wenn abzusehen ist, dass der Zahn durch die Behandlung auch tatsächlich erhalten werden kann. Die Chancen dafür sind grundsätzlich umso höher, je gründlicher und damit tiefer die Wurzeln vom Zahnarzt gereinigt und anschließend auch befüllt werden können. Dafür müssen zwei Bedingungen erfüllt sein:

1. Behandlung in die Tiefe möglich

Erste Bedingung der Krankenkassen für die Kostenübernahme der Wurzelbehandlung ist somit, dass der Zahnarzt die Wurzelkanäle bis an die Spitze behandeln kann und auch eine Füllung bis dahin möglich ist.

2. Gesamtsituation im Kiefer

Für die Wurzelbehandlung der Backenzähne gelten außerdem zusätzlich noch gesonderte Bedingungen, von denen mindestens eine zutreffen muss. So zahlt die Krankenkasse die Wurzelbehandlung eines Backenzahns …

  • wenn der Zahn in einer bis dahin noch vollständigen Reihe ohne sonstige Lücken steht und mit der Wurzelbehandlung diese ununterbrochene Zahnreihe erhalten werden kann.
  • (und/oder) wenn durch die Wurzelbehandlung eine sogenannte einseitige Freiendsituation vermieden werden kann. Das heißt, dass verhindert werden kann, dass auf einer Seite der letzte Zahn fehlt.
  • (und/oder) wenn der Zahn einen bereits bestehenden und funktionstüchtigen Zahnersatz trägt und dieser dadurch erhalten werden kann.

Wird keines dieser Kriterien erfüllt, besteht die Kassenleistung für die Wurzelbehandlung lediglich im Entfernen des erkrankten Zahns.

Unsicherheit für die Patienten – auch finanziell

Nicht immer ist es für den Zahnarzt einfach, im Voraus zu bestimmen, ob die Krankenkassen-Kriterien eingehalten werden können. Manchmal sieht man einen Wurzelkanal auf dem Röntgenbild nicht richtig. Manchmal wird erst während der Behandlung klar, dass Wurzelkanäle weiter verzweigt sind, als man dachte. Können die oben genannten Bedingungen dadurch nicht mehr erfüllt werden, darf der Zahnarzt die Kosten nicht mehr über die Krankenkasse abrechnen.

Hintergrund: Was passiert bei einer Wurzelbehandlung?

Wird Karies über längere Zeit nicht versorgt, können Bakterien in die tieferen Schichten des Zahns vordringen und in den Zahnwurzeln eine äußerst schmerzhafte Entzündung auslösen – Zahnverlust droht. Soll der Zahn erhalten bleiben, muss der Zahnarzt die Entzündung rechtzeitig und nachhaltig stoppen. Dazu führt er eine sogenannte Wurzelbehandlung durch. Bei einer Wurzelbehandlung öffnet der Arzt den Zahn an der Zahnkrone durch ein Loch und entfernt mit speziellen sehr feinen Instrumenten das entzündete Mark, die Blutbahnen und das Nervengewebe aus den Wurzeln des Zahns. Die entstandenen Hohlräume werden anschließend desinfiziert und dann mit einem speziellen Wurzelfüllmaterial wieder gefüllt. Danach verschließt der Zahnarzt das Loch wieder. In der Regel sind mehrere Sitzungen nötig. Häufig wird der behandelte Zahn – zur besseren Stabilisierung – anschließend noch überkront.

Wurzelbehandlung immer häufiger Privatleistung

Die gesetzliche Krankenkasse zieht sich nicht nur dann aus der finanziellen Verantwortung zurück, wenn die erwähnten Kriterien nicht erfüllt werden. Häufig werden von Zahnärzten bei der Wurzelbehandlung auch bestimmte moderne Verfahren eingesetzt, die zu höheren Erfolgschancen führen sollen oder geringere Schmerzen verursachen. Dazu zählen der Einsatz eines OP-Mikroskopes bzw. OP-Lasers, die elektronische Wurzellängenmessung oder auch die Anwendung von elektrophysikalisch-chemischen Methoden. Nehmen Sie eine solche Behandlung in Anspruch, müssen Sie die Kosten dafür selbst tragen. Das können bis zu 500 Euro sein.

Zahnzusatzversicherung übernimmt die Kosten

Die meisten Zahnzusatzversicherungen sehen heute bereits die Kostenübernahme für Wurzelbehandlungen vor, wenn und soweit die Kasse nicht leistet. Die Bedingungen sind dabei sehr unterschiedlich: Manche Zahnzusatzversicherungen setzen voraus, dass die Kasse grundsätzlich leistet, und erstatten dann die Zusatzkosten für privatärztliche Behandlungen und die Mehrkosten über die Erstattungen der GKV hinaus. Andere Zahnzusatzversicherungen springen nur dann ein, wenn die Kasse gar nicht einstandspflichtig ist.

Zahnzusatzversicherung: Kosten einer Wurzelbehandlung absichern